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Verurteilter Patientenmörder Staatsanwalt wirft Niels H. 97 Morde vor

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Wegen sechs Morden ist der frühere Krankenpfleger Niels H. schon zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

(Foto: dpa)

Niels H. gilt als einer der schlimmsten Serienmörder in der deutschen Nachkriegsgeschichte. Der ehemalige Krankenpfleger wurde bereits zu lebenslanger Haft verurteilt. Nun muss sich der Patientenmörder für 97 weitere Mordfälle verantworten.

In der Mordserie um den ehemaligen Krankenpfleger Niels H. hat die Staatsanwaltschaft Oldenburg erneut Anklage erhoben. Der Vorwurf: Mord in 97 Fällen. Nach Angaben der Behörde sind die letzten toxikologischen Tests an potenziellen Opfer abgeschlossen. Der ehemalige Krankenpfleger soll am Klinikum Delmenhorst 62 Patienten und am Klinikum Oldenburg 35 Patienten getötet haben. Die Staatsanwaltschaft hatte bereits im November mitgeteilt, dass H. für rund 100 Todesopfer verantwortlich sei. Um diese Fälle geht es in der neuen Anklage.

H. aus Wilhelmshaven gilt als einer der schlimmsten Serienmörder in der deutschen Nachkriegsgeschichte. Statt die ihm anvertrauten Patienten gesund zu pflegen, tötete er sie. Er spritzte ihnen Medikamente, die Kreislaufkollaps oder Herzversagen auslösten - und belebte sie dann wieder.

Die Taten beging H. an zwei Krankenhäusern in Delmenhorst und Oldenburg, wo er zwischen 1999 und 2005 auf Intensivstationen arbeitete. Dort verabreichte er Patienten Medikamente, die zu Herz-Kreislauf-Stillständen führten, um sie danach zu reanimieren. Viele von ihnen starben.

Wie flog Niels H. auf?

Das Töten sei für ihn wie eine Sucht gewesen, hatte H. während des Prozesses ausgesagt. Die Entscheidung dafür fiel meist spontan. Hatte er ein geeignetes Opfer ausgemacht, war es eine Sache von Minuten. Er spritzte den Patienten 30 bis 40 Milliliter eines Herzmedikaments, wartete, bis sich ein Kreislaufkollaps oder eine andere Krise abzeichnete und verließ dann schnell das Zimmer. Wenn kurz darauf der Alarm losging, eilte er zurück. Bei der Wiederbelebung kam H. dann als "Rettungs-Rambo" - so lautete sein Spitzname unter den Kollegen - zum Einsatz.

Wenn er bei Reanimationen den starken Retter spielen konnte, fühlte er sich tagelang gut, wie er vor Gericht aussagte. Kollegen beschrieben H. in ihren Aussagen als zupackend und hilfsbereit. Doch es gab auch Gerede, weil sich Niels H. in kritischen Situationen gerne in den Vordergrund spielte und auffällig viele Patienten während seiner Schichten starben.

Konkrete Hinweise, dass der Pfleger Patienten tötete, gab es nach Ansicht der Ermittler an beiden Kliniken. Doch erst als eine Kollegin Niels H. 2005 auf der Delmenhorster Intensivstation auf frischer Tat erwischte, nahmen die Morde ein Ende. H. ist bereits wegen sechs Morden und Mordversuchen verurteilt und verbüßt bereits eine lebenslange Haftstrafe.

Quelle: n-tv.de, dsi/dpa

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