Panorama

Ex-Polizist vor GerichtProzess um Tod von George Floyd gestartet

29.03.2021, 22:15 Uhr
27cfb1106f5c5e6ce0f442c6d23a0704
Bei dem Prozess um den Tod von George Floyd geht es auch um die Frage, wie die USA mit Rassismus und Polizeigewalt umgehen. (Foto: REUTERS)

"I can't breathe" - die Worte gingen Mitte 2020 um die Welt, weil George Floyds Stimme danach für immer verstummte. Der Tod des Afroamerikaners bei einem Polizeieinsatz löste eine Protestwelle weit über die USA hinaus aus. Nun steht der Ex-Polizist, der ihm die Luft abschnürte, vor Gericht. Dabei geht es jedoch um mehr.

In den USA hat der Aufsehen erregende Prozess gegen einen weißen Ex-Polizisten wegen des gewaltsamen Todes des Afroamerikaners George Floyd begonnen. Derek Chauvin habe "übermäßige und unangemessene Gewalt" gegen Floyd angewandt, sagte Staatsanwalt Jerry Blackwell in seinem Eröffnungsplädoyer. Freunde und Anwälte der Floyd-Familie gedachten des Verstorbenen mit einer emotionalen Geste vor dem Gerichtsgebäude und knieten minutenlang nieder.

Der angeklagte Chauvin habe sein Knie auf den Hals und Rücken von Floyd gedrückt, "bis das Leben aus ihm herausgepresst wurde", sagte Blackwell. Damit habe der ehemalige Polizist seine Dienstmarke der Polizeibehörde von Minneapolis "verraten", weil er nicht nach polizeilichen Vorschriften gehandelt habe.

546c8ba5d7124ac883734cc3b39389af
Eine Skizze aus dem Gerichtssaal, als den Geschworenen das Handyvideo gezeigt wird. (Foto: REUTERS)

Der Prozess gegen den Ex-Polizisten begann unter massiven Sicherheitsvorkehrungen: Das Gerichtsgebäude wurde von Betonbarrieren, Stacheldraht und der Nationalgarde des Bundesstaates Minnesota geschützt. In der umliegenden Gegend blieben Geschäfte geschlossen und Schaufenster mit Brettern vernagelt. Die Vorkehrungen sollen eine Wiederholung gewaltsamer Ausschreitungen wie in den Tagen nach Floyds Tod verhindern. Das Gerichtsgebäude befindet sich nur wenige Kilometer entfernt von der Kreuzung, auf der Floyd am 25. Mai vergangenen Jahres ums Leben kam.

Jenes Handyvideo, das kurz nach der Tat im Internet kursierte und eine Welle der Wut und des Protests ausgelöst hatte, wurde den Geschworenen zu Beginn der Verhandlung gezeigt. Darauf ist zu sehen, wie Chauvin dem gefesselten und am Boden liegenden Floyd sein Knie auf den Hals drückt, bis dieser erstickt. Die Geschworenen konnten hören, wie Floyd stöhnte, nach Luft rang und immer wieder sagte: "Ich kann nicht atmen." Acht Minuten und 46 Sekunden drückte Chauvin dem Mann sein Knie in den Nacken - genau so lange knieten Freunde und Angehörige des Afroamerikaners zum Prozessauftakt in Gedenken an den getöteten Floyd vor dem Gerichtsgebäude in Minneapolis nieder.

Chauvin drohen bis zu 40 Jahre Haft

Die Gerichtsverhandlung sei "ein Referendum" darüber, "wie weit Amerika in seinem Streben nach Gleichheit und Gerechtigkeit für alle gekommen ist", sagte der Anwalt der Floyd-Familie, Ben Crump. "Die Fakten sind einfach. Was George Floyd tötete, war eine Überdosis an exzessiver Gewalt."

Chauvin ist vor dem Gericht im US-Bundesstaat Minnesota wegen Mordes und Totschlags angeklagt. Dem 44-Jährigen drohen bis zu 40 Jahre Haft, falls er für den am schwersten wiegenden Vorwurf, "Mord zweiten Grades", verurteilt wird. Da die Öffentlichkeit aufgrund der Corona-Pandemie nicht an der Verhandlung teilnehmen kann, wird diese im Internet übertragen. Es wird erwartet, dass der Prozess etwa einen Monat lang dauert.

Der Ex-Polizist hatte am 25. Mai 2020 dem wegen eines mutmaßlich falschen 20-Dollar-Scheins festgenommenen Floyd minutenlang das Knie in den Nacken gedrückt. Floyds Tod löste in den USA beispiellose Proteste der "Black Lives Matter"-Bewegung gegen Rassismus und Polizeigewalt aus. Drei weitere ehemalige Polizeibeamte sind ebenfalls im Zusammenhang mit dem Tod von Floyd angeklagt worden. Sie sollen zu einem späteren Zeitpunkt einzeln vor Gericht gestellt werden.

Quelle: ntv.de, joh/AFP

PolizeigewaltUSAGeorge Floyd