Panorama

Geiselnehmer außer Lebensgefahr Täter von Köln ist identifiziert

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Diesen Koffer ließ der Täter in einem Schnellrestaurant am Kölner Hauptbahnhof zurück.

(Foto: Polizei NRW)

Über mehrere Stunden hat ein Mann im Kölner Hauptbahnhof eine Frau in seiner Gewalt. Spezialeinsatzkräfte können die Geisel befreien, der Täter wird mit mehreren Schüssen schwer verletzt. Nun steht fest, um wen es sich handelt.

Der Geiselnehmer von Köln ist identifiziert. Bei dem Täter handele es sich zweifelsfrei um den Mann, dessen Papiere die Polizei am Tatort gefunden hatte, sagte der Kripo-Chef Klaus-Stephan Becker bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit der Staatsanwaltschaft. Er sei ein 55 Jahre alter Syrer mit offiziellem Flüchtlingsstatus. Er habe eine Aufenthaltsgenehmigung bis zum Juni 2021. Seine Frau lebe nach wie vor in Syrien. Zwei ihrer Anträge auf Einreise wurden von deutschen Behörden bislang abgelehnt. Der Sohn und der Bruder des Täters befinden sich ebenfalls in Deutschland. Einer von ihnen wurde bereits von den Ermittlern befragt. Diese wollen unter anderem herausfinden, ob der Mann Mittäter hatte.

Spezialeinsatzkräfte setzten den Mann bei der Geiselnahme am Montag mit mehreren Schüssen außer Gefecht. Nach einer stundenlangen Operation befinde er sich nun nicht mehr in Lebensgefahr, sagte die stellvertretende Kölner Polizeipräsidentin, Miriam Brauns. Er liege allerdings im Koma und könne nicht befragt werden. Eines seiner Opfer - ein 14-jähriges Mädchen - erlitt durch das Zünden eines Molotowcocktails so starke Brandverletzungen, dass sie am heutigen Dienstag operiert werden muss. Die Geisel könne hingegen das Krankenhaus wieder verlassen. Beide Frauen werden psychologisch betreut.

Der 55-Jährige ist der Polizei bereits durch mehrere Delikte bekannt - etwa durch Diebstahl, Betrug und Hausfriedensbruch. Ingesamt ist er 13 Mal kriminalpolizeilich in Erscheinung getreten. Eine Klage liege derzeit am Amtsgericht Köln wegen Betrugs in mehreren Fällen vor. Entgegen erster Annahmen hielt sich der Mann bereits seit 2015 in Deutschland auf. Er wohnte in einer Flüchtlingsunterkunft in Köln. Einer Arbeit ist er den Ermittlern zufolge nicht nachgegangen, weil er dazu nicht in der Lage gewesen sei. Grund dafür könnten psychische Probleme sein.

Bei der Durchsuchung seiner Wohnung seien größere Mengen Benzin gefunden worden. "Die Ausdünstungen waren so intensiv, dass die Feuerwehr erst einmal lüften musste", sagte Becker. Es wurden arabische Schriftzeichen mit muslimischem Bezug an den Wänden entdeckt. Darunter etwa "Gott ist groß". Es gebe dabei aber keinen konkreten islamistischen Bezug, insbesondere nicht zur Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS).

Geiselnehmer trug Softairwaffe bei sich

Gegen den Mann wurde nun Haftbefehl wegen versuchten Mordes in zwei Fällen und auch wegen Geiselnahme erlassen. Der Generalbundesanwalt prüfe noch, ob er den Fall übernehme, hieß es. Das werde aber vermutlich im Laufe des Tages oder spätestens Mittwoch geschehen, so eine Sprecherin in Karlsruhe.

Der Mann hatte am Montag Benzin in einem Schnellrestaurant verkippt. Anschließend zündete er einen Molotowcocktail. "Er wollte offensichtlich mehrere Personen schädigen", sagte Kripo-Chef Becker. Die Kunden der Filiale konnten sich weitestgehend in Sicherheit bringen. Bis auf das 14-jährige Mädchen erlitt nur eine weitere Person leichte Verletzungen. Durch den Brandanschlag wurde die Sprinkleranlage ausgelöst. Der Täter flüchtete in eine nahegelegene Apotheke. Dort nahm er eine Angestellte als Geisel und verschanzte sich. Er wählte sie zufällig aus. Als er nach gut zwei Stunden die Frau mit Benzin übergoss, griff die Polizei schließlich ein.

Die Ermittler bestätigten Berichte, wonach der Mann Gaskartuschen mit Stahlkugeln präpariert hatte. Wären diese explodiert, hätte das fatale Folgen gehabt. Ob dies allerdings durch das Benzin, dass der Mann bei sich trug, hätte bewerkstelligt werden können, ist Becker zufolge fraglich. Der Täter habe allerdings keine scharfe Waffe bei sich getragen, wie die Polizei zunächst angenommen hatte. Es handelte sich um eine "täuschend echte Softairwaffe".

Quelle: ntv.de, fzö