Panorama

Volksverhetzung und Attestbetrug "Querdenken"-Arzt Schiffmann angeklagt

224137601.jpg

Schiffmanns Anwalt sagt, von den Vorwürfen werde wenig übrig bleiben.

(Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild)

Der unter Coronaleugnern gut vernetzte Bodo Schiffmann soll falsche Atteste zur Befreiung von der Maskenpflicht ausgestellt und grausige Vergleiche gezogen haben. Nun gibt es eine Anklage gegen den Arzt, der mittlerweile in Tansania lebt.

Die Staatsanwaltschaft Heidelberg hat Anklage gegen ein Ärzteehepaar aus Sinsheim in Baden-Württemberg erhoben, das im Zuge der Corona-Pandemie bewusst falsche Atteste zur Befreiung von der Maskenpflicht ausgestellt haben soll. Der Arzt soll zudem in Internetvideos unter anderem den Holocaust verharmlost haben, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Laut mehreren Medienberichten handelt es sich bei dem angeklagten Arzt um Bodo Schiffmann, der der "Querdenker"-Szene zugerechnet wird. Auch sein Anwalt äußerte sich schon gegenüber der Presse.

Die Staatsanwaltschaft erhob nach eigenen Angaben bereits im Januar Anklage. Konkret wirft sie dem Arzt das Ausstellen unrichtiger Gesundheitszeugnisse in zehn ausgewählten Fällen und Volksverhetzung in zwei Fällen vor. Seine Frau soll sich wegen des Ausstellens unrichtiger Gesundheitszeugnisse in siebzehn ausgewählten Fällen verantworten.

Das Ehepaar soll zwischen der ersten Jahreshälfte 2020 und Mitte 2021 Menschen aus ganz Deutschland, die das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung ablehnten, auf deren Bitten hin bewusst unrichtige Atteste ausgestellt haben. Darin habe es geheißen, dass die Betroffenen aus gesundheitlichen Gründen keine Maske tragen können.

Attestempfänger wohnten weit entfernt

Teilweise sollen die Inhaber dieser Atteste bis zu 700 Kilometer von der Praxis entfernt wohnen. Persönlich untersucht hätten die beiden Ärzte die Betroffenen nicht. Stattdessen seien die Atteste auf schriftlichen oder telefonischen Zuruf per Post verschickt worden. Diese Dokumente hätten bei Eingangskontrollen in öffentliche Bereiche mit Maskenpflicht dazu gedient, ihren Inhabern ein Betreten ohne Mund-Nasen-Bedeckung zu ermöglichen.

Der Arzt soll in Internetvideos zudem andere Ärzte, die ihre Patienten gegen das Coronavirus impften, mit dem NS-Kriegsverbrecher Josef Mengele verglichen haben, wie die Staatsanwaltschaft ausführte. Darüber hinaus soll er die Quarantäne aufgrund der Corona-Verordnungen mit der Inhaftierung in einem Konzentrationslager des Dritten Reiches verglichen haben. Durch die Verhängung der Maßnahmen begehe die Regierung einen "zweiten Genozid", behauptete er weiter. Die Justiz habe er als korrupt bezeichnet. Sie verbiete Demonstrationen und zensiere Meinungen.

Schiffmanns Anwalt: Patienten wurden begutachtet

Gegenüber t-online sagte Schiffmanns Anwalt, vor allen Attesten seien die Patienten begutachtet worden. Das Ehepaar sei in ärztlicher Einschätzung dazu gekommen, dass diese Patienten aus medizinischen Gründen keine Maske tragen sollten. "Von den Vorwürfen wird wenig übrig bleiben", so der Anwalt. Das angeklagte Ehepaar hat sich dem Bericht von t-online zufolge während der Pandemie nach Tansania abgesetzt.

Über die Eröffnung eines Verfahrens gegen das Medizinerpaar muss nun das Landgericht Heidelberg entscheiden. Zu einem möglichen Prozess müssten die beiden Angeklagten anreisen.

Quelle: ntv.de, mpe/AFP

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen