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Für die Würde der Nutztiere Schweizer stimmen über Hörner der Kühe ab

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Die Hörner der Kühe seien besser durchblutet als der Schwanz eines Hundes, sagt Bergbauer Capaul.

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Brauchen glückliche Kühe ihre Hörner? Ja, findet Armin Capaul. Der "Kuh-Punk" will erreichen, dass Kälbern nicht mehr qualvoll die Hornanlagen weggebrannt werden. Über sein Anliegen kann die Schweiz jetzt abstimmen.

Sie zieren Schokoladentafeln und Postkarten aus der Schweiz und sind ein nationales Symbol: braune Kühe mit großen dunklen Augen und ansehnlichen Hörnern. In der Realität werden bei den meisten Schweizer Rindern die Hörner allerdings aus wirtschaftlichen Gründen entfernt.

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Armin Capauls Anliegen wurde anfangs nicht ernst genommen. "Sie haben mir ins Gesicht gelacht", sagt der Bergbauer.

(Foto: picture alliance/dpa)

Dagegen kämpft ein Bilderbuch-Bergbauer bereits seit Jahren. Und auch ohne Unterstützung aus der Politik schaffte er es schließlich, dass nun die Schweizer Bürger über sein Anliegen entscheiden. Bei der Volksabstimmung am kommenden Sonntag wird ein enges Rennen zwischen Befürwortern und Gegnern erwartet.

"Für die Würde der landwirtschaftlichen Nutztiere" heißt die Volksinitiative, über welche die Schweizer abstimmen. Sie sieht vor, dass Bauern, die ihren Kühen und anderen Weidetieren nicht die Hörner entfernen, staatliche Subventionen erhalten. Initiator ist Armin Capaul, der im kleinen Ort Perrefitte im Schweizer Kanton Bern selbst Kühe hält. Dies brachte ihn schon vor Jahren auf die Idee für die Initiative.

"Ich rede immer mit den Kühen im Stall", sagt der Bergbauer mit dem stattlichen grauen Vollbart. "Und dann haben sie mir gesagt, ob ich nicht mal was für die Kühe machen könnte", damit sie ihre Hörner behalten können. "Ich habe mir gesagt, dass sie recht haben und dass irgendjemand etwas tun muss", erinnert sich Capaul.

"Sie haben mir ins Gesicht gelacht"

Er schrieb 2001 zuerst an das Schweizer Bundesamt für Landwirtschaft und forderte die Behörde auf, den Erhalt der Hörner in ihr Programm für das Wohlergehen von Nutztieren aufzunehmen. "Sie haben mir ins Gesicht gelacht", erinnert sich Capaul.

Nach weiteren erfolglosen Briefen an die beiden Kammern des Schweizer Parlaments beschloss Capaul, die direkte Demokratie in seinem Land für sein Anliegen zu nutzen. Für seine Initiative kamen binnen 18 Monaten 119.626 Unterschriften von Unterstützern zusammen und damit noch deutlich mehr als die 100.000 benötigten.

Durch sein Engagement wurde Capaul landesweit bekannt. "Wenn meine Frau gewusst hätte, wozu das führt, hätte sie mich nicht unterstützt", sagt der Bauer mit Blick auf das große Medieninteresse an seiner Person.

Die Schweizer Regierung lehnt den Vorstoß des Bergbauern ab. Sie argumentiert, es gebe keine Studie, die belege, dass das Wohlergehen von Kühen oder Ziegen durch die Enthornung übermäßig beeinträchtigt werde.

Capaul hält dem entgegen, die Hörner seien besser durchblutet als der Schwanz eines Hundes und trotzdem sei das Kupieren von Hundeschwänzen verboten - die Enthornung bei Rindern und Ziegen hingegen erlaubt. Die Hörner seien "Teil der Kuh, die Schöpfung hat so entschieden" und der Mensch habe kein Recht, dies zu ändern. In der Schweiz dürften aber nur noch zehn Prozent der Kühe ihre Hörner tragen.

Wahlausgang ist offen

Aus Sicht der Regierung ist das "eine unternehmerische Entscheidung, die allein bei den Bauern liegt". Das Entfernen der Hörner soll es ermöglichen, Rinder ohne höheres Verletzungsrisiko auf engem Raum zu halten.

Capaul, dem die Schweizer Tageszeitung "Le Temps" den Beinamen "Kuh-Punk" verliehen hat, fordert daher Subventionen für Bauern, die ihren Kühen ihre Hörner lassen und daher größere Ställe brauchen. Der Schweizer Bauernverband ergreift in der Frage nicht Partei.

Letzten Umfragen zufolge ist der Ausgang von Capauls Kampf für die Hörner der Kuh offen. Eine Befragung der Mediengruppe Tamedia von Mitte November ergab, dass eine Mehrheit von 52 Prozent die Initiative ablehnt, aber immerhin 45 Prozent der Schweizer dafür stimmen wollen.

Das Institut gfs.bern sieht hingegen Capauls Unterstützer mit 49 Prozent knapp vor den Gegnern mit einem Anteil von 46 Prozent. Capauls eigene Kühe werden ihre Hörner in jedem Fall weiter mit Stolz tragen können.

Quelle: n-tv.de, Eloi Rouyer, AFP

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