Tier liegt weiter in der BuchtPrognose für Wal vor Wismar hat sich "deutlich verschlechtert"

Der Buckelwal in der Ostsee hat sich bereits zweimal aus Sandbänken befreit. Nun liegt er dennoch weiter in der Wismarbucht. Experten zufolge ist er sehr geschwächt und muss schnell freikommen, um noch eine Chance zu haben.
Die Rettungsaussichten für den bei Wismar in der Ostsee verirrten Buckelwal haben sich "deutlich verschlechtert". "Die Prognose sieht insgesamt nicht gut aus", sagte der Meeresforscher Burkard Baschek in Wismar nach einer Begutachtung vor Ort. Dem Wal solle jetzt Ruhe gegeben werden, damit er sich womöglich doch noch selbst freischwimmt. Er sei sehr geschwächt, sagte Baschek. Sein Fitnesszustand habe sich im Vergleich zum Samstag deutlich verschlechtert.
Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus sagte, man wolle den Wal jetzt in Ruhe lassen - in der Hoffnung, dass er Kraft tankt, sich selbst befreit und den Weg aus der Ostsee heraus findet. Die Behörden haben nach Worten von Backhaus ein Sperrgebiet im Umkreis von 500 Metern rund um den Wal gezogen, in das kein Schiff oder Boot hineinfahren dürfe.
Baschek sagte, der Wal liege in einer Wassertiefe, die etwa dem in der Nacht zu Sonntag vor der nahe gelegenen Insel Walfisch entspricht, als sich das Tier selbst freigeschwommen habe. Wenig später blieb es den Angaben zufolge aber wieder im flachen Wasser in der Wismarbucht liegen. "Er sitzt leicht mit dem Bauch auf", erklärte Baschek gegenüber RTL/ntv. "Das heißt, er wäre in der Lage, sich freizuschwimmen. Tut es aber nicht."
Wasserstand soll sinken
Die Aussichten drohen sich für den Wal unterdessen zu verschlechtern. Baschek sagte, bis Montagnacht, 4.00 Uhr, werde damit gerechnet, dass der Wasserstand um etwa 40 Zentimeter sinken wird. "Wenn der Wal nicht aus eigener Kraft in den nächsten Stunden freikommt, wird die Situation insgesamt für ihn erstmal schlechter, weil die Wassertiefe sich verändert an dem Ort."
Expertinnen und Experten der Organisation Greenpeace, des Deutschen Meeresmuseums und des Instituts für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung waren laut Maack im Einsatz. Das Tier sei sehr geschwächt, seine Haut "extrem angegriffen", sagte Maack.
Der Ernährungszustand des Wals ist gut, wie Stephanie Groß vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung der Tierärztlichen Hochschule Hannover sagte. Buckelwale könnten wochenlang ohne Nahrung auskommen. Allerdings hänge dem Wal immer noch ein Teil eines Netzes aus dem Maul. Es habe sich nicht herausziehen lassen.
Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus hatte sich ebenfalls von einem Boot aus ein Bild von der Situation gemacht, wie ein Ministeriumssprecher bestätigte. "Entscheidend ist erst mal zu schauen, wie die Lage des Tieres ist", sagte der Sprecher. In der Nacht auf Sonntag war es dem Wal laut Ministerium zunächst gelungen, mit steigendem Wasserstand die Sandbank in der Wismarbucht zu verlassen. Doch die Gewässer in Küstennähe seien sehr flach.
Woher kommt der Buckelwal?
Bereits seit Anfang März war der Wal immer wieder an der Ostseeküste aufgetaucht, zunächst im Hafen von Wismar, später in der Lübecker Bucht und an der Küste bei Steinbeck im Kreis Nordwestmecklenburg. Anfangs war noch von einem Finnwal die Rede gewesen. Das Tier hatte sich in einem Netz verfangen. Einsatzkräfte und Meeresschützer der Organisation Sea Shepherd hatten es von einem Teil des Materials befreit.
Am Montagmorgen war der 12 bis 15 Meter lange Meeressäuger dann auf einer Sandbank vor dem Timmendorfer Strand entdeckt worden. Tagelang bemühten sich viele Helferinnen und Helfer, das gestrandete Tier zu befreien. Am Donnerstagabend hatten sie versucht, den Wal mit Lärm zu animieren - durch Hupen, Trommeln oder Rufen. Auch das Tier selbst gab immer wieder ein lautes Brummen von sich.
In der Nacht zum Freitag hatte sich der Buckelwal überraschend selbst durch eine per Schwimmbagger ausgegrabene Rinne befreit. Am Freitagnachmittag war er aus der Lübecker Bucht in Richtung Mecklenburg geschwommen, allerdings in Küstennähe. Das Tier strandete dann erneut und blieb auf einer Sandbank in der Wismarbucht stecken. Davon befreite es sich in der Nacht, lag am Sonntag aber zunächst wieder an einer anderen Stelle der Bucht.