Panorama

Zum Einkaufen in Shopping Mall Schwedens Premier ignoriert eigene Corona-Warnung

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Der Besuch sei sorgfältig geplant gewesen, teilt ein Sprecher von Stefan Löfven mit.

(Foto: picture alliance/dpa/Bildbyran via ZUMA Press)

Überfüllte Einkaufszentren sollen gemieden werden, appelliert der schwedische Ministerpräsident vor Weihnachten an die Bevölkerung. Kurz darauf wird er selbst in einer Mall gesichtet. Löfven ist nicht der einzige Politiker des Landes, der deshalb in der Kritik steht.

Schwedens Ministerpräsident Stefan Löfven hat mit einem Besuch in einem Einkaufszentrum für Schlagzeilen gesorgt. Trotz des Appells seiner Regierung, wegen der Corona-Pandemie auf den Besuch solcher Orte zu verzichten, war der Regierungschef kurz vor Weihnachten selbst in einer Mall, wie nun bekannt wurde.

Die Tageszeitung Expressen veröffentlichte Fotos, die Löfven am 20. Dezember im Gallerian-Einkaufszentrum in Stockholm zeigen. Zwei Tage zuvor hatte Löfven die Bürger aufgefordert, überfüllte Einkaufszentren in der Vor- und Nachweihnachtszeit zu meiden. "Ich hoffe und glaube, dass die Menschen erkennen, dass dies ernst ist", hatte Löfven damals auf einer Pressekonferenz gesagt.

Ein Sprecher von Löfven erklärte nun, der Ministerpräsident habe das Einkaufszentrum besucht, "um einen Artikel abzuholen, den er zuvor abgegeben hatte". Der Besuch sei sorgfältig geplant gewesen und Löfven habe die Empfehlungen der Gesundheitsbehörde und seine eigenen beachtet, Menschenansammlungen zu vermeiden. "Ich kann keine weiteren Details nennen", schrieb Pressesprecher Mikael Lindstrom in einer E-Mail an die Deutsche Presse-Agentur.

Am Wochenende war Justizminister Morgan Johansson wegen eines Besuchs in einem Einkaufszentrum in der südschwedischen Stadt Lund am 26. Dezember in die Kritik geraten. In dem Land mit 10,3 Millionen Einwohnern gab es bisher etwa 428.000 Infektionen und 8484 Todesfälle durch das Virus.

Lange hatte Schweden auf Empfehlungen vertraut und damit zunächst die Infektionszahlen im Sommer wieder senken können. Seit dem Herbst sind die Zahlen aber rapide in die Höhe geschnellt. Kurz vor Weihnachten verhängte die Regierung schließlich die bislang strengsten Maßnahmen. In den Restaurants durften ab Heiligabend nur maximal vier Personen an einem Tisch sitzen und nach 20 Uhr durfte kein Alkohol ausgeschenkt werden. Zum ersten Mal seit Beginn der Pandemie forderte Löfven die Schweden auf, in öffentlichen Verkehrsmitteln einen Mundschutz zu tragen - das Nichtbefolgen werde aber nicht unter Strafe gestellt.

Kurz zuvor hatte der schwedische König Carl XVI. Gustav die Corona-Politik seines Landes als gescheitert erklärt. "Wir haben eine große Anzahl, die gestorben ist, und das ist schrecklich", sagte er in einem Interview mit dem Sender SVT. "Ich denke, wir sind gescheitert."

Quelle: ntv.de, chf/dpa

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