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Eltern schockieren Ermittler Prozess wegen Babymisshandlung startet

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Die 24- und 26-jährigen Eltern des Säuglings stehen vor dem Landesgericht Frankenthal vor Gericht.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Ermittler können kaum fassen, was sie im pfälzischen Ludwigshafen vorfinden: Ein sieben Wochen alter Säugling soll von seinen Eltern misshandelt und gequält worden sein. Warum es zu den Verletzungen kam, ist bislang unklar - beim Prozessauftakt schweigen die Angeklagten.

Darmverletzung, Rippenbrüche, Schädelfraktur - ein sieben Wochen alter Säugling ist nach Ansicht der pfälzischen Staatsanwaltschaft von seinen Eltern misshandelt und gequält worden. Weil sie ihren kleinen Sohn dabei lebensgefährlich verletzt haben sollen, stehen die 26-jährige Mutter und der 24-jährige Vater nun in Frankenthal vor Gericht.

Nur eine Notoperation rettete demnach den Jungen. Wie und warum es zu den Verletzungen kam, dazu machte das Paar aus Ludwigshafen beim Prozessauftakt keine Angaben. "Meine Mandantin bedauert die Gesamtsituation und das Leid des Kindes", sagte der Verteidiger der Mutter am Rande der Verhandlung. In Handschellen, das Gesicht hinter einem Aktenordner versteckt, wurde die 26-Jährige in den Verhandlungssaal geführt. Ihr 24-jähriger Lebensgefährte verhüllte sein Gesicht mit der Kapuze seines Anoraks.

Der Prozess wird von starken Sicherheitsvorkehrungen begleitet. Medienberichte über Drohungen gegen die Angeklagten im Internet konnte ein Justizsprecher aber nicht bestätigen. Auch andere ähnliche Verhandlungen würden von der Polizei geschützt, hieß es. Zuschauer mussten ihren Personalausweis zeigen und ihre Telefone abgeben.

Die mutmaßlichen Taten sind grausam

Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden Angeklagten unter anderem Misshandlung von Schutzbefohlenen am 14. und 15. Oktober 2018 vor. Die mutmaßlichen Taten der Eltern sind grausam: Der Säugling soll demnach schwerste Verletzungen im Rektal- und Genitalbereich sowie Schädel- und Rippenfrakturen erlitten haben und lebensgefährlich verletzt worden sein. "Das hat sogar erfahrene Ermittler erschüttert", sagte ein Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft. "Zum Glück kommt eine solche Kindesmisshandlung nur sehr selten vor."

Der Anklagebehörde zufolge riefen die Eltern nach den Misshandlungen keinen Notarzt - obwohl sie hätten sehen müssen, dass ihr Kind schwer verletzt war. Sie brachten den Säugling in eine Kinderarztpraxis, von dort kam er in ein Krankenhaus und wurde durch eine Notoperation gerettet. Dabei stellten die Ärzte weitere Verletzungen fest, die wohl auf Misshandlungen hinweisen. Es sei noch unklar, ob der Junge Schäden zurückbehalte, hieß es.

Der Verteidiger der Mutter sprach von einem "menschlichen Drama". "Das Kind hat viel Leid erfahren." Jetzt sei der Junge in einer Pflegefamilie. "Ein Teil der Verletzungen ist abgeklungen", sagte der Anwalt am Rande des Prozesses. "Es geht ihm besser." Insgesamt will das Landgericht mindestens 15 Zeugen und zwei Sachverständige anhören.

Der Mutter drohen demnach bei einer Verurteilung 5 bis 15 Jahre Gefängnis, dem Vater 1 bis 10 Jahre. Der auf fünf Verhandlungstage angesetzte Prozess wurde nach dem Verlesen der Anklage auf den 7. Mai vertagt. Dann will zumindest die Mutter eine Erklärung abgeben.

Quelle: n-tv.de, lri/dpa

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