Jahre der Kontrolle und GewaltSchwede zwang Frau zu Sex-Geschäften und muss in Haft

In Schweden fühlen sich viele an den Fall Pelicot erinnert. Ein Mann soll seine Frau immer wieder für Sex verkauft, sie unter Druck gesetzt und drogenabhängig gemacht haben. Im Prozess gegen ihn fällt dennoch nicht die härtestmögliche Strafe.
Im schwedischen Härnösand ist ein 61-Jähriger, der seine Frau zu bezahltem Sex mit etwa 120 Männern gezwungen haben soll, zu einer Haftstrafe von vier Jahren und fünf Monaten verurteilt worden. Der Fall hat in Schweden für Fassungslosigkeit und für Vergleiche mit den Verbrechen gegen die Französin Gisèle Pelicot gesorgt.
Das Bezirksgericht sprach ihn der schweren Anstiftung und versuchten Vergewaltigung schuldig, sah jedoch acht Vergewaltigungsvorwürfe als nicht erwiesen an. Überdies wurde er wegen zweifacher Körperverletzung, sechsfacher Bedrohung und geringfügiger Drogenvergehen verurteilt.
In der offiziellen Mitteilung heißt es, es sei erwiesen, "dass der Mann seine Frau beeinflusst und dazu verleitet hat, sexuelle Handlungen an sich selbst vorzunehmen, diese online zu übertragen, weitere Freier zu gewinnen und Nachbarn und Kunden für sexuelle Handlungen mit ihr zu gewinnen". In vielen Fällen sei dies auch durch anhaltendes Drängen und mit unangenehmer und herablassender Sprache geschehen. "Allerdings konnten wir nicht feststellen, dass ihre Teilnahme unfreiwillig war."
Wie "eine Bankkarte"
Die Anklage hatte dem Schweden schwere Zuhälterei, acht Fälle von Vergewaltigung sowie Körperverletzung vorgeworfen und als Strafe zehn Jahre Gefängnis gefordert. Der Mann soll seine Frau über mehrere Jahre hinweg im Internet für bezahlten Sex angeboten und damit in den Jahren 2022 bis 2025 mehr als 500.000 schwedische Kronen (46.000 Euro) verdient haben. Dafür soll er Anzeigen im Internet geschaltet und Buchungen verwaltet haben. Die Anwältin Silvia Ingolfsdottir, die die Ehefrau vertritt, sagte dem schwedischen Sender SVT, für ihn sei die Frau "wie eine Bankkarte" gewesen. Er "verkaufte sie wie eine Ware", fügte sie hinzu.
Die mutmaßlichen Taten sollen sich sowohl physisch als auch online abgespielt haben. Offenbar wurden die Übergriffe auch gefilmt und "überwacht", wie der öffentlich-rechtliche schwedische Rundfunk SVT berichtet. Unter anderem fuhr er sie demnach zu den Treffen. Um seine Frau gefügig zu machen, bedrohte der Angeklagte sie laut Anklage. So habe er immer wieder damit gedroht, sie mit Benzin zu verbrennen oder ihr die Finger abzuschneiden.
Staatsanwältin Ida Annerstedt hatte dem 61-Jährigen zu Prozessbeginn eine "gnadenlose Ausbeutung" seiner Frau vorgeworfen. Er habe seiner Frau gedroht, wenn sie ihn verärgere, werde "das Monster freigelassen". Außerdem habe er sie von Drogen und Alkohol abhängig gemacht. Die Ehefrau, die von der Staatsanwaltschaft als "schutzbedürftig" beschrieben wurde, forderte eine Entschädigung von umgerechnet rund 100.000 Euro. Das Gericht sprach ihr etwa 18.000 Euro zu.
Die schwersten Anschuldigungen hatte er im Prozess zurückgewiesen und nur ein weniger schweres Drogen-Vergehen eingeräumt. Bei der Prostitution habe es sich um ein "Geschäft" der Frau gehandelt, bei der er eine teils "administrative" Rolle gespielt habe, legte seine Anwältin Martina Michaelsdotter dar. Er habe seiner Frau lediglich geholfen, "ihren lang gehegten Traum von einem Leben als Luxusprostituierte zu verwirklichen".
Der Beschuldigte war im Oktober 2025 im Norden Schwedens festgenommen worden, nachdem die Frau ihn angezeigt hatte. Er soll früher ein ranghohes Mitglied im Rockerclub "Hells Angels" gewesen sein. Das Verfahren in Härnösand fand weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.