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Brückeneinsturz in Genua Staatsanwalt ermittelt gegen 20 Personen

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Die Überreste der Morandi-Autobahnbrücke.

(Foto: picture alliance/dpa)

Mitte August stürzt ein Teil der Morandi-Autobahnbrücke in Genua in sich zusammen. 43 Menschen sterben. Die Ursache für die Katastrophe steht noch nicht fest, ebenso wird ein Schuldiger gesucht. Die Staatsanwaltschaft nimmt nun 20 Personen ins Visier.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt nach dem Brückeneinsturz in Genua mit 43 Toten unter anderem gegen den Autobahnbetreiber Autostrade per l'Italia. Die Ermittlungen richten sich auch gegen 20 Personen, sagte der Staatsanwalt Francesco Cozzi vor Journalisten. Die Vorwürfe lauteten unter anderem auf mehrfache fahrlässige Tötung im Straßenverkehr.

Bei dem Unglück Mitte August war die Morandi-Autobahnbrücke auf einer Länge von mehr als 100 Metern eingestürzt. Unklar ist, ob vorangegangene Warnungen zum maroden Zustand der Brücke nicht ernstgenommen und Instandhaltungen verschleppt wurden.

Das Unternehmen Autostrade per l'Italia wird über eine Holding von der Benetton-Familie kontrolliert. Bereits kurz nach dem Unglück war eine heftige Kontroverse zwischen der Regierung und dem Betreiber entbrannt. Als wichtigster Anteilseigener der Autobahnbetreiber steht auch der Benetton-Clan im Fokus der Schuld-Debatte: Die Familie, die mit ihrer Modefirma zu Reichtum gelangte und selbst immer wieder mit drastischen Werbekampagnen provozierte, ist für die populistische Fünf-Sterne-Bewegung und die fremdenfeindliche Lega zur Zielscheibe geworden.

Die Fünf-Sterne-Bewegung warf zudem vor allem der Demokratischen Partei vor, in der Vergangenheit von der Finanzkraft des Clans profitiert zu haben. Statt die Mauteinnahmen in die Wartung zu investieren, seien diese als Gewinne verteilt worden "und die Brücken brechen zusammen", lautet der Vorwurf von Vize-Regierungschef Luigi di Maio. Nun gebe es "zum ersten Mal eine Regierung, die kein Geld von Benetton genommen hat". 30,25 Prozent hält die Benetton-Familie am Autostrade-Mutterkonzern Atlantia, der im vergangenen Jahr einen Nettogewinn von mehr als einer Milliarde Euro verbuchte.

Benetton-Familie bricht ihr Schweigen

Die Benetton-Familie rechtfertigte nun erstmals ihr langes Schweigen nach der Katastrophe. "Von unserer Seite wird das Schweigen als Zeichen des Respekts angesehen", sagte Gilberto Benetton, Mitgründer des Modeunternehmens Benetton Group, der Zeitung "Corriere della Sera". "Wenn im Fall Autostrade Fehler begangen wurden, wenn das Geschehene vollständig ermittelt ist, werden die richtigen Entscheidungen getroffen."

Es ist immer noch unklar, wie es zu dem Unglück kommen konnte. Experten vermuten, dass die Katastrophe durch den Riss eines Tragseils verursacht worden sein könnte. Warum das Tragseil versagt haben könnte, liegt aber ebenfalls noch im Dunkeln.

Nach dem Unglück hatte die italienische Regierung den Autobahnbetreiber aufgefordert, sofort den Wiederaufbau der Brücke auf eigene Kosten anzugehen. Auch für den Wiederaufbau der unter der Brücke zerstörten Gebäude müsse Atlantia aufkommen. Zudem forderte Innenminister Matteo Salvini Entschädigungszahlungen von bis zu 500 Millionen Euro für betroffene Familien und örtliche Behörden. Atlantia wird von der Familie Benetton kontrolliert. Das Unternehmen besitzt 88 Prozent am größten Betreiber mautpflichtiger Straßen in Italien.

Quelle: n-tv.de, kpi/dpa

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