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Gericht lehnt Gutachter ab Psychiater wollte Zschäpe in Schutz nehmen

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Bauer attestierte Zschäpe nur eine eingeschränkte Schuldfähigkeit.

(Foto: picture alliance / Peter Kneffel)

Im NSU-Prozess erlebt die Verteidigung von Beate Zschäpe eine Schlappe. Das Gericht lehnt ihren Wahl-Psychiater ab. Der hatte sich in einer skurrilen E-Mail an eine Zeitung als befangen entpuppt.

Das Oberlandesgericht München hat im NSU-Prozess den psychiatrischen Wahl-Gutachter der Verteidigung abgelehnt. Der Senat folgte damit dem Antrag mehrerer Nebenkläger, Joachim Bauer als Gutachter aus dem Prozess zu entfernen.

Der Vorsitzende Richter Manfred Götzl begründete die Entscheidung damit, dass Bauer nach Einschätzung des Gerichtes den "Eindruck der Parteilichkeit nicht beseitigen" konnte. Insbesondere hatte der Psychiater das Verfahren zuvor als einen "Hexenprozess" bezeichnet, in der "ein massiver Schuldspruch bereits feststeht". Aus diesem Grund wolle er die Hauptangeklagte Beate Zschäpe in Schutz nehmen.

Der Psychiater hatte Zschäpe mehrfach in der Untersuchungshaft besucht und anschließend auf Anfrage der beiden Wahlverteidiger Mathias Grasel und Hermann Borchert dem Gericht als Sachverständiger über die Besuche berichtet. Dabei bescheinigte er Zschäpe eine krankhafte Persönlichkeitsstörung, durch welche sie in hochgradiger Abhängigkeit von ihrem Freund und Komplizen Uwe Böhnhardt gelebt haben soll. Darin sieht Bauer eine eingeschränkte Schuldfähigkeit der Beklagten. So kommt er zu einer völlig gegenteiligen Einschätzung als der vom Oberlandesgericht bestellte Psychiater Henning Saß. Dieser hatte Zschäpe in seinem Gutachten volle Schuldfähigkeit attestiert.

Psychiater brachte Pralinen in die JVA

Nach seiner Aussage wandte sich Bauer in einer E-Mail an "Die Welt", in welcher er der Zeitung einen "exklusiven Beitrag" anbot. Darin sprach er von "Hexenverbrennung" und deutete an, dass sein Gutachten in Bezug auf Zschäpe "einigen nicht passe".

Bauers Nähe zu der Angeklagten war bereits zuvor in Erscheinung getreten, als er bei einem seiner Besuche in der Justizvollzugsanstalt München-Stadelheim versuchte, eine Schachtel Pralinen für Zschäpe hineinzuschmuggeln. Nachdem die Schachtel einer JVA-Mitarbeiterin auffiel, bejahte Bauer, dass er diese Zschäpe mitbringen wolle, obwohl dies nicht erlaubt ist.

Zschäpe hatte fast 14 Jahre mit Böhnhardt und Uwe Mundlos im Untergrund gelebt. Während dieser Zeit sollen die beiden Männer zehn Menschen erschossen haben. Neun der Opfer waren türkisch- oder griechischstämmige Gewerbetreibende. Zschäpe ist die einzige Überlebende des Trios. Sie ist in dem laufenden Verfahren als Hauptangeklagte wegen Mittäterschaft an allen Taten der Gruppe angeklagt.

Quelle: n-tv.de, lou/dpa

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