Panorama
Umgerechnet 70 Euro kostet das Vergnügen mit den Sexpuppen pro Stunde.
Umgerechnet 70 Euro kostet das Vergnügen mit den Sexpuppen pro Stunde.(Foto: Andrea He - Imaginechina)
Donnerstag, 14. Juni 2018

Kampf gegen Prostitution: Russland bietet Sexpuppen für WM-Fans an

Weil Prostituierte während der WM harte Strafen fürchten müssen, wittert ein Unternehmer das ganz große Geschäft: mit Sexpuppen. Auch nach dem Ereignis sollen sie in Sex Hotels weiter zum Einsatz kommen - denn viele Russen sind unzufrieden mit ihrem Sexleben.

Lolita. Wer könnte es sonst sein? Mit ihrer üppigen Oberweite und den vollen Lippen darf die Blondine in diesen Tagen an exponierter Stelle für sich werben. "Unabhängig und entspannt" soll sie sein, so steht es zumindest in ihrem Steckbrief ganz oben auf der Homepage. Und natürlich erfüllt Lolita auch "jeden Wunsch. An jedem Ort."

Umgerechnet 70 Euro kostet das Vergnügen pro Stunde; Bilder in roter Reizwäsche sollen Männer nur noch mehr anlocken. Allerdings: Lolita ist keine Frau aus Fleisch und Blut. Lolita ist eine Sexpuppe. Geboren aus der Not, gefertigt aus Silikon. Und während der Fußball-WM womöglich dennoch gefragt wie nie.

"Die meisten Fans reisen ohne ihre bessere Hälfte an. Und bei dieser Sache sprechen wir dann wahrlich nicht vom Fremdgehen", sagt Dmitri Alexandrow, der in Moskau die erste russische Filiale der spanischen Kette Lumidolls Sex Hotel eröffnet hat. Mit dem "ersten legalen Bordell" wittert der Unternehmer nun das ganz große Geschäft - weil in den WM-Austragungsorten die Polizei (noch härter) gegen die oft geduldete, aber eigentlich verbotene Prostitution vorgeht. Sogar Gefängnisstrafen drohen.

Von Kaliningrad bis Jekaterinburg, von St. Petersburg bis Sotschi werden die meisten der betroffenen Frauen den Städten daher den Rücken kehren oder vorübergehend auf die Einnahmen verzichten. "Weil sie ihr Leben und ihre Gesundheit schützen wollen", sagte Irina Maslowa, die sich mit ihrer Organisation "Silberne Rose" für die Rechte der Prostituierten einsetzt.

"Erwarten großen Zustrom an Gästen"

Ein ähnliches Vorgehen war bereits vor den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi zu erkennen gewesen, als die Veranstalter um ein sauberes Image bemüht waren. Während der WM-Endrunde dürften daher lediglich Etablissements geöffnet sein, die gute Beziehungen zum Staatsapparat pflegen oder bereit sind, einen Teil ihrer Einnahmen abzudrücken. "Die meisten aber bleiben geschlossen", mutmaßt Maslowa.

Dem Geschäft, das in den 1990er Jahren so sehr florierte und einst sogar Staatspräsident Wladimir Putin seinem US-Kollegen Donald Trump mit den "hübschesten Prostituierten der Welt" schmackhaft gemacht haben soll, droht über kurz oder lang der Kollaps. Ein ähnliches Schicksal blüht Besitzern von Striplokalen, in denen die Tänzerinnen mit verbesserten Sprachkenntnissen dem befürchteten Gewinneinbruch aber noch gegensteuern wollen.

So könne man den Kontakt zu den größtenteils ausländischen Kunden vereinfachen - und aus der WM sogar mit etwas Glück Profit schlagen. "Wir erwarten einen großen Zustrom an Gästen, mindestens das Zwei- oder Dreifache der üblichen Zahlen", sagte Lucky Lee, dem der Stripclub Golden Girls im Zentrum Moskaus gehört.

Nicht den letzten, sondern nur einen Anfangserfolg erhoffen sich indes die Macher des Lumidolls Sex Hotels. Bis zu 50 Ableger sollen in Russland in den kommenden Jahren die Pforten öffnen, denn "36 Prozent der Russen sind unzufrieden mit ihrem Sexleben", sagte Alexandrow. Ob Lolita und die anderen "Mädels" das aber ändern werden?

Quelle: n-tv.de