"Von dort gab es keinen Ausweg"Sandbank-Illusion könnte hinter tödlichem Tauchgang stecken

Wie konnte die Exkursion von fünf erfahrenen Tauchern auf den Malediven so schiefgehen? Noch gibt es keine offizielle Ursache für den tödlichen Tauchgang der fünf Italiener. Finnische Experten vermuten nun jedoch, dass sie einen falschen Ausweg aus der Unterwasserhöhle nahmen.
Das Rätsel um den tödlichen Tauchgang von fünf Italienern auf den Malediven könnte gelöst worden sein. Finnische Experten der Tauchsicherheitsorganisation DAN Europe, die vier der Leichen in einer herausfordernden Mission fanden und bei der Bergung halfen, äußerten sich in der italienischen Zeitung "La Repubblica" erstmals zu den Gründen. Demnach könnten die italienischen Taucherinnen und Taucher versehentlich den falschen Ausweg aus einer Unterwasserhöhle gewählt haben.
Die Italienerinnen und Italiener brachen am vergangenen Donnerstag zu einem Tauchgang im Vaavu-Atoll auf den Malediven auf, um Weichkorallen zu erforschen. Nachdem sie von der Exkursion nicht zurückkehrten, wurde die Leiche des Tauchlehrers Gianluca Benedetti noch am Tag des Verschwindens in der Nähe des Eingangs der Devana-Kandu-Höhle gefunden. Die toten Körper der anderen vier wurden schließlich am Montag nahe der dritten Kammer der Höhle in etwa 50 Metern Tiefe entdeckt.
Konkret befanden sich die vier Leichen in einem Korridor mit einer Sackgasse innerhalb des Höhlenkomplexes, wie Laura Marroni, die Geschäftsführerin von DAN Europe, nun mitteilte. "Von dort gab es keinen Ausweg", sagte sie zu "La Repubblica". Bereits zuvor hatte der maledivische Regierungssprecher berichtet, dass alle vier Körper "eng beieinander" lagen, als sie entdeckt wurden.
Sankbank wirkt "fast wie Wand"
Die finnischen Taucher fanden heraus, dass die Devana-Kandu-Höhle mit einer großen, sehr hellen Halle mit sandigem Boden beginnt. Die Halle endet mit einem Korridor. Dort gebe es zwar wenig Licht, die "Sichtverhältnisse sind mit künstlicher Beleuchtung aber ausgezeichnet", so Marroni weiter. Der Gang ist demnach rund 30 Meter lang, drei Meter breit und führt zu einer zweiten Kammer in der Höhle - ein großer, runder Raum ohne Tageslicht.
Ähnlich hatte bereits Shafraz Naeem die Sichtverhältnisse beschrieben. Der Berater der maledivischen Verteidigungskräfte tauchte bereits Dutzende Male in der Devana-Kandu-Höhle. Licht dringe nur in die erste Kammer ein, sagte er dem "Maldives Independent". "Man kann die gesamte Höhle nicht sehen, wenn man keine sehr gute Beleuchtung hat", fügte er hinzu.
Zum Verhängnis könnte den Italienern jedoch vor allem eine Sandbank geworden sein. Die finnischen Experten entdeckten sie zwischen dem Gang und der zweiten Kammer der Höhle. Es sei zwar leicht, über die Sandbank in die zweite Kammer zu gelangen, erklärte Marroni. Doch wenn man sich umdreht, um wieder hinauszutauchen, wirke die Bank "fast wie eine Wand, die den Gang verdeckt".
Panik und ihre Folgen
Links von der Sandbank sei ein weiterer Gang gewesen. "Die Leichen der Taucher wurden alle darin gefunden, als hätten sie ihn mit dem richtigen verwechselt", fuhr Marroni fort. Nahmen die Italiener diesen linken Gang tatsächlich versehentlich, sei die Gefahr in diesem Moment bereits enorm gewesen. Es wäre "sehr schwierig gewesen, zurückzukehren, insbesondere angesichts der begrenzten Luftvorräte".
Den Angaben zufolge verwendeten die Italiener Standardflaschen. Das bedeutet, dass sie in der Tiefe nur wenig Zeit hatten, um die zweite Höhle zu erkunden, so Marroni. "Wir sprechen von etwa zehn Minuten, vielleicht sogar weniger." Hinzu kommen die Folgen der möglichen Panik: "Zu erkennen, dass der Weg der falsche ist, und wenig Luft zu haben, vielleicht nachdem man hin und her getaucht ist, ist erschreckend. Dann atmet man schneller und der Luftvorrat schwindet."
Eine offizielle Erklärung zu der Ursache des Unglücks in rund 50 Metern Tiefe gibt es bisher nicht. Die Obduktion der Leichen soll nun weitere Erkenntnisse über die Todesursache bringen. Zudem bargen die finnischen Taucher die technische Ausrüstung der Italiener, darunter GoPro-Kameras, von denen sich die Behörden ebenfalls ein besseres Verständnis für das Geschehen unter Wasser versprechen.
Taucher hatten Genehmigung für Tiefe
Bei den verunglückten Italienern handelt es sich um die Professorin Monica Montefalcone, ihre Tochter Giorgia Sommacal, den Meeresbiologen Federico Gualtieri, die Forscherin Muriel Oddenino und den Tauchlehrer Gianluca Benedetti. Zudem kam am Samstag ein maledivischer Militärtaucher ums Leben, als er nach den vermissten Italienern suchte.
Ein Teil der Italiener befand sich auf Forschungsreise der Universität Genua zur Erkundung der Meeresumwelt. Alle Gruppenmitglieder waren erfahrene Taucher. Laut der maledivischen Regierung hatten sie eine Genehmigung für einen Tauchgang tiefer als die für Sporttaucher maximal vorgeschriebenen 30 Meter. Allerdings hätten die Behörden nicht gewusst, dass die Gruppe vorhatte, in eine Unterwasserhöhle zu tauchen.