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Todesgefahr Lkw Technik könnte Menschenleben retten

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Bei einem Aufprall eines Lkws wirken enorme Kräfte.

(Foto: imago/7aktuell)

Gefühlt gibt es jeden Tag einen schweren Lkw-Unfall. Häufig bleibt es nicht nur bei Sachschäden. Teil der Lösung könnten Notbremssysteme sein. Doch die haben noch ihre Schwächen, technische und menschliche.

Es ist ein allzu vertrautes Bild auf Deutschlands Autobahnen: Abgebrochene Autoteile liegen auf der Fahrbahn, Verletzte erhalten am Straßenrand erste Hilfe. Wieder hat es einen Unfall gegeben, und ein Lkw ist unmittelbar beteiligt. Dabei könnten viele der Lkw-Unfälle mit wirksameren Notfallbremsassistenten verhindert werden.

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Mitte Januar verloren zwei Menschen bei einem Zusammenprall mit einem Lkw ihr Leben.

(Foto: imago/lausitznews.de)

Das statistische Bundesamt zählte in elf Monaten des vergangenen Jahres knapp 3000 Verkehrstote. Das sind zwar im Verhältnis zum Vorjahr mit rund 3200 Toten acht Prozent weniger, dennoch eine erschreckend hohe Zahl. Seit Erfassung der Verkehrstoten im Jahr 1991 nimmt die Anzahl, mit einzelnen Ausreißern, kontinuierlich ab. Notbremsassistenten haben das Potential, die Zahlen weiter sinken zu lassen.

Doch wie arbeitet so ein System? Ausgestattet mit Sensoren ermittelt der Bordcomputer den Abstand zum vorausfahrenden Wagen und die aktuelle Beschleunigung. Sobald das System eine potenzielle Gefahrensituation erkennt, warnt es den Fahrer meist durch akustische Signale. Wenn der Fahrer des Lkw eine Notbremsung durchführen muss, unterstützt ihn das System, um eine stärkere Bremsleistung zu erhalten. Neben der Möglichkeit, die Geschwindigkeit zu drosseln, gibt es solche Bremsassistenten, die den Lkw völlig zum Halten bringen.

Gesetzgeber hängt Technik hinterher

Aktuell schreibt der Gesetzgeber vor, dass Notbremsassistenten bei Lkws die Geschwindigkeit lediglich um zehn Kilometer pro Stunde senken müssen. So muss das System die Höchstgeschwindigkeit von 80 Kilometer pro Stunde vor Aufprall mit einem stehenden Hindernis auf 70 Kilometer pro Stunde absenken. Dieses Tempo birgt aber immer noch eine massive Kraft. Ab November dieses Jahres tritt eine neue Regelung in Kraft, die besagt, dass die Geschwindigkeitsreduktion durch Systeme 20 Kilometer pro Stunde betragen muss. Demnach bleibt eine Kraft von 60 Kilometer pro Stunde bei einem Gewicht von mehreren Tonnen.

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Doch die Technik ist dem Gesetzgeber weit voraus. Systeme, die die Geschwindigkeit um mehr als zehn oder 20 Kilometer pro Stunde senken, seien bereits vorhanden und sollten genutzt werden, sagte ein Sprecher des ADAC gegenüber n-tv.de. Neben der nur zaghaften Geschwindigkeitsreduzierung gibt es ein weiteres Problem: Lkws, die vor 2015 ihre Zulassung erhielten, müssen die Systeme nicht vorweisen. Die Vorschrift betrifft nur sämtliche nach 2015 gebaute Lastkraftwagen. "Es dauert nun auch leider seine Zeit, bis solche Bremsassistenten die Norm sind", sagte der ADAC-Sprecher.

Technik, mit der sich nicht jeder anfreundet

Ein weiterer Schwachpunkt ist die einfache Deaktivierung des Systems. Diese kann jeder Fahrer manuell veranlassen. Das ist möglich, damit sich die Bremse beispielsweise beim Abschleppen eines liegengebliebenen Lkws ausschalten lässt. Für Robert Kroiß vom Deutschen Berufskraftfahrer Verband ist das Ausschalten ohne triftigen Grund unverständlich. Für ihn seien die Systeme lebensnotwendig. "Es sind Hilfen für die Sicherheit jedes Fahrers."

Er glaubt, dass viele Kraftwagenfahrer aus Gewohnheit auf das System verzichten würden. Besonders alteingesessene Fahrer würden den Nutzen der Systeme infrage stellen. "Die meisten denken sich: 'Ich fahre schon seit zig Jahren ohne diese Technik, wieso soll ich jetzt damit anfangen?'", sagt Kroiß. Er vermutet, dass manche Fahrer die Systeme aus Trotz ablehnen würden.

Verschiedenen Medienberichten zufolge sind besonders Unternehmen aus strukturschwächeren Staaten nicht an einer Aufrüstung ihrer Lkws interessiert. Vermutlich liege das an den finanziellen Umständen, so heißt es. Der ADAC wollte sich gegenüber ntv.de dazu nicht äußern.

"Ausreichend, um Unfälle zu vermeiden"

Kroiß sei sehr froh darüber, dass die Industrie so eine Technik zur Verfügung stelle. Für ihn sei genau diese dafür verantwortlich, dass es weniger Unfalltote zu beklagen gäbe. Es stünden aber weiterhin die Fahrer in der Pflicht, Unfälle zu verhindern, meint Kroiß. "Die Technik ist ausreichend, um Unfälle zu vermeiden".

Im Endeffekt, da sind sich Kroiß und der ADAC ebenfalls einig, müssen trotzdem die Unfall-Umstände berücksichtigt werden. Übermüdung oder ein riskantes Fahrverhalten zählen immer noch zu den häufigsten Unfallgründen. Die Fahrer stehen ohnehin in der Verantwortung, ganz gleich ob sie die Systeme nutzen oder nicht. Kroiß stellt in diesem Zuge klar: "Ich erwarte so viel Hirn von dem Fahrer, dass er nicht aggressiv fährt."

Quelle: n-tv.de

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