Panorama

Erst Daten sammeln STIKO-Mitglied gegen Impfung aller Kinder

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Die Schwelle zur Herdenimmunität sei auch ohne die umfassende Impfung von Kindern zu erreichen, sagt Bogdan.

(Foto: picture alliance / Laci Perenyi)

Die EMA befürwortet mittlerweile eine EU-Zulassung des Biontech-Impfpräparats für Kinder von 12 bis 15 Jahren. Viele Eltern hoffen nun, dass ihre Kinder bald geimpft werden können - sei es für den Schulbesuch oder einen Urlaub. Ein STIKO-Mitglied nimmt nun zuständige Behörden mahnend in die Pflicht.

Stiko-Mitglied Christian Bogdan hat sich in der Debatte um Corona-Impfungen für Kinder gegen eine "generelle Kinderimpfkampagne" ausgesprochen. "Eine Impfempfehlung kann nicht einfach deswegen ausgesprochen werden, weil es gerade gesellschaftlich oder politisch opportun erscheint", sagte der Erlanger Immunologe, der der Ständigen Impfkommission (STIKO) angehört, den "Nürnberger Nachrichten".

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Christian Bogdan ist Experte für Mikrobiologie und Infektionsimmunologie.

(Foto: picture alliance/dpa/Uni-Klinikum Erlangen)

Die Wirksamkeit für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren sei zwar nachgewiesen - "aber in Sachen Nebenwirkungen fehlen noch ausreichend Daten", sagte er. "Die Immunantwort eines Kindes kann anders verlaufen als bei einem Erwachsenen. Deswegen braucht man da mehr Daten."

Die EMA hatte gestern eine EU-Zulassung des Biontech-Präparats für Kinder von 12 bis 15 Jahren befürwortet. Die formale Zulassung durch die EU-Kommission steht noch aus, ebenso die Prüfung der STIKO, ob sie eine Impfung für Kinder generell empfiehlt. Von der STIKO gab es bereits Signale, dass sie möglicherweise keine allgemeine Impfempfehlung für alle Kinder geben wolle, sondern nur für vorerkrankte Kinder.

Beim Biontech-Impfstoff habe das Paul-Ehrlich-Institut beispielsweise "Hinweise für ein erhöhtes Auftreten von Herzmuskelentzündungen im zeitlichen Kontext zur Impfung, vor allem bei jungen Männern", sagte Bogdan. "Ich will nicht die Pferde scheu machen. Aber wir brauchen eben Daten und sollten nicht eine generelle Kinderimpfkampagne starten."

Ziel müsse es sein, in erster Linie diejenigen durch eine Impfung zu schützen, die ein erhöhtes Risiko haben, schwer zu erkranken oder sogar zu sterben. "Eine Impfung von Kindern nur zum Zwecke des indirekten Schutzes anderer ist keine ausreichende Impf-Indikation." Eine Impfquote von 70 bis 80 Prozent, die als Schwelle für eine sogenannte Herdenimmunität gilt, sei auch ohne die umfassende Impfung von Kindern zu erreichen.

Quelle: ntv.de, mpe/dpa

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