Panorama

Immer mehr Landkreise betroffen RKI zählt 1045 Neuinfektionen an einem Tag

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RKI-Präsident Lothar Wieler spricht aktuell von einer Nachlässigkeit bei der Einhaltung der Verhaltensregeln.

(Foto: imago images/Michael Weber)

Seit Anfang Mai hat es nicht mehr so viele neue Coronavirus-Fälle in Deutschland gegeben: Mehr als 1000 Infektionen melden die Gesundheitsämter dem Robert-Koch-Institut - binnen 24 Stunden. Die Zahl der Landkreise, die Betroffene registrieren, steigt.

Erstmals seit drei Monaten hat das Robert-Koch-Institut (RKI) mehr als 1000 Neuinfektionen binnen 24 Stunden registriert. Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI demnach 1045 neue Corona-Fälle innerhalb eines Tages, wie es am frühen Morgen hieß. Die Schwelle von 1000 neuen Fällen war zuletzt am 7. Mai überschritten worden. Danach war die Zahl in der Tendenz gesunken, seit Ende Juli steigen die Werte wieder. Der Höhepunkt bei den neuen Ansteckungen wurde Anfang April mit mehr als 6000 erreicht.

In der ntv-Zählung, die sich unabhängig von den im Infektionsschutzgesetz vorgeschriebenen Meldewegen auf die Angaben der Behörden und Ministerien der 16 Bundesländer stützt, lag der Tagesanstieg am Mittwochabend bei 940. Auf Basis der Länderschätzungen zur Genesenenzahl können 194.143 Personen als geheilt gelten. Die Zahl der aktiven Infektionen liegt damit rein rechnerisch bei knapp 9060 Infizierten. Im Zusammenhang mit der Krankheit Covid-19 sind bislang 9176 Menschen gestorben.

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Auf Landesebene werden die jeweils aktuellen Zahlen zu verschiedenen Zeitpunkten im Tagesverlauf veröffentlicht. Aufgrund der unterschiedlichen Erfassungszeiträume können sich Abweichungen zum RKI-Datenstand ergeben. Ein Teil des jüngsten Anstiegs bei den Neuinfektionen wird voraussichtlich bereits am Abend im ntv-Datenstand sichtbar werden.

Anders als Mitte Juni, als es beispielsweise beim Schlachtbetrieb Tönnies in Nordrhein-Westfalen einen großen Corona-Ausbruch gab, ist der jetzige Anstieg nicht hauptsächlich auf einzelne Brennpunkte zurückzuführen. Auf Landkreisebene sind die Zahlen oft nur leicht gestiegen. Doch über alle Kreise hinweg summiert sich dieser Effekt. Experten fürchten eine solche Entwicklung, weil sie sich nicht mit einigen wenigen harten Maßnahmen eindämmen lässt.

Schulstart wird genau beobachtet

Die Zahl der Kreise und kreisfreien Städte (inklusive der Berliner Bezirke), die in den vergangenen sieben Tagen keine neuen Fälle gemeldet haben, ist inzwischen auf 65 gesunken (nach 68 am Mittwoch). Weniger Kreise waren es zuletzt am 20. Mai gewesen. Der Landkreis Dingolfing-Landau ist nach wie vor am stärksten betroffen. Er reißt die Obergrenze von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern in den vergangenen sieben Tagen deutlich: Derzeit steht die sogenannte Inzidenz bei 231,8 (Mittwoch: 120,6). Hintergrund für die zahlreichen Fälle ist ein Ausbruch auf einem Gemüsehof in Mamming und in einer nahe gelegenen Konservenfabrik.

Als Ursache für den Anstieg in den einzelnen Regionen nannte RKI-Präsident Lothar Wieler bereits vorige Woche Nachlässigkeit bei der Einhaltung der Verhaltensregeln. Ob es sich um den Beginn einer möglichen zweiten Welle handele, sei unklar. Im Laufe des Tages äußert sich Bundesgesundheitsminister Jens Spahn auf einer Pressekonferenz zum aktuellen Infektionsgeschehen und zur Teststrategie.

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Immer wieder warnen Experten vor einer zweiten Corona-Welle in Deutschland. Allerdings gehen die Meinungen auseinander, ob diese Welle schon da ist - und ob man überhaupt von Wellen sprechen sollte. Es wird genau beobachtet, wie sich der Schulstart in einigen Bundesländern auf das Infektionsgeschehen auswirkt.

So begann heute für knapp 240.000 Kinder in Hamburg wieder der Unterricht. Bereits am Montag kehrten die Schüler in Mecklenburg-Vorpommern aus den Sommerferien zurück. Kommende Woche folgen dann Schleswig-Holstein, Berlin, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen.

Quelle: ntv.de, fzö/dpa