Panorama

"Makabre" Aktion in Venezuela Stadt markiert Häuser von Covid-Patienten

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Venezuela befindet sich zurzeit mitten in der zweiten Welle. Vor allem die brasilianische Corona-Variante breitet sich rasant in dem lateinamerikanischen Land aus.

(Foto: picture alliance/dpa)

Im Kampf gegen die Corona-Pandemie ist von Politikern oft Kreativität gefragt. Doch ein Bürgermeister in Venezuela geht eindeutig zu weit: Er bringt rote Warnschilder an den Häusern von Erkrankten an. Jetzt muss der Stadtvater mit juristischen Konsequenzen rechnen.

Weil er die Häuser von Covid-19-Patienten mit Warnschildern markiert hatte, ermittelt die venezolanische Staatsanwaltschaft gegen den Bürgermeister der Stadt Sucre. Es handle sich um eine "makabre" Aktion und einen Akt der "Aussonderung", erklärte Staatsanwalt Tarek William Saab.

Auf Videos war zu sehen, wie Bürgermeister Luis Adrián Duque Plakate mit einem rot durchgestrichenen Kreis an den Hauswänden der Kranken anbringen ließ. "An alle Häuser wo es einen Covid-Patienten gibt: Da! Warnung! Das Bewusstsein ist der beste Impfstoff", sagte Duque stolz vor einem Plakat.

Venezuela erlebt derzeit die zweite Welle der Pandemie, dort breitet sich die brasilianische Variante des Virus aus. Das Land verzeichnete bisher offiziell knapp 1700 Todesfälle und 165.000 Infektionen, die Opposition und Hilfsorganisationen gehen von deutlich höheren Zahlen aus.

Corona-Impfstoff gegen Öl

Doch nicht nur die rasant steigenden Corona-Zahlen machen dem südamerikanischen Land schwer zu schaffen. Venezuela steckt zudem in einer tiefen politischen und wirtschaftlichen Krise. Aus Mangel an Devisen und wegen zahlreicher US-Sanktionen kann es kaum noch Lebensmittel, Medikamente und Dinge des täglichen Bedarfs importieren. Selbst Benzin ist in dem Land mit den größten Ölreserven der Welt Mangelware.

Daher hatte Venezuelas Präsident Nicolás Maduro jüngst einen Tausch von Erdöl gegen Corona-Impfstoff angeboten. "Venezuela hat die Öltanker, es hat die Kunden, die uns das Öl abkaufen, und es würde einen Teil seiner Produktion zur Verfügung stellen, um alle Impfstoffe zu garantieren, die Venezuela braucht", sagte Maduro. Details des Plans führte er nicht aus.

Maduros Ansicht nach hat das Land neben dem Tauschgeschäft nur eine weitere Möglichkeit, an Corona-Impfstoffe zu kommen: Es müsse erreichen, dass die USA und europäische Banken die für die Regierung durch Sanktionen gesperrten Finanzmittel freigeben. Damit könnten dann bei der internationalen Covax-Initiative Impfstoffe bezahlt werden.

Quelle: ntv.de, hny/AFP/dpa

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