Panorama

Kommt Kindermörder früher frei? Psyche von Dutroux wird neu bewertet

100409141.jpg

Dutroux (m.) nach einer Anhörung im Justizpalast.

(Foto: picture alliance / David Martin/)

Ein "echter Psychopath", "narzisstisch pervers" und "manipulativ": Zu diesem Schluss kommt das psychiatrische Gutachten über den belgischen Kindermörder Marc Dutroux. Eine vorzeitige Haftentlassung scheint damit ausgeschlossen. Doch nun wird ein neues Gutachten in Auftrag gegeben.

Ein Experten-Team wird ein neues psychiatrisches Gutachten des verurteilten Kindermörders Marc Dutroux erstellen. Ein Brüsseler Gericht gab einem entsprechenden Antrag der Anwälte des Belgiers statt. Demnach sollen der psychische Zustand des 62-Jährigen und die von ihm ausgehende Gefahr für die Allgemeinheit erneut untersucht werden. Die Anwälte wollen so mittelfristig eine Haftentlassung unter Auflagen für ihren zu einer lebenslangen Gefängnisstrafe verurteilten Mandanten erwirken.

Dutroux, der als einer der schlimmsten Verbrecher in der Geschichte Belgiens gilt, war 1996 festgenommen und 2004 von einem Schwurgericht verurteilt worden. Die Geschworenen befanden ihn für schuldig, in den Jahren 1995 und 1996 zwei Mädchen und einen Komplizen ermordet sowie insgesamt sechs Mädchen entführt und vergewaltigt zu haben. Experten beschrieben Dutroux damals als "echten Psychopathen", "narzisstisch pervers" und "manipulativ".

Bruno Dayez, einer der Anwälte von Dutroux, hatte Anfang 2018 angekündigt, sich für eine vorzeitige Haftentlassung seines Mandanten nach 25 Jahren Haft, also im Jahr 2021 einzusetzen. Ein neues psychiatrisches Gutachten sei dafür ein "notwendiger Schritt". Demnach ist Dutroux' psychische Gesundheit seit 2013 nicht mehr untersucht worden.

Komplizen bereits aus Haft entlassen

Auch die belgische Staatsanwaltschaft hatte sich grundsätzlich für die Erstellung eines neuen Gutachtens ausgesprochen. Bis Mai nächsten Jahres soll dieses nun vorliegen. Anschließend hängt es von der Bewertung der Experten ab, ob weitere Schritte hin zu einer Freilassung unter Auflagen unternommen werden. Eine negative Bewertung würde den Bestrebungen der Anwälte wohl bis auf Weiteres einen Riegel vorschieben.

Dutroux' Ex-Frau Michelle Martin, die wegen ihrer Beteiligung an den Verbrechen zu 30 Jahren Haft verurteilt worden war, wurde 2012 unter Auflagen freigelassen. Vergangenen Monat wurde auch Dutroux' Komplize Michel Lelièvre die Freilassung unter Auflagen zugestanden. Er war zu 25 Jahren Haft verurteilt worden. Ein erster Antrag auf Dutroux' vorzeitige Haftentlassung - mit einer elektronischen Fußfessel - war 2013 gescheitert. "Es gibt überhaupt keine Aussicht auf Wiedereingliederung in die Gesellschaft", sagte der Gerichtspräsident Luc Hennart damals.

Quelle: ntv.de, ftü/AFP