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Nach Horror-Unfall in Berlin Sind SUV gefährlicher als andere Autos?

Der tragische Unfall mit vier Toten in Berlin erschüttert. Unterdessen wird Kritik an schweren Autos im Straßenverkehr laut: "Panzerähnliche" Fahrzeuge gehörten nicht in die Stadt. Ob SUV tatsächlich eine größere Gefahr darstellen, fragt n-tv.de den Unfallforscher Siegfried Brockmann.

Nach dem tragischen Unfall in Berlin mit vier Toten trauern viele Menschen um die Opfer. Es herrscht Fassungslosigkeit angesichts der Tragödie, bei der auch ein drei Jahre alter Junge starb. Aber es wird auch Kritik an schweren Fahrzeugen laut, auch SUV (Sport Utility Vehicle, deutsch: Geländelimousine) genannt. Denn es war ein SUV, der am Freitagabend an der Kreuzung in Berlin vier Fußgänger in den Tod riss.

Der Bezirksbürgermeister von Berlin-Mitte, Stephan von Dassel, kritisierte nach dem Unfall schwere Pkw-Modelle. "Solche panzerähnlichen Autos gehören nicht in die Stadt. Es sind Klimakiller, auch ohne Unfall bedrohlich, jeder Fahrfehler wird zur Lebensgefahr für Unschuldige", sagte von Dassel. Doch sind SUV in Innenstädten tatsächlich eine besonders große Gefahr für Fußgänger?

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Siegfried Brockmann ist Leiter der Unfallforschung der Versicherer (UDV).

(Foto: picture alliance / dpa)

Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer (Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft), warnt gegenüber n-tv.de davor, ein "Schwarz-Weiß-Bild" zu zeichnen. Denn ab einer gewissen Geschwindigkeit stelle jeder Autotyp eine tödliche Gefahr für Fußgänger dar. "Das Gewicht von Fahrzeugen ist zwar nicht irrelevant. Aber wenn ein Kleinwagen mit Tempo 80 fährt, ist das im Zweifel sogar gefährlicher als ein SUV mit Tempo 40", so Brockmann.

Frontform kann entscheidend sein

SUV liegen in der Regel jedoch höher als andere Fahrzeugtypen - steigert dies die Gefahr für Fußgänger im Falle eines Aufpralls? Großen Einfluss auf die Gefährlichkeit von Zusammenstößen zwischen Autos und Fußgängern habe vor allem die Frontform eines Fahrzeugs, so Brockmann. Autos würden bei einem Zusammenstoß in der Regel zunächst die Beine des Opfers treffen. Tödliche Verletzungen entstünden aber vor allem im Kopf- und Brustbereich - daher sei für die Schwere der Verletzung entscheidend, auf welchen Teil des Autos ein Mensch mit Kopf und Oberkörper aufprallt.

"Wenn jemand mit dem Kopf auf die Motorhaube fällt, kann er das überleben, da die Motorhaube nachgibt, sie hat eine Deformationszone", sagt Brockmann. Diese Deformationszone hingegen ist bei der Windschutzscheibe geringer und fehlt vollkommen an den Scheibenkanten. "Bei einem Auto mit sehr kurzer oder gar nicht vorhandener Motorhaube ist es wahrscheinlicher, dass das Opfer auf die Scheibenkante trifft", sagt Brockmann. Ein Kleinwagen oder Kleinstwagen kann daher mitunter gefährlicher sein als ein SUV.

Ein weiterer Faktor für den Ausgang von Unfällen sei, wo der angefahrene Fußgänger nach dem ersten Zusammenstoß aufkommt - der sogenannte Sekundäraufprall. "Bei einer Straße mit hartem Belag ist dies schon lebensbedrohlich", sagt Brockmann. Ein Hindernis wie ein Pfeiler oder ein Ampelmast könne die Gefahr noch mal erhöhen. Und: Dieser Faktor sei unabhängig vom Fahrzeugtyp.

Kinder bei Unfällen besonders gefährdet

Aber sind Kinder durch SUV eher gefährdet? Schließlich liegt bei ihnen Kopf- und Brustbereich niedriger als bei Erwachsenen und könnte direkt durch die Wucht des Aufpralls getroffen werden? In der Tat seien Kinder, wenn sie von Autos angefahren werden, aufgrund ihrer Körpergröße besonders gefährdet, sagt der Unfallexperte. Allerdings gelte dies für alle Fahrzeugtypen, nicht nur für SUV.

Unfallforscher Brockmann warnt zudem davor, diesen konkreten Unfall als Anlass dafür zu nehmen, um die Verbannung von SUV aus den Innenstädten zu fordern. Denn: "Ein Kleinwagen stellt in solchen Situationen eine ähnlich große Gefahr dar." Anders sei es hingegen bei Kollisionen zwischen zwei Fahrzeugen, etwa an Kreuzungen: "In diesen Fällen sind SUV-Fahrer selbst zwar sicherer", so Brockmann. "Aber ihre Fahrzeuge stellen aufgrund ihrer größeren Höhe für Insassen anderer Autotypen eine größere Gefahr dar."

Quelle: n-tv.de

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