Panorama

Massentest-Strategie gescheitert Slowakei stolpert in Weihnachts-Lockdown

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Früher als geplant lässt Igor Matovic die Läden schließen. Die Skilifte bleiben aber offen.

(Foto: imago images/ZUMA Wire)

Die Slowakei wollte so eine Art Corona-Musterland sein: Ohne Lockdown, aber mithilfe von Massentests wollten die Osteuropäer durch den Winter kommen. Doch jetzt schnellen die Zahlen empor, und der ebenfalls infizierte Ministerpräsident Matovic fährt sein Land nun doch hastig herunter.

In der Slowakei hat ein ursprünglich erst für nächste Woche geplanter Lockdown begonnen. Zugleich traten ab 5.00 Uhr morgens Ausgangsbeschränkungen in Kraft. Polizisten kontrollierten auf Straßen und an Bahnhöfen. Erlaubt blieb neben dringend notwendigen Besorgungen auch der Weg zur Arbeit. Nicht möglich sind Weihnachtseinkäufe.

Offen halten dürfen Lebensmittelläden, Apotheken, Tankstellen und Banken, aber auch Servicestellen für Mobiltelefone. Supermärkte dürfen zwar Lebensmittel verkaufen, müssen aber die Bereiche für andere Waren absperren. Die Handelsketten-Vereinigung hat dies als unnötige Schikane kritisiert und eine Klage angedroht.

Besonders viel Medienkritik erntete die Regierungsentscheidung, zwar alle Schulen zu schließen, Skiliften aber den Betrieb zu erlauben und das Skifahren von den Ausgangsbeschränkungen auszunehmen. Eines der bekanntesten Skizentren im Land gehört dem rechtspopulistischen Parlamentspräsidenten Boris Kollar. Er ist Chef der zweitgrößten Regierungspartei Wir sind Familie.

Ministerpräsident selbst infiziert

Am Freitag wurde mit 3991 neuen Fällen ein Höchstwert seit Pandemiebeginn in der Slowakei gemeldet. Seit Mitte November steigen die täglichen Neuinfektionen, aber auch die Zahl der Todesfälle stetig an. Am Donnerstag gab es einen bisherigen Höchststand von 69 gemeldeten Toten. In der Slowakei leben rund 5,5 Millionen Menschen. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt bei weit über 300 pro 100.000 Einwohner.

Am Freitag hatte der populistisch-konservative Ministerpräsident Igor Matovic bestätigt, dass er positiv auf das Coronavirus getestet worden sei. Kurz danach wurden mehrere andere Spitzenpolitiker, die zu ihm engen Kontakt hatten, ebenfalls positiv getestet.

Die Slowakei hatte im November mit Massentests an fast der ganzen Bevölkerung über zehn Jahre für internationale Aufmerksamkeit gesorgt. Matovic hatte die Aktion als Alternative zu einem Lockdown angepriesen. Dass sich dieser nun wegen dramatisch steigender Infektionszahlen und drohender Überlastung der Krankenhäuser dennoch nicht verhindern ließ, wertete er als politische Niederlage.

Quelle: ntv.de, jog/dpa

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