Panorama

"Erfülle deine Pflicht" Schwedens Corona-Appell wird eindringlicher

imago0106314432h.jpg

Löfvren: "Wir leben in einer Zeit der Prüfung."

(Foto: imago images/TT)

Lange geht Schweden im Kampf gegen Corona einen Sonderweg. Statt auf Verbote setzt die Regierung auf Appelle. Doch nun explodieren im Norden die Zahlen. Die Bereitschaft, den Vorgaben zu folgen, werde geringer, stellt der Ministerpräsident fest. Deswegen werden die Kontaktbeschränkungen verschärft.

Die schwedische Regierung verschärft angesichts schnell steigender Infektionszahlen seine Maßnahmen im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus. Ab Dienstag kommender Woche dürfen sich nur noch maximal acht Menschen für öffentliche Zusammenkünfte und Veranstaltungen versammeln, wie Ministerpräsident Stefan Löfven bekannt gab. Dies sei dringend notwendig, um die Corona-Ausbreitung einzudämmen, während die Bereitschaft zur Einhaltung der Maßgaben geringer geworden sei.

Bislang liegt die maximale Teilnehmerzahl für Versammlungen und Veranstaltungen in Schweden bei 50 Personen. Für Kinos, Konzerte, Theater und Sportveranstaltungen mit gewissen Sitzplatzkapazitäten gelten seit wenigen Wochen Ausnahmen von bis zu 300 Teilnehmern. "Wir leben in einer Zeit der Prüfung. Es wird schlimmer werden. Erfülle deine Pflicht, übernimm deine Verantwortung, um die Ausbreitung der Infektionen zu stoppen", sagte Löfven gleich zweimal eindringlich an seine Landsleute gerichtet.

Mit Ratschlägen und Empfehlungen sei man im Frühjahr weit gekommen, nun aber brauche es Verbote, um die Zahl der Infizierten zu senken. Man sende ein deutliches Signal an jeden Schweden, sagte Löfven weiter. Die Bürger sollen darauf verzichten, ins Fitnessstudio oder in die Bibliothek zu gehen sowie Feste zu feiern. Innenminister Mikael Damberg ergänzte, zu viele Menschen verhielten sich so, als sei die Gefahr vorüber.

"So läuft das bei uns in Schweden"

Schweden war in der Corona-Krise bislang einen viel beachteten Sonderweg mit vergleichsweise lockeren Maßnahmen und Appellen an die Vernunft der Bürger gegangen. Eine Verordnungsänderung für die deutliche Teilnehmerbeschränkung soll nun am 24. November in Kraft treten und vorläufig für vier Wochen - und damit bis unmittelbar vor Weihnachten - gelten. Private Feste kann die schwedische Regierung allerdings formal nicht verbieten.

Erst vor wenigen Tagen hatte Chef-Epidemiologe Anders Tegnell gesagt: "Nein, wir bleiben auf diesem Weg. So läuft das bei uns in Schweden." Die freiwilligen Maßnahmen würden zum riesigen Teil umgesetzt.

Wie im Frühjahr hat Schweden mit seinen rund 10,3 Millionen Einwohnern mittlerweile wieder die mit Abstand höchsten Neuinfektionszahlen Skandinaviens. Auf die Bevölkerung heruntergerechnet lag das Land in den vergangenen 14 Tagen bei etwa 430 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner, verglichen mit einem Wert von rund 309 für Deutschland. Das Robert-Koch-Institut führt seit Freitag ganz Schweden als Corona-Risikogebiet.

Quelle: ntv.de, jwu/dpa/rts