Panorama

Polizisten in Indien verurteiltSpäte Gerechtigkeit für Vergewaltigungsopfer

04.05.2017, 16:27 Uhr
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Frauen müssen sich in Indien oft sexueller Übergriffe erwehren. (Foto: AP)

Nach einer Gruppenvergewaltigung vor anderthalb Jahrzehnten fällt nun ein indisches Gericht ein aufsehenerregendes Urteil. Die eigentlichen Täter sitzen bereits hinter Gittern – nun werden aber auch Polizisten und Ärzte belangt.

15 Jahre nach tödlichen Ausschreitungen in Indien sind fünf Polizisten und zwei Ärzte zu Haftstrafen verurteilt worden. Sie wurden in Mumbai im Zusammenhang mit der Gruppenvergewaltigung einer schwangeren Frau und der Ermordung von sieben ihrer Angehörigen schuldig gesprochen. Das Gericht bestätigte außerdem die Urteile gegen elf Hindus in dem Fall, die wegen Vergewaltigung und Mord in Haft sitzen.

Bei der gegen Muslime gerichteten Gewaltwelle in Gujarat im Westen des Landes wurden im Frühjahr 2002 mindestens 2000 Menschen getötet. Die damals schwangere Bilkis Bano wurde von mehreren Hindus vergewaltigt, ihre dreijährige Tochter und sechs weitere Mitglieder ihrer Familie wurden getötet. Bano und zwei ihrer Kinder waren die einzigen Überlebenden einer Attacke auf eine Gruppe von 17 Muslimen.

Die fünf Polizisten und zwei Ärzte waren zunächst freigesprochen worden, die Ermittlungsbehörde CBI legte aber Berufung gegen das Urteil ein. "Nach meiner Kenntnis ist es das erste Mal, dass Polizisten im Zusammenhang mit den Ausschreitungen in Gujarat verurteilt wurden", sagte CBI-Sonderermittler Hiten Venegavkar.

Opfer ist zufrieden

Bano äußerte sich zufrieden darüber, dass Beamte, die ihre Peiniger "ermutigt und geschützt" hätten, zur Rechenschaft gezogen werden. "Meine Familie und ich können nun wieder anfangen, frei und ohne Angst zu leben."

Der Auslöser der Unruhen in Gujarat war ein Brand in einem mit Hindu-Pilgern besetzten Zug im Februar 2002. 59 Pilger verbrannten, für das Feuer wurden Muslime verantwortlich gemacht. Muslimische Bewohner von Gujarat wurden daraufhin wochenlang Opfer von Rachefeldzügen. Dem heutigen Premierminister Narendra Modi, der damals Regierungschef von Gujarat war, und anderen Politikern seiner hindu-nationalistischen Bharatiya-Janata-Partei (BJP) wurde vorgeworfen, die Ausschreitungen angefacht zu haben.

Quelle: vpe/AFP

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