Panorama

Preistreiberei wegen Coronavirus Razzien gegen Geschäftemacher in Italien

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In Italien gibt es bereits 370 Infektionen mit dem Coronavirus. Geschäftemacher versuchen, die Angst auszunutzen.

(Foto: dpa)

In Italien versuchen Kriminelle mit der Angst der Menschen vor dem Coronavirus Geschäfte zu machen: So bieten sie etwa Desinfektionsmittel oder Schutzmasken zu Wucherpreisen an. Die Polizei reagiert nun mit einer Razzia bei Ebay und Amazon.

Preistreiberei, falsche Gesundheitschecks und dubiose Heilversprechen: In Italien nutzen Kriminelle und Geschäftemacher die Angst vor dem neuartigen Coronavirus zu ihrem Vorteil aus. Wegen der Geschäftemacherei hat die italienische Finanzpolizei nun Dokumente und Computerdaten der Online-Händler Ebay und Amazon beschlagnahmt. Der italienische Verbraucherverband UNC begrüßte die Ermittlungen der Behörden. "Es ist eine nationale Schande, auf den Rücken der Italiener zu spekulieren", erklärte UNC-Präsident Massimiliano Cona.

Aus Furcht vor der Krankheit stürzten sich die Italiener in den vergangenen Tagen auf Schutzmasken und Desinfektionsmittel - in Apotheken und Supermärkten waren die Artikel zuletzt kaum noch zu finden. Geschäftemacher wittern Morgenluft: Auf der Auktionsplattform Ebay bot ein Nutzer am Dienstagmorgen eine Liter-Flasche des in Italien verbreiteten Desinfektionsgels Amuchina zum stolzen Preis von 300 Euro an, ein Desinfektionsmittel für Babys sollte 240 Euro pro Liter kosten.

Im Internet verbreiten sich bereits zahlreiche Witze zum Thema: "Tausche fünf Liter Amuchina gegen Audi RS5 von 2019. Audi RS5 von 2016 geht auch - gegen 65.000 Euro Zuzahlung" lautet ein Spaß-Angebot im Netz. Ein anderer Nutzer entwirft ein imaginäres Verkaufsgespräch zwischen Dealer und Kunde: "Was willst du, Haschisch oder Kokain?" - "Amuchina-Gel."

650 Prozent höherer Preis

Verbraucherschützer können dagegen nicht über die Vorgänge lachen. Der Verbraucherverband Codacons spricht von Preiserhöhungen "auf astronomisches Niveau". So erhöhte sich der durchschnittliche Preis für Amuchina-Gel von drei Euro pro 80-Milliliter-Fläschchen auf 22,50 Euro - ein Anstieg um 650 Prozent.

Bei Schutzmasken liegt der Preisanstieg laut Codacons sogar bei 1700 Prozent: Statt 10 Cent kostet eine Maske im Online-Handel jetzt durchschnittlich 1,80 Euro. Als besonders krasses Beispiel nennen die Verbraucherschützer ein auf Amazon angebotenes Set von fünf als "ideal gegen das Coronavirus" beworbenen Schutzmasken zum Preis von 189,00 Euro.

Es handele sich um eine "schamlose Spekulation, um Profit aus der Angst der Leute zu schlagen", erklären die Verbraucherschützer. Die Organisation hat Klage eingereicht und fordert die Schließung einschlägiger Websites. Wenn die Onlinehandelsriesen derartige spekulative Angebote nicht automatisch von ihren Seiten entfernten, machten sie sich "zum Komplizen dieser Betrügereien", erklärt Codacons.

Die Staatsanwaltschaft von Mailand leitete Anfang der Woche ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt wegen des Verdachts "spekulativer Manöver" ein. Die Ermittlungen gehen dem Verdacht nach, dass begehrte Waren wie Desinfektionsmittel und Schutzmasken sogar bewusst zurückgehalten werden, um die Preise in die Höhe zu treiben.

Zwölf Tote in Italien

Neben Preistreiberei gibt es zunehmend auch Berichte über Betrüger, die sich als Mitarbeiter des Roten Kreuzes, der Gesundheitsbehörden oder des Zivilschutzes ausgeben und Menschen unter dem Vorwand eines Virus-Tests in deren Wohnungen bestehlen. Das Rote Kreuz und der Zivilschutz haben die Italiener bereits ausdrücklich darauf hingewiesen, dass sie für Gesundheitstests nicht von Tür zu Tür ziehen.

Ein weiteres Phänomen sind Angebote vermeintlicher Wundermittel gegen das Virus. "Im Internet werden homöopathische oder Naturheilmittel angeboten, die angeblich eine Ansteckung mit dem Coronavirus verhindern oder die Krankheit heilen können", sagt der Hygienewissenschaftler Pier Luigi Lopalco von der Universität Pisa. "Diese Produkte haben keinerlei klinische Wirksamkeit", warnt er. Wer sie anbiete, sei ein "Scharlatan".

Italien ist inzwischen der größte Infektionsherd des neuartigen Coronavirus in Europa. Bislang wurden dort mehr als 370 Infektionen nachgewiesen. Zwölf Infizierte starben bis Mittwoch an dem Erreger. In China, wo das Coronavirus im Dezember seinen Ausgang nahm, zählten die Behörden bislang mehr als 78.000 Infektionen und mehr als 2700 Todesfälle.

Quelle: ntv.de, vpe/AFP