Panorama

Lehrerin, Mechaniker, Polizist Teenager halten an klassischen Berufen fest

Die Digitalisierung verändert das Berufsleben enorm. Viele Jugendliche streben einer Pisa-Studie zufolge trotzdem noch traditionelle Beruf aus dem 19. oder 20. Jahrhundert an. Die OECD warnt: Viele dieser Berufe könnten in den kommenden Jahren wegfallen.

Trotz des rasanten Wandels der Arbeitswelt sehen viele Jugendliche in Deutschland und anderen Wirtschaftsnationen ihre Zukunft in einem traditionellen Beruf. Sie streben etwa nach wie vor oft Jobs als Ärzte, Lehrer, Polizist oder Manager an, ergab eine von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) veröffentlichte Studie. In Deutschland sind die beruflichen Vorstellungen demnach etwas breiter als in anderen OECD-Ländern.

Die Untersuchung beruht auf Daten der Schulstudie Pisa, bei der 15-Jährige auch nach ihren Berufsvorstellungen befragt wurden. Dabei nannten 47 Prozent der Jungen und 53 Prozent der Mädchen einen von zehn besonders häufig genannten Berufen. Damit hat sich die Fokussierung auf wenige Berufe seit der ersten Pisa-Erhebung im Jahr 2000 sogar noch etwas erhöht. Die Studie zeigt demnach, dass Jugendliche auch im Zeitalter sozialer Medien und künstlicher Intelligenz kaum Tätigkeiten anstreben, die mit der Digitalisierung entstanden sind. Vielmehr seien es größtenteils Jobs aus dem 19. und 20. Jahrhundert, die für junge Menschen immer noch die attraktivsten sind.

Dies beobachteten die Forscher auch in Deutschland. Allerdings sind die beruflichen Ambitionen dort demnach genauso wie in Österreich und der Schweiz insgesamt deutlich diverser als im OECD-Durchschnitt. Es habe sich vermutlich bewährt, dass Schulen frühzeitig Kontakte in die Arbeitswelt vermittelten, erklärte die Organisation.

Teenager in Deutschland wollen später am liebsten Lehrerin oder IT-Spezialist werden. Die meisten 15-jährigen Mädchen in Deutschland (10,4 Prozent) sehen sich im Alter von 30 wieder in der Schule: Als Lehrerin. Dahinter folgen Ärztin (10), Erzieherin (6,4) und Psychologin (4,5). Die meisten Jungen erwarten, dass sie mit 30 IT-Spezialist (6,7 Prozent), Industrie- und Automechaniker (5,2 und 5,1), Polizist (4,5) oder Lehrer (3,8) sein werden.

Traditionelle Berufe bald nicht mehr zeitgemäß

Die Berufsvorstellungen hängen auch von der sozialen Herkunft ab. Laut OECD nannten "leistungsstarke Schüler aus privilegierten Verhältnissen" im Schnitt viermal häufiger ambitionierte Berufsziele als "Schüler mit vergleichbaren Leistungen aus benachteiligten Verhältnissen". Auch zwischen den Geschlechtern unterscheiden sich die Vorstellungen nach wie vor deutlich. Jungen, die bei den Pisa-Tests in Mathematik und Naturwissenschaft besonders gut abschnitten, interessierten sich weitaus häufiger für einen Beruf im Bereich Naturwissenschaften oder Ingenieurwesen als Mädchen. Diese sahen dagegen häufiger ihre berufliche Zukunft im Gesundheitswesen.

Die OECD verwies darauf, dass viele der genannten Berufe "nicht nur traditionell, sondern möglicherweise schon bald nicht mehr zeitgemäß sind". Die Organisation geht nach eigenen Angaben davon aus, dass für 39 Prozent der genannten Berufe das Risiko besteht, in zehn bis 15 Jahren durch Automatisierung wegzufallen.

An der letzten Pisa-Studie, deren Ergebnisse Anfang Dezember vergangenen Jahres vorgestellt wurden, hatten 2018 weltweit rund 600.000 Schülerinnen und Schüler teilgenommen, darunter knapp 5500 in Deutschland.

Quelle: ntv.de, ftü/AFP/dpa

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