Panorama

Mordprozess in Gera Täter steht nach 27 Jahren vor Gericht

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Der Fall der zehnjährigen Stephanie war einer der ältesten ungeklärten Kindermorde in Jena und Weimar.

(Foto: picture alliance/dpa)

Anfang der 90er Jahre verschwindet die zehnjährige Stephanie aus Weimar spurlos. Tage später wird ihre Leiche unterhalb einer Autobahnbrücke entdeckt. Es dauert 27 Jahre, bis die Spuren zu einem Verdächtigen aus Berlin führen.

In einem Park in Weimar verschwindet die zehnjährige Stephanie 1991 spurlos. Wenige Tage später entdecken Kinder ihre Leiche unterhalb der Teufelstalbrücke, einer Autobahnbrücke an der A4 nahe dem Hermsdorfer Kreuz. Klar ist: Das Mädchen kam gewaltsam ums Leben und wurde vor ihrem Tod missbraucht. Der Täter aber wird erst 27 Jahre später gefunden.

Als eine Reihe alter Kriminalfälle mithilfe moderner Methoden neu aufgerollt wird, führen die im Fall Stephanie gesicherten Spuren zu einem LKW-Fahrer aus Berlin. Im März 2016 stürmt ein Spezialeinsatzkommando seine Wohnung, der Verdächtige geht mit einer Eisenstange auf die Polizisten los. Nun wird ihm vor dem Thüringer Landgericht in Gera der Prozess gemacht.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem heute 66-Jährigen vor, die Zehnjährige Ende August 1991 aus dem Weimarer Goethepark gelockt und missbraucht zu haben. Er soll ihr 50 Mark dafür geboten haben, ihm Schloss Belvedere zu zeigen. Später stieß er das Mädchen von der Teufelstalbrücke, um den Missbrauch zu vertuschen.

Täter ist vorbestraft

Der Kraftfahrer gestand die Tat bereits kurz nach seiner Verhaftung. Seither sitzt er in Untersuchungshaft. Ein Urteil wird für den Januar erwartet. 1996 war der Mann wegen Missbrauchs an Kindern schon einmal zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden.

Dass ihn die Ermittler im Fall Stephanie nach so langer Zeit überhaupt noch aufspürten, ist neuen Methoden zur Gen-Analyse und moderner Computertechnik zu verdanken. Drei Ermittlungsakten bislang ungeklärter Mordfälle - sogenannter "Altfälle" - waren untersucht worden. Dabei fiel auf, dass Spuren des LKW-Fahrers zu dem Fall Stephanie passen. DNA-Nachuntersuchungen bestätigten die Vermutung, dass es sich bei dem Mann um den Täter handelt.

Quelle: ntv.de, dpa/nan