Panorama

Widerstand mehrerer Regionen Spanien beschließt Abriegelung Madrids

Madrid ist Brennpunkt der Pandemie: Ein Fünftel der Tests fällt positiv aus, die Betten auf Intensivstationen sind zu mehr als 40 Prozent mit Corona-Patienten belegt. Trotzdem sperrt sich die Regionalpräsidentin gegen schärfere Einschränkungen. Doch nun greift die Zentralregierung hart durch.

Die spanische Zentralregierung hat ungeachtet des Widerstands mehrerer Landesregionen die Abriegelung von Großstädten im Falle hoher Corona-Infektionszahlen angekündigt. "Die Anordnung wird mit Veröffentlichung im Amtsblatt in den nächsten Tagen in Kraft treten", sagte Gesundheitsminister Salvador Illa in Madrid. Der Anordnung zufolge sollen Bewegungsfreiheit und soziale Kontakte immer dann eingeschränkt werden, wenn in einer Stadt mit mindestens 100.000 Einwohnern die 14-Tage-Inzidenz über 500 Neuinfektionen liegt, mindestens zehn Prozent aller Corona-Tests positiv ausfallen und die Betten auf Intensivstationen zu mehr als 35 Prozent mit Corona-Patienten belegt sind.

Alle drei Voraussetzungen treffen bereits auf die Hauptstadt zu. Die Bewohner sollen die Madrid nur noch aus wichtigen Gründen verlassen dürfen, etwa um zur Schule, zur Arbeit oder zum Arzt zu gelangen. Außerdem müssen Bars und Restaurants künftig um 23 Uhr schließen, Hotels dürfen nur noch halb so viele Gäste wie in normalen Zeiten aufnehmen. Zusammenkünfte sind auf sechs Menschen beschränkt. Die Situation in der Hauptstadt sei "komplex und beunruhigend", sagte Illa. Allein am Mittwoch seien 4810 neue Infektionsfälle registriert worden - das sei der zweithöchste Tageswert seit dem Beginn der zweiten Corona-Infektionswelle.

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Madrid ist neuer Brennpunkt

Illa sagte, der "Vorschlag" sei beim Treffen des Interterritorialen Gesundheitsrates in Madrid mit großer Mehrheit angenommen worden. Seine Ankündigung kam aber sehr überraschend, denn zuvor hatte es geheißen, zur Annahme müssten alle 17 Regionen zustimmen. Gegen die Pläne der Zentralregierung votierten neben Madrid auch Katalonien, Murcia, Galicien und Andalusien. Sprecher dieser Regionen sagten, das Abkommen gelte als zurückgewiesen.

Auch Politiker der Sozialistischen Partei von Ministerpräsident Pedro Sánchez äußerten Zweifel über die Rechtmäßigkeit der von Illa angekündigten Anordnung. Mit der Festlegung einheitlicher Kriterien wollte die linke Zentralregierung in erster Linie den Vorwurf der konservativen Regierung von Madrid kontern, die Region um die Hauptstadt werde aus politischen Gründen diskriminiert und strenger behandelt als andere Regionen Spaniens. Sánchez' Regierung fordert seit Tagen, dass Madrid striktere Einschränkungen und nach Möglichkeit eine Abschottung der ganzen Region beschließt.

Die konservative Regionalpräsidentin Madrids, Isabel Díaz Ayuso, weigerte sich bisher wegen der Folgen für die Wirtschaft, die Stadt abzuriegeln. Bisher sind 45 Gebiete Madrids teilweise abgesperrt. Experten haben diese Maßnahmen als unzureichend kritisiert. Die hohen Infektionszahlen haben Madrid zu einem Brennpunkt der Pandemie in Westeuropa gemacht. Binnen 14 Tagen wurden dort nach Zahlen vom Mittwoch 735 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner registriert. Für ganz Spanien liegt der Wert bei 284. Ein Fünftel aller Corona-Tests in Madrid fällt positiv aus, die Betten auf Intensivstationen sind zu mehr als 40 Prozent mit Corona-Patienten belegt.

Quelle: ntv.de, ara/dpa/AFP