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Achteinhalb Jahre Haft für Mord Staatsanwalt prüft Revision für Kandel-Urteil

Im Mordfall von Kandel bekommt der Ex-Freund des ermordeten Mädchens eine Strafe von achteinhalb Jahren Haft. Nach den Worten seines Anwalts akzeptiert er das Urteil. Die Staatsanwaltschaft prüft allerdings noch, ob sie in Revision geht.

Im Mordprozess von Kandel hat die Staatsanwaltschaft noch nicht darüber entschieden, ob sie das Urteil von achteinhalb Jahren Haft für die Messerattacke auf die 15-jährige Mia akzeptiert. Die Verteidigung nimmt das Urteil aber an: Der Anwalt von Abdul D., Maximilian Endler, sagte nach der Entscheidung: "Mein Mandant verzichtet auf Rechtsmittel und ist mit dem Strafmaß einverstanden".

Das Urteil sei "angemessen". Er rechne damit, dass sein Mandant nach der Verbüßung eines Teils der Strafe abgeschoben werde, sagte Endler. In seinem letzten Wort habe Abdul D. noch einmal Reue bekundet. Das Urteil habe der Angeklagte gefasst aufgenommen.

Die Tat mitten in einem Drogeriemarkt in der kleinen Stadt hatte bundesweit für großes Entsetzen gesorgt. Der Fall fachte außerdem die Diskussion um die Altersfeststellung von jungen Flüchtlingen neu an. Rechtspopulistische Gruppen hatten den Fall zum Anlass genommen, um in Kandel immer wieder gegen die Asylpolitik der Bundesregierung zu protestieren. Ein Mann protestierte vor dem Gericht in Landau mit einem Plakat gegen das seiner Meinung nach zu milde Urteil.

Rechte wollen weiter demonstrieren

Der Bürgermeister von Kandel rechnet auch für die Zeit nach dem Urteil mit Kundgebungen in der Stadt. Kandel komme nicht zur Ruhe, sagte der SPD-Politiker Volker Poß im Radioprogramm SWR Aktuell. "Die rechte Szene hatte angekündigt, nach wie vor kommen zu wollen, und auch schon Termine für das nächste Jahr in Anspruch genommen." Der Verbandsgemeindebürgermeister sagte weiter: "Letztendlich ist es so, dass man am Ende des Tages hier sitzt und Entscheidungen treffen muss und auch den ganzen Hass, die ganze Häme und die ganzen Diffamierungen für sich ganz persönlich erdulden muss."

Strafverteidiger Endler sagte, alle Beteiligten hätten sich bemüht, in der Verhandlung "Licht ins Dunkel" der erschütternden Tat zu bringen. "Sofern ein Strafprozess dies leisten kann, ist dies insgesamt geschehen." Ob von dem Urteil Signalwirkung ausgehe, wolle er nicht beurteilen. "Das Ganze bleibt tragisch."

Abdul D. war nach seiner Ankunft in Deutschland als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling aufgenommen und betreut worden. Er gab sein Alter zunächst mit 15 Jahren an. Nach der Tat kamen Zweifel auf, ob er tatsächlich so jung ist. Ein Gutachten im Auftrag der Staatsanwaltschaft kam zu dem Ergebnis, dass er zum Zeitpunkt der Tat mindestens 17 Jahre und sechs Monate alt war, wahrscheinlich sogar schon 20 Jahre alt war. Verurteilt wurde er nun nach Jugendstrafrecht, wie ein Gerichtssprecher sagte. Seine Verurteilung auch wegen Körperverletzung bezieht sich auf Schläge gegen einen Freund Mias.

Das Landgericht Landau entschied sich dafür, im Zweifel für den Angeklagten den gesamten Prozess nach Jugendstrafrecht zu führen. Die Öffentlichkeit war daher von der Urteilsverkündung wie auch von den Verhandlungstagen zuvor ausgeschlossen. Als Motiv für die Tat hatte die Staatsanwaltschaft Eifersucht und Rache angenommen. Sie ging davon aus, dass Abdul D. Mia bestrafen wollte, weil sie sich wenige Wochen vor der Tat von ihm getrennt hatte. Zwölf Tage vor der Tat hatte Mia zudem Anzeige gegen ihren Ex-Freund erstattet, es ging um Beleidigung, Nötigung, Bedrohung und Verletzung persönlicher Rechte. Zwei Tage später folgte eine Anzeige ihres Vaters gegen den jungen Flüchtling.

Quelle: n-tv.de, sgu/dpa

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