Panorama

Empfehlung zur Isolation gekippt Schweden entlässt Senioren ins Eigenrisiko

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Rentner auf seinem Balkon in Stockholm: Die Regierung hebt nun ihre Empfehlung zur Kontaktbeschränkung auf, weil die Isolation die Älteren zu sehr belastet habe.

(Foto: imago images/TT)

Und wieder geht Schweden einen Sonderweg: Während Lockdown-Gegner weltweit vorschlagen, vor allem Senioren zu schützen, schlägt Schweden die umgekehrte Richtung ein. Die Empfehlung an Ältere zur Selbstisolation entfällt. Obwohl in dem Land die Infektionszahlen rasant steigen.

Ältere Menschen in Schweden sind nicht mehr aufgefordert, sich zu isolieren. Sozialministerin Lena Hallengren sagte, es gäbe keinen Grund mehr, warum für Ältere schärfere Maßnahmen gelten sollten als für den Rest der Bevölkerung. "Heute wissen wir mehr über das Coronavirus und über die Situationen, in denen das Infektionsrisiko am größten ist", so Hallengren. "Deshalb müssen wir alle in Schweden jetzt die gleiche Verantwortung übernehmen, um uns und andere zu schützen."

Personen, die älter als 70 Jahre sind, waren bisher aufgefordert, öffentliche Verkehrsmittel und physischen Kontakt zu anderen zu vermeiden. Außerdem sollten sie sich von Geschäften und anderen öffentlichen Orten fernhalten. Die Maßnahmen hätten einen großen Effekt gehabt, hieß es vonseiten der Gesundheitsbehörde. Doch ein Bericht habe gezeigt, dass sich die Isolation bei vielen Älteren negativ auf ihre psychische Gesundheit ausgewirkt habe. Bereits Mitte September hatte Schweden die strikten Besuchsverbote für Bewohner von Altersheimen fallen lassen. Ein seit fast sechs Monaten geltendes Besuchsverbot für die Heime wurde zum 1. Oktober aufgehoben.

Im Gegensatz zu Deutschland, seinen skandinavischen Nachbarn und vielen weiteren Ländern hatte Schweden mit vergleichsweise lockeren Maßnahmen auf die Corona-Krise reagiert. Schulen, Restaurants und Geschäfte waren durchweg offen geblieben, allerdings galten besagtes Verbot von Heimbesuchen sowie eine Beschränkung von öffentlichen Versammlungen mit mehr als 50 Teilnehmern.

Der schwedische Sonderweg hatte international für Schlagzeilen gesorgt, jedoch auch mit sich gebracht, dass die Schweden im Vergleich etwa zu Dänemark, Norwegen und Finnland deutlich höhere Infektions- und Todeszahlen vor allem bei Senioren zu verkraften hatten.

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Pandemie fordert 6000 Tote

Die Zahl der Infektionsfälle hat in Schweden in den vergangenen Wochen stetig zugenommen, ist aber im Verhältnis zur Bevölkerung immer noch niedriger als etwa in Spanien oder Italien. Schweden registrierte insgesamt knapp 109.000 Infektionsfälle und etwa 6000 Todesfälle im Zusammenhang mit Corona.

Als Reaktion auf die steigenden Infektionszahlen führt die schwedische Regierung allerdings nun strengere Regeln für Nachtclubs ein. Die Zahl der Besucher wird auf 50 begrenzt. "Die Partys in den Nachtclubs sind jetzt vorbei", sagte Ministerpräsident Stefan Löfven. Gleichzeitig lockert Schweden die Auflagen für Sportveranstaltungen und andere Events, bei denen die Zuschauer weit auseinander sitzen können. Ab dem 1. November dürften bis zu 300 Personen teilnehmen, bislang sind es maximal 50.

Quelle: ntv.de, mau/dpa