Panorama

"Tier leidet ganz extrem"Sterbender Wal wird mit Ostseewasser befeuchtet

03.04.2026, 12:45 Uhr
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Der Wal sitzt seit vergangenem Samstag in der Wismarer Bucht fest. (Foto: picture alliance/dpa/Greenpeace Germany)

Der vor Wismar gestrandete Buckelwal liegt noch immer im Sterben. Nachdem die Rettungsversuche abgebrochen wurden, atmet das Tier zwar noch regelmäßig, doch sein Zustand ist äußerst schlecht. Die Feuerwehr versucht ihm nun zumindest etwas Linderung zu verschaffen.

Der vor der Ostseeküste im Sterben liegende Buckelwal hat durch Kräfte der Feuerwehr am Karfreitag Linderung in seinem Leiden bekommen. Die Feuerwehr sei an den vor der Insel Poel in Mecklenburg-Vorpommern liegenden Wal herangefahren und befeuchte seinen Rücken mit Wasser aus der Ostsee, sagte ein Sprecher des Umweltministeriums von Mecklenburg-Vorpommern. Hoffnung, dass das Tier sich frei schwimmen und selbst retten kann, gibt es keine.

"Wir werden das Tier weiter begleiten - bis zum Schluss. Um ihm seine Situation angenehmer zu machen, wurde heute damit begonnen, den Rücken des Wals, der aus dem Wasser ragt, zu benetzen", sagte Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus, der am Mittag erneut vor Ort war. "Der Vorgang soll alle zwei bis drei Stunden wiederholt werden." Auch ein Schlauchboot der Polizei war in der Nähe des Wals im Einsatz, wie ein dpa-Reporter vor Ort berichtete. Der Zustand des Wals ist nach Angaben von Wasserschutzpolizei und Greenpeace unverändert.

Die Initiative zum Befeuchten des Rückens des Tieres geht auf einen Hinweis eines Wissenschaftlers zurück, sagte der Sprecher des Umweltministeriums. Es sei für das Tier "ein unnatürlicher Zustand, mit dem Rücken in der Sonne zu liegen". Deshalb könne ihm die Feuchtigkeit Linderung verschaffen. Die Haut des Wals ist extrem geschädigt, weil das Ostseewasser deutlich weniger Salz hat als sein ursprünglicher Lebensraum im Atlantik. "Das Tier leidet ganz extrem", hatte Meeresbiologe Thilo Maack zuvor zur "Bild"-Zeitung gesagt. Forscher gehen demnach davon aus, dass Strandungen zu den qualvollsten Todesarten für Wale gehören.

"Bis zur letzten Minute"

Der Buckelwal hatte sich Anfang März in die Ostsee verirrt, alle Rettungsaktivitäten wurden nun abgebrochen. Das Tier wird weiter rund um die Uhr bewacht und betreut, sagte der Ministeriumssprecher. Der Wal atme immer noch regelmäßig. Doch selbst wenn sich sein Zustand überraschend bessern sollte, gibt es dem Sprecher zufolge keine Hoffnung. Der Wasserstand der Ostsee sei an der Stelle, wo der Wal liegt, inzwischen so niedrig, dass es ihm nicht mehr möglich sei, sich zu befreien.

Behörden und Experten hatten am Mittwoch von offizieller Seite die aktiven Bemühungen zur Rettung des in flachem Wasser vor der Insel Poel in Mecklenburg-Vorpommern festliegenden Meeressäugers eingestellt. "Wir gehen fest davon aus, dass das Tier dort verstirbt", sagte Burkard Baschek, wissenschaftlicher Direktor der Stiftung Deutsches Meeresmuseum, vor Journalisten.

Um den Wal wurde eine 500-Meter-Sperrzone eingerichtet, für die auch ein Überflugverbot beispielsweise für Drohnen gilt. Am Donnerstag sondierte ein Vermessungsboot die Umgebung des Tieres "schonend", ohne es zu stören. "Dabei handelt es sich um vorbereitende Maßnahmen, um den Tierkörper später bergen zu können", erklärte Backhaus. Er betonte zugleich: "Bis zur letzten Minute werden alle ernst zu nehmenden Hinweise, die dem Tier helfen könnten, entgegengenommen und geprüft."

Seit Samstag vor Wismar

Der etwa zwölf bis 15 Meter lange Buckelwal irrte nach Behördenangaben seit rund vier Wochen durch die Ostsee. Am Montag vergangener Woche strandete das Tier zunächst vor der schleswig-holsteinischen Küste auf einer Sandbank. Nachdem er dort mit Baggern wieder befreit wurde, saß er seit Samstag in der Wismarer Bucht fest.

Am Montagabend hatte sich das zunehmend geschwächte und wohl auch kranke Tier nochmals aus eigener Kraft vom Meeresgrund gelöst. Dann war es für einige Stunden verschwunden, bevor es am Dienstag in die Wismarer Bucht zurückkehrte und sich vor Poel bei Wismar erneut auf Grund legte.

Quelle: ntv.de, spl/AFP

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