Panorama

Tanker-Havarie in der Elbe Schlepper befreien die "Oriental Nadeshiko"

4e8ba2daa53dc835e8a1e8256e031eed.jpg

9000 Tonnen leicht entzündliche Substanzen an Bord: Der Gefahrguttanker "Oriental Nadeshiko" liegt in Sichtweite des Ufers fest.

(Foto: dpa)

Gefahrgut-Alarm im Wattenmeer: Nahe der Elbemündung bei Cuxhaven kommt ein Chemikalientanker mit gefährlicher Ladung vom Kurs ab. Der 124 Meter lange Frachter fährt sich abseits der Fahrrinne fest. Erst mithilfe der Flut können Schlepper das Schiff befreien.

Ein mit Gefahrgut beladener Öl- und Chemikalientanker ist in der Nacht in der Elbe vor Cuxhaven auf Grund gelaufen und erst nach rund zwölf Stunden wieder freigekommen. Bergungsexperten des deutschen Havariekommandos zogen die mit 9000 Tonnen Spezialchemikalien beladene "Oriental Nadeshiko" mithilfe mehrerer Schlepper von einer Sandbank ins freie Wasser.

Wie geplant, hatten die Helfer das Mittagshochwasser abgewartet. Zunächst seien keine Schäden an dem 124 Meter langen und 20 Meter breiten Schiff festgestellt worden, sagte ein Sprecher der Einsatzkräfte. Die Unfallursache sei noch nicht bekannt. Der Tanker solle nach Cuxhaven gebracht werden, hieß es am Mittag.

*Datenschutz

Die "Oriental Nadeshiko" war in der Nacht auf Montag gegen 1 Uhr morgens bei einsetzender Ebbe am Rand der Fahrrinne "festgekommen", wie das Havariekommando zuvor mitgeteilt hatte. Das 2009 gebaute Frachtschiff saß seitdem auf der Höhe von Otterndorf in Sichtweite des Ufers fest. Nach Angaben der Besatzung blieb der Schiffsrumpf unbeschädigt.

Experten überwachten die Luft- und Wasserqualität im Umfeld des Tankers. Der Unglücksort liegt im Mündungsbereich der Elbe unweit der Südgrenze des Nationalparks Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer. Ein Messtrupp der Feuerwehr Cuxhaven war auf dem Schiff im Einsatz, um den Zustand der Ladung zu überprüfen. Ein Ölüberwachungsflugzeug vom Typ Do 228 überflog das havarierte Schiff. "Es konnte kein Schadstoffaustritt festgestellt werden", hatten die Behörden am Morgen mitgeteilt.

Umweltschädliche Stoffe an Bord

In den Tanks der unter der Flagge Panamas fahrende "Oriental Nadeshiko" befinden sich laut Havariekommando rund 9000 Tonnen Ladung der Gefahrgutklasse 3 ("Entzündbare flüssige Stoffe"). Darunter befinden sich Substanzen, die als Konservierungsmittel, Hydraulikflüssigkeit, Lösungsmittel und für Kraftstoffe verwendet werden. Einem Sprecher zufolge ist das Schiff "nicht voll beladen".

19464950.jpg

Bergungsspezialisten im Einsatz (Archivbild): Das Mehrzweckschiff "Neuwerk" der deutschen Küstenwache.

(Foto: picture alliance / dpa)

Bevor ein Bergungsversuch mit Aussicht auf Erfolg gestartet werden konnte, mussten die Helfer vor Ort das Mittagshochwasser abwarten, das gegen 13.30 Uhr seinen lokalen Höchststand erreichte. Die Arbeiten vor Ort wurden von einem Einsatzteam an Bord des deutschen Mehrzweckschiffs "Neuwerk" koordiniert. Neben der "Neuwerk" hielten sich seit dem frühen Morgen auch die beiden Schlepper "Wulf 9" und "Wulf 4" bereit.

Mit Lotse an Bord auf Grund gelaufen

Zusätzlich entsandte das Havariekommando vier weitere Schlepper sowie das Peilschiff "Stickers Gat", das die genaue Lage des Tankers im Flussbett ermitteln sollte. Mithilfe der gewonnenen Daten wollten die Helfer den Freischleppversuch planen und die Anzahl der benötigten Schlepper berechnen. "Der Schiffsverkehr ist nicht beeinträchtigt", hieß es am Morgen aus dem Maritime Lagezentrum mit Sitz in Cuxhaven.

20190121_ORIENTAL_1.jpg

Abseits der Fahrrinne: Die Position der "Oriental Nadeshiko" auf der Karte des Havariekommandos.

(Foto: © Havariekommando)

Die Unglücksursache liegt weiter vollkommen im Dunkeln. Die "Oriental Nadeshiko" war auf dem Weg ins spanische Tarragona und elbabwärts unterwegs, als sie im flachen Wasser abseits der Fahrrinne auf Grund lief. An Bord des Tankers befanden sich zum Unglückszeitpunkt 22 Besatzungsmitglieder und ein Lotse. Verletzt wurde bei dem Vorfall niemand. Der genaue Unfallhergang könne erst nach der Bergung ermittelt werden, hieß es. Zunächst wollten sich die Helfer bemühen, das festsitzende Schiff wieder ins tiefere Wasser zu ziehen.

Tonnenweise Ethylendichlorid

Die Ladung der "Oriental Nadeshiko" besteht den Angaben der Behörden zufolge unter anderem aus 7500 Tonnen an Ethylendichlorid, das auch als Kraftstoffzusatz an Tankstellen zum Einsatz kommt. Daneben befinden sich rund 1250 Tonnen an Propylenglykol an Bord, das in der Industrie etwa als Konservierungsmittel, Hydraulikflüssigkeit oder Lösungsmittel verwendet wird. Rund 250 Tonnen der Ladung bestehen aus 1-Methoxy-2-Propanol, bei dem es sich um ein Lösungsmittel zur Herstellung von Druckfarben und Lacken handelt.

Das Havariekommando ist eine gemeinsame Einrichtung des Bundes und der Bundesländer an der Nord- und Ostseeküste zur Gefahrenabwehr im küstennahen Schiffsverkehr. Als zentrale Einsatzstelle bündelt das Havariekommando im Ernstfall das Vorgehen von Bergungsexperten, Spezialschiffen und Rettungskräften. Die Zentrale des Havariekommandos befindet sich im alten Hafen von Cuxhaven. Der aktuelle Einsatzort liegt in der Luftlinie nur knapp zehn Kilometer östlich des Lagezentrums.

Quelle: n-tv.de, mmo/AFP

Mehr zum Thema