Panorama

Corona-Regeln missachtet Rotterdam löst Anti-Rassismus-Demo auf

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Andere Bilder zeigen, dass zumindest zeitweise versucht wurde, die Abstandsregeln einzuhalten, doch irgendwann schien es nicht mehr zu gehen.

(Foto: imago images/Pro Shots)

In den Niederlanden sorgt am Montag eine große Demo gegen Rassismus für Kritik - denn die Corona-Abstandsregeln schienen niemanden mehr zu kümmern. Am Abend gehen wieder Menschen auf die Straße, diesmal in Rotterdam. Und dort reagiert die Stadt anders.

Die niederländische Polizei hat am Mittwochabend eine Anti-Rassismus-Demonstration in Rotterdam aufgelöst. Die Abstandsregeln seien nicht mehr eingehalten worden, entschied Bürgermeister Ahmed Aboutaleb. Die Teilnehmerzahl wurde in niederländischen Medien auf 4000 bis 5000 geschätzt. In der Innenstadt griff die Polizei ein, als einige Demonstranten Scheiben einwarfen und Stühle von Cafés beschädigten.

Zwei Verdächtige wurden festgenommen. Auslöser der Demonstration war der gewaltsame Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem Polizeieinsatz in der US-Metropole Minneapolis Ende Mai. Eine ähnliche Demonstration am Pfingstmontag in Amsterdam hatte massive Kritik auf sich gezogen, weil dabei ein großes Gedränge entstanden war. Vertreter aller an der niederländischen Regierung beteiligten Parteien kritisierten, die Bilder von dem Gedränge würden ein verheerendes Signal ins Land senden.

Die grüne Bürgermeisterin von Amsterdam, Femke Halsema, die selbst bei der Demo mit dabei war, sah sich am Dienstag mit massiven Vorwürfen konfrontiert. Sie hatte zugegeben, nicht mit einem solchen Zustrom gerechnet zu haben. Die Polizei hätte die Kundgebung nur "mit harter Hand" auflösen können, sagte sie. "Ich fand, dass das nicht zu verantworten war." Ministerpräsident Marc Rutte sagte am Mittwoch, Demonstrieren sei selbstverständlich möglich, aber nicht in dieser Form - die Corona-Beschränkungen müssten beachtet werden.

Rutte gab bekannt, dass die Regierung die Reisewarnungen für mehrere europäische Länder, darunter Deutschland, Belgien und Italien, zum 15. Juni aufheben wolle. Bis Anfang/Mitte Juli sollen voraussichtlich auch Frankreich, Spanien, Österreich und die Schweiz folgen. Von Reisen nach Großbritannien, Dänemark, Schweden und ins außereuropäische Ausland rät die Regierung dagegen weiterhin ab.

Die Zahl der Neuinfektionen nimmt in den Niederlanden seit einigen Wochen stetig ab. Auf dem Höhepunkt der Pandemie Anfang April wurden im Schnitt täglich 500 Menschen in die Krankenhäuser eingeliefert. Vergangene Woche waren es im Schnitt neun. Etwa 6000 Menschen sind nachweislich an Covid-19 gestorben.

Quelle: ntv.de, vpe/dpa