Panorama

"Mühe nicht wert" STIKO-Mitglied lehnt Impfpflicht ab

Die Diskussion über eine allgemeine Corona-Impfpflicht wird in Deutschland zunehmend hitzig geführt. Nun schaltet sich auch ein STIKO-Mitglied in die Debatte ein. Er lehnt eine Pflicht aus rein pragmatischen Gründen ab.

Impfen ja - Impfpflicht nein: Das STIKO-Mitglied Christian Bogdan vom Universitätsklinikum Erlangen sieht den Aufwand einer Impfpflicht in keinem Verhältnis zum Nutzen. "Persönlich halte ich von einer gesetzlichen Impfpflicht nicht viel, da diese einen Rattenschwanz an Administration, Impfbefreiungszeugnissen und Klagen nach sich zieht und die gesellschaftliche Entzweiung fördert", sagte der Experte der Ständigen Impfkommission (STIKO) den "Nürnberger Nachrichten" und der "Nürnberger Zeitung".

"Das Ziel, möglichst viele Menschen zu impfen, erreicht man über andere Wege viel einfacher. Allein die Einführung der 2G-Regel hat ja schon dazu geführt, dass sich sehr viele Unentschlossene impfen haben lassen", sagte Bogdan. "Die drei oder vier Prozent, die generell jede Impfung ablehnen, sind der Mühe nicht wert, eine Impfpflicht einzuführen."

Zugleich verteidigte Bogdan die Arbeit der STIKO. "Wenn es zu Verzögerungen gekommen ist, dann aufgrund von Impfstoffmangel oder aufgrund von politischen Entscheidungen, die in der Bevölkerung den Eindruck hinterließen, die Pandemie sei vorbei." So habe die Politik das Zurückfahren der Impfzentren angekündigt und damit eine Impflethargie in der Bevölkerung ausgelöst. Nur fünf Wochen später seien dann Booster-Impfungen gefordert worden.

Kubicki spricht von "Rache und Vergeltung"

Die Debatte um eine allgemeine Impfpflicht in Deutschland wird derzeit zum Teil in scharfem Ton ausgetragen. So richtete der stellvertretende FDP-Vorsitzende Wolfgang Kubicki Vorwürfe an die Befürworter einer solchen Pflicht. "Vielen Impfpflicht-Befürwortern scheint es um Rache und Vergeltung zu gehen", und zwar an Ungeimpften, sagte Kubicki dem Portal "Zeit Online". Die "Freude" vieler Menschen an 2G-Regeln und Impfpflicht halte er für nicht mehr rational.

Der Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes, Heinz Hilgers, gab derweil ungeimpften Erwachsenen die Schuld an der Debatte um Corona-Impfungen für Kinder und Jugendliche. Verantwortlich für die Debatte seien die "Erwachsenen, die zu stur waren, sich impfen zu lassen", sagte Hilgers der "Passauer Neuen Presse". Eine Impfpflicht für Kinder kann sich Hilgers allerdings "kaum vorstellen".

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Bereits ist in der Bundesrepublik beschlossen, dass Beschäftigte in Einrichtungen mit besonders schutzbedürftigen Menschen wie Pflegeheimen und Kliniken bis Mitte März 2022 nachweisen müssen, dass sie geimpft oder genesen sind. Über eine allgemeine Impfpflicht soll der Bundestag erst noch abstimmen.

Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts haben rund 70,2 Prozent aller Menschen in Deutschland den vollständigen Grundschutz gegen Sars-CoV-2. Die dafür meist nötige zweite Impf-Dosis erhielten den Angaben zufolge mindestens 58,4 Millionen Menschen. Eine zusätzliche Booster-Spritze zur Auffrischung bekamen bereits mindestens 25,2 Millionen Menschen oder 30,3 Prozent der Bevölkerung verabreicht.

Quelle: ntv.de, fzö/dpa/AFP

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