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Amokläufer oder Polizist? Schulmassaker-Spiel löst Empörung aus

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Die Grafiken ließen keinen Zweifel.

(Foto: Active-Shooter)

Ein Amokläufer schießt in einer Schule wild um sich, Spezialkräfte versuchen, seiner habhaft zu werden. Das ist in den USA immer wieder grausame Realität, aber auch die Idee hinter einem Computerspiel.

Mit einem neuen Videospiel hat die US-Videospieleplattform Steam der US-Firma Valve Corp. scharfe Kritik auf sich gezogen. Das von Revived Games entwickelte Spiel sollte ein Schulmassaker simulieren, bei dem der Spieler wahlweise in der Rolle des Amokläufers oder der Spezialkräfte agieren kann.

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In einem Werbefilm, der auf der Website von Steam, dem Digitalvermarkter von Valve veröffentlicht wurde, waren beide Varianten enthalten. Zunächst steckt der Spieler in der Rolle eines Spezialkommando-Mitglieds, das in einer Schule nach einem Schützen sucht. Dann wird die Perspektive des wild um sich schießenden Schützen eingenommen. Der Clip endete mit Bildern von auf dem Boden liegenden Leichen, wobei die Zahl der getöteten Zivilisten und Polizisten vorgezählt wird.

Allerdings hatte die Spielefirma wohl kaum mit den leidenschaftlichen Reaktionen gerechnet, die sie schon vor Erscheinen des Spiels bekam. Eine Petition auf der Website Change.org, die das Unternehmen zum Verzicht auf das Spiel "Active Shooter" aufruft, wurde bis Dienstag von mehr als 100.000 Menschen unterzeichnet. Auch Politiker und Eltern von Opfern solcher Schul-Schießereien in den USA verurteilten das Computerspiel scharf.

"Verabscheuungswürdig" und "ekelhaft"

Ryan Petty, der seine 14-jährige Tochter Alaina im Februar bei dem Schulmassaker an der Parkland Highschool im US-Bundesstaat Florida verlor, bezeichnete das Spiel in einem Tweet als "verabscheuungswürdig". Es sei "ekelhaft", dass "Valve Corp. versucht, Profit aus der Glorifizierung von Tragödien zu schlagen, die unsere Schulen überall im Land betreffen", schrieb Petty bei Facebook. Die Sicherheit der Kinder in den USA sei "in keiner Weise ein 'Spiel'".

"Ich habe viele schreckliche Dinge gesehen und gehört, seit meine Tochter Opfer einer Schulschießerei wurde und nun im echten Leben tot ist", schrieb bei Twitter Fred Guttenberg, dessen 14-jährige Tochter Jaime ebenfalls zu den 17 Todesopfern an der Marjory Stoneman Douglas High School in Parkland zählt. Valve Corp. solle "die Wut von jedem, der sich um die Sicherheit in Schulen und in der Öffentlichkeit kümmert", treffen. Guttenberg rief Eltern auf, ihren Kindern weder "Active Shooter" noch irgendein anderes Spiel von Valve Corp. zu kaufen.

Senator Bill Nelson aus Florida nannte die Pläne für das Videospiel "unentschuldbar". Jedes Unternehmen, das solche Spiele entwickle, "sollte sich seiner selbst schämen". Der Spielentwickler Revived Games erklärte, "Active Shooter" sei "ausschließlich zu Unterhaltungszwecken und Simulation gedacht". "Revived Games glaubt, dass Gewalt und unangemessenes Verhalten in Videospiele und nicht in die reale Welt gehört", hieß es weiter. Der Spieleentwickler appellierte an Menschen, die den Drang verspürten, Menschen Gewalt anzutun, sich an einen Psychiater zu wenden oder den Notruf zu wählen.

Das Spiel wurde CNN zufolge von Revived Games entwickelt und von der russischen Firma Acid veröffentlicht. "Active Shooter" sollte ab dem 6. Juni zum Preis von fünf bis zehn Dollar (4,30 bis 8,60 Euro) auf den Markt kommen. Inzwischen wurden alle Angebote entfernt. Gegenüber Motherboard hieß es von Steam, dass der Entwickler ein bekannter Troll sei. Das sei herausgekommen, als man den Vorwürfen nachgegangen sei.

In den USA gibt es immer wieder Schusswaffenangriffe in Schulen. Das Schulmassaker in Parkland hatte ein 19-Jähriger am 14. Februar angerichtet. An einer Schule im texanischen Santa Fe erschoss vor knapp zwei Wochen ein 17-Jähriger zehn Menschen. Überlebende der Tat in Parkland haben eine Kampagne zur Einschränkung des laxen US-Waffenrechts gestartet. Der Einfluss der US-Waffenlobby ist allerdings weiterhin groß.

Quelle: n-tv.de, sba/AFP

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