Panorama

Messerattacke in Saarbrücken Syrer ersticht Berater in Therapiezentrum

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Der syrische Flüchtling konnte bereits kurz nach der Tat festgenommen werden.

(Foto: picture alliance / Oliver Dietze)

Um sich psychologisch beraten zu lassen, begibt sich ein syrischer Flüchtling im Saarland zu einer Beratungsstelle. Doch im Gespräch mit einem Mitarbeiter kommt es offenbar zu einem Streit. Am Ende ist der Berater tot, der mutmaßliche Täter wird gefasst.

In einem Therapie-Zentrum für Flüchtlinge in Saarbrücken ist ein Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) erstochen worden. Täter soll ein 27-jähriger Syrer sein, der nach kurzer Flucht in Tatortnähe festgenommen wurde. Der Flüchtling war mit dem Berater in Streit geraten und hatte ihn dann mit einem Messer niedergestochen, wie die Polizei mitteilte. Der 30 Jahre alte Psychologe starb noch an seinem Arbeitsplatz an seinen schweren Verletzungen.

Der Auslöser des Streits war zunächst unklar. Der mutmaßliche Täter konnte noch nicht vernommen werden, weil er mit schweren Verletzungen, die er sich wohl selbst zugefügt hatte, im Krankenhaus behandelt wurde, wie ein Sprecher des Führungs- und Lagezentrums in Saarbrücken sagte. Ob es sich bei einem am Tatort gefundenen Messer um die Tatwaffe handele, sei ebenso unklar wie die Motivation des Mannes. Klar sei nur: "Terror ist überhaupt nicht im Spiel."

Der Syrer wohnt in Saarbrücken und war laut Polizei zur Beratung in das Psychosoziale Beratungszentrum für Migranten des DRK im Stadtteil Burbach gekommen, in dem traumatisierte Menschen Hilfe bekommen. Ob er zum ersten Mal kam oder schon länger in Behandlung war, war zunächst unklar.

"Wir alle sind entsetzt und schockiert", sagte DRK-Präsident Rudolf Seiters. "Unser Mitgefühl gehört den Angehörigen." "Es ist ganz schrecklich", sagte auch der Sprecher des saarländischen DRK-Landesverbandes, Martin Erbelding. "Die Betroffenheit bei den Kollegen ist sehr, sehr hoch." Ein Kriseninterventionsteam und die Notfallseelsorge seien vor Ort. Der Mitarbeiter gehörte seit 2014 zum Team und arbeitete für das psychologisch-orientierte Projekt "Hope", das traumatisierte Menschen bei einem Neubeginn unterstützt. Auf der Internetseite des DRK Saarland stand: "Rotes Kreuz trauert um Mitarbeiter"

Konsequenzen für Mitarbeiter unklar

Die Politik reagierte ebenfalls bestürzt. "Die Nachricht vom Vorfall im DRK-Zentrum hat mich schockiert", erklärte die Ministerpräsidentin des Saarlands, Annegret Kramp-Karrenbauer von der CDU. "Unser Mitgefühl gilt der Familie und den Freunden des Opfers, unsere Gedanken sind aber auch bei seinen Kolleginnen und Kollegen."

Der Fraktionschef der Linken im Saarland, Oskar Lafontaine, zeigte sich nach der Attacke bestürzt: "Es ist besonders traurig, dass ein Mitbürger, der helfen wollte, bei dieser wichtigen Arbeit angegriffen und getötet worden ist." Es sei gut, dass der Täter umgehend gestellt worden sei. Die Umstände der Tat müssten aufgeklärt werden, um daraus die notwendigen Schlüsse zu ziehen", sagte er. Ähnlich äußerte sich die Parlamentarische Geschäftsführerin der SPD-Landtagsfraktion, Petra Berg.

DRK-Sprecher Erbelding sagte, es sei noch zu früh, um zu sagen, was die Tat für die künftige Arbeit der Mitarbeiter bedeute. Es gebe immer ein gewisses Risiko, wenn man mit Menschen aus Bürgerkriegsländer arbeite. Das Rote Kreuz im Saarland zählt rund 2500 hauptamtliche und mehr als 6000 ehrenamtliche Mitarbeiter. Zum Team des Getöteten gehörten elf Mitarbeiter.

Das DRK betreibt das psychosoziale Zentrum an zwei Standorten: in der zentralen Flüchtlingsaufnahmestelle Lebach sowie in Saarbrücken-Burbach. In Burbach, wo auch die Bluttat geschah, sollen speziell Flüchtlinge und Migranten mit posttraumatischen Störungen oder Problemen mit der ihnen fremden Kultur Hilfe finden. In dem Zentrum arbeiteten Psychologen und Therapeuten, aber auch Sozialarbeiter und sogenannte Kulturmittler. Flüchtlinge können dort psychologisch betreut wie auch psychotherapeutisch behandelt werden.

Quelle: ntv.de, vni/dpa/AFP