Panorama

Mutter und Kind unversehrtTötungsdelikt in Stade: Motiv offenbar Sorgerechtsstreit - Opfer von Jugendamt und Jugendhilfe

29.06.2026, 19:28 Uhr
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Nach den schrecklichen Ereignissen in einer Jugendeinrichtung in Stade können Behörden auf einer Pressekonferenz erste Erkenntnisse schildern. Ein Sorgerechtsstreit ist vermutlich der Auslöser.

Die bei den Schüssen in Stade westlich von Hamburg sechs getöteten Menschen sind alle Mitarbeiter der Jugendeinrichtung oder des Jugendamts. Das sagte Kathrin Schuol, die Polizeipräsidentin der Polizeidirektion Lüneburg. Niedersachens Innenministerin Daniela Behrens sprach auf einer Pressekonferenz von einer "kaltblütigen" Tat.

Das Motiv für die Tat sei vermutlich ein Sorgerechtsstreit gewesen, so Schuol weiter. Im Laufe des Tages habe es einen Termin zur Festlegung des Sorgerechts für die drei Monate alte Tochter des mutmaßlichen Schützen und der Mutter gegeben. Nach Informationen des NDR war das Kind aus der Familie genommen worden. Unter Auflagen habe es zurück zur Mutter gedurft, aber nicht zu deren Wohnort in Hannover, sondern in die Jugendhilfeeinrichtung in Stade. Da der Vater als auffällig galt, fand das Gespräch in großer Runde statt. Dabei soll der Mann nach NDR-Angaben eine Waffe gezogen und die Anwesenden erschossen haben. Die 34-jährige Mutter und die drei Monate alte Tochter seien unversehrt geblieben, hieß es auf der Pressekonferenz.

Der mutmaßliche Täter ist ein 45-Jähriger, der in Deutschland geboren wurde und im Raum Hannover lebt. Er habe türkische Wurzeln. WDR und NDR berichteten, dass er nach ihren Informationen zum Miri-Clan gehöre. Auf Nachfrage erklärten die Behörden auf der Pressekonferenz, dass ihnen dies nicht bekannt sei. Der mutmaßliche Täter sei allerdings polizeibekannt wegen Bedrohung. Mit Gewalttaten sei er bisher nicht in Erscheinung getreten.

Täter durfte keine Waffe führen

Die Herkunft der Waffe sei unklar, sagte Lüneburgs Polizeivize Jörg Wesemann. Ebenso offen ist, ob weitere Waffen benutzt wurden. Der Täter soll in jedem Fall keine Erlaubnis gehabt haben, eine Waffe zu führen.

Zum Ablauf schilderte Schuol, dass es gegen 12 Uhr mehrere Notrufe bei der Polizei gegeben habe, in der Mutter-Kind-Einrichtung in Stade würden Schüsse fallen und es gebe Tote und Verletzte. Der Polizei bot sich vor Ort ein grausames Bild. Sie habe zunächst die Einrichtung gesichert, um sicherzustellen, dass sich kein Täter mehr dort aufhalte, sagte sie. Vier Personen waren bereits tot, zwei Personen wurden wiederbelebt - in einem Fall ohne Erfolg. Eine weitere Person verstarb später im Krankenhaus.

Der mutmaßliche Schütze habe nach der Tat versucht, mit einem Auto zu fliehen, sagten die Ermittler weiter. Eine Frau habe den Wagen gesteuert. Polizisten hätten Schüsse auf das Fahrzeug abgegeben - wieviele ist unklar. Offenbar wurde dabei jedoch ein Reifen des Wagens getroffen. Nach einer kurzen Verfolgung stoppte das Fahrzeug und die Fahrerin und der mutmaßliche Schütze ließen sich von den Beamten festnehmen.

Quelle: ntv.de, als

Mord und TotschlagStadePolizei