Panorama

Hilfe aus Neuseeland auf dem Weg Tonga steht kurz vor Trinkwasserkrise

Der pazifische Inselstaat Tonga kämpft nach einer gewaltigen Vulkaneruption mit zerstörten Häusern und beschädigten Kommunikationswegen. Wegen der Aschwolken und der Salzwasserwelle aus dem Tsunami droht dem Archipel nun auch eine Trinkwasserkrise. Bald sollen erste Hilfsvorräte eintreffen.

Nach dem massiven Vulkanausbruch vor Tonga und dem darauf folgenden Tsunami ist die Trinkwasserversorgung des pazifischen Inselstaats gefährdet. Salzwasser aus dem Tsunami und Vulkanasche haben nach Angaben des Roten Kreuzes die Trinkwasserquellen von Zehntausenden Menschen verunreinigt. "Die Sicherung des Zugangs zu sauberem Trinkwasser ist eine entscheidende unmittelbare Priorität, da das Risiko von Krankheiten wie Cholera und Durchfall steigt", sagte Katie Greenwood von der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften (IFRC). Am Freitag sollen zwei Schiffe der neuseeländischen Marine mit Wasservorräten in Tonga eintreffen, das durch die Naturkatastrophe weitgehend von der Außenwelt abgeschnitten ist.

Hunderte von Häusern auf den kleineren Außeninseln von Tonga wurden zerstört und mindestens drei Todesopfer gemeldet, nachdem der Vulkanausbruch am Samstag gewaltige Tsunamiwellen auslöste, die über die Inseln rollten. Die Regierung sprach von einer beispiellosen Katastrophe. James Garvin, Chefwissenschaftler am Goddard Space Flight Center der NASA, sagte, die Kraft des Ausbruchs werde auf das Äquivalent von fünf bis zehn Megatonnen TNT geschätzt, oder mehr als das 500-fache der Atombombe von Hiroshima.

Nach Angaben des neuseeländischen Außenministeriums hat Tonga die Ankunft der Marineschiffe Aotearoa und Wellington in der bisher coronafreien Nation genehmigt, nachdem es zuvor Bedenken hinsichtlich der Hilfsmaßnahmen aus Furcht vor einem möglichen Ausbruch des Virus dadurch gab. Simon Griffiths, Kapitän der Aotearoa, sagte, sein Schiff habe neben anderen Vorräten 250.000 Liter Wasser an Bord und könne 70.000 weitere Liter pro Tag produzieren. "Für die Menschen in Tonga sind wir jetzt mit einer ganzen Menge Wasser auf dem Weg."

Hilfsflüge können bald beginnen

Tongaische Gemeinden im Ausland haben Bilder von Familien auf Facebook gepostet, die einen Einblick in die Verwüstung geben. Sie zeigen zerstörte Häuser, umgestürzte Bäume, rissige Straßen und Bürgersteige - alles ist mit grauer Asche bedeckt. Der Archipel besteht aus 176 Inseln, von denen 36 bewohnt sind. Rund 105.000 Menschen leben dort. Der internationale Flughafen Fua'amotu wurde durch den Tsunami zwar nicht beschädigt, aber mit Asche bedeckt, die von Hand weggeräumt werden muss. Hilfsflüge aus Neuseeland und Australien könnten am Donnerstag beginnen.

Australiens Ministerpräsident Scott Morrison erklärte, zwei Hercules-Flugzeuge stünden bereit, Hilfsgüter und Telekommunikationsausrüstung zu transportieren, "sobald die Bedingungen dies zulassen". Australien und Neuseeland haben neben Notlieferungen auch sofortige finanzielle Hilfe zugesagt. Die US-Agentur für internationale Entwicklung bewilligte 100.000 Dollar an Soforthilfe, Japan will mehr als eine Million Dollar sowie Trinkwasser und Ausrüstung zur Entfernung von Asche bereitstellen.

Die Asiatische Entwicklungsbank klärt derzeit, ob Tonga den Notstand ausruft, damit es auf Finanzierungsmöglichkeiten für den Katastrophenfall von zehn Millionen Dollar zurückgreifen kann. Andere Länder und Organisationen, einschließlich der Vereinten Nationen, arbeiten ebenfalls Hilfspläne aus. China will Hilfe schicken, einschließlich Wasser und Lebensmittel, wenn der Flughafen von Tonga wieder eröffnet wird.

Das Land ist weitgehend von der Kommunikation abgeschnitten, da durch den Vulkanausbruch das einzige Unterseekabel beschädigt wurde, und es wahrscheinlich einen Monat oder länger dauern wird, um es zu reparieren. Ein Spezialschiff soll am Wochenende von Port Moresby aus zu einer Reparaturfahrt aufbrechen, hieß es vom Kabeleigentümer Tonga Cable. Der internationale Mobilfunkanbieter Digicel erklärte, über seinen Dienst könnte zumindest wieder ins Ausland telefoniert werden.

Quelle: ntv.de, mbu/rts

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