Coronavirus verbreitet?Südkoreaner starten Petition gegen Sekte

Nachdem eine Anhängerin der Shincheonji Church of Jesus den Coronavirus-Test verweigert und weiterhin Gottesdienste besucht, breitet sich der Lungenerreger in Südkorea in großem Stil aus. Eine Million Menschen fordern nun die Auflösung der Sekte.
Südkorea ist nach China das Land mit den meisten Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus - und schuld daran ist aus Sicht vieler Südkoreaner eine christliche Sekte. In einer Petition forderte daher bereits rund eine Million Menschen Südkoreas Staatschef Moon Jae In auf, die Shincheonji Church of Jesus aufzulösen.
In dem auf der Website des Präsidialamtes veröffentlichten Aufruf heißt es, die "unmoralische Lehre" der Sekte sei die Ursache für Südkoreas mehr als 760 Infektionen und sieben Todesopfer durch das neuartige Coronavirus. Präsident Moon rief für das ganze Land die höchste Seuchen-Alarmstufe aus.
Eine 61-jährige Anhängerin der Shincheonji-Kirche hatte nach Behördenangaben Virustests zunächst verweigert und war weiter zu Gottesdiensten in der südlichen Stadt Daegu gegangen. In der mit 2,5 Millionen Einwohnern viertgrößten Stadt Südkoreas konnte sich der Erreger der Atemwegskrankheit Covid-19 auf diese Weise schnell ausbreiten - mit weitreichenden Folgen.
Die Menschen sollen zu Hause bleiben
Schulen wurden geschlossen, 28.000 Menschen in Daegu stehen wegen Virus-Verdachts unter behördlicher Aufsicht. Die übrigen Einwohner der Stadt wurden aufgerufen, möglichst zu Hause zu bleiben. Die Fluggesellschaft Korean Air setzte ihre Flüge nach Daegu aus. Die Stadt wirkte wie ausgestorben, auf dem Bahnhof waren kaum Reisende zu sehen.
Nach Angaben der Behörden wurden rund 9300 Anhänger der Shincheonji-Kirche unter Quarantäne gestellt, sie dürfen ihre Wohnungen nicht verlassen. Mit Hunderten weiteren Anhängern haben die Behörden bislang aber noch nicht Kontakt aufgenommen.
Die Sekte wurde von Lee Man Hee gegründet. Seine Anhänger glauben, dass er die Rolle von Jesus Christus übernommen hat und am Tag des jüngsten Gerichts 144.000 Menschen mit sich ins Paradies nehmen darf. Unter dem Druck der Öffentlichkeit entschuldigte sich die Sekte dafür, mit den Coronavirus-Fällen für "Beunruhigung" gesorgt zu haben. Zugleich forderte sie aber Mitgefühl ein: "Seien Sie gewiss, dass die Shincheonji-Kirche und ihre Mitglieder die größten Opfer von Covid-19 sind."