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Krankenhauskoordinator beruhigt Triage in Sachsen "noch weit entfernt"

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Uniklinik Dresden: Krankenhauskoordinator Albrecht sieht die Versorgung noch gewährleistet.

(Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild)

Die Triage ist eine Art Schreckgespenst der Kliniken: Kein Arzt entscheidet gern, ob Patienten leben dürfen oder sterben sollen. Krankenhauskoordinator Albrecht sieht die Lage in Sachsen nicht ganz so dramatisch: Die intensivmedizinische Versorgung sei etwa in Dresden noch lange nicht am Limit.

Sachsen ist nach Worten von Krankenhauskoordinator Michael Albrecht noch weit von einer Triage entfernt. Das Dresdner Uniklinikum habe in der Nacht zu Montag erst zehn neue Intensivpatienten aufgenommen. "Wir sind also jeden Tag am Umorganisieren der verfügbaren Kapazitäten, um die Versorgung zu gewährleisten. Dennoch sind wir weit weg davon, die Angebote an intensivmedizinischer Versorgung zu limitieren oder zu triagieren."

Zu Wochenbeginn hatte der Präsident der Landesärztekammer, Erik Bodendieck, gesagt, dass sich Sachsen auf eine Triage vorbereiten müsse. Triage bedeutet, dass Mediziner aufgrund von knappen Ressourcen entscheiden müssen, wem sie zuerst helfen.

Die Prognose von Montagmorgen sage voraus, dass es am 6. Dezember 669 Intensiv-Patienten im Freistaat geben werde, sagte Albrecht. "Derzeit liegen wir bei knapp 350, das bedeutet fast eine Verdopplung der jetzigen Intensiv-Patientenzahlen in 14 Tagen." Wenn die neuen Corona-Regeln nicht wirkten, müsse man tatsächlich überlegen, wie die Patienten optimal versorgt werden könnten.

Albrecht sagte zugleich, dass kein Krankenhaus in die Situation kommen müsse, zu triagieren. "Wenn ein solcher Fall droht, wird der Patient in ein Krankenhaus innerhalb des Clusters oder Netzwerkes verlegt. Sollten wir damit an die Grenze geraten, wird der Patient innerhalb der Kleeblatt-Organisation bundesweit entsprechend verlegt."

"Möglichkeiten des Netzwerks ausschöpfen"

Das sei schon im Dezember des vergangenen Jahres so gehandhabt worden, als 60 Patienten aus Sachsen nach Schleswig-Holstein und Niedersachsen verlegt worden seien. "Das heißt also, bevor man in der kleinen Welt eines einzelnen Krankenhauses damit anfängt, zu triagieren, muss man erst einmal alle Möglichkeiten im Netzwerk, im Bundesland und dann in der Bundesrepublik ausschöpfen", so Albrecht.

Dennoch habe man bereits grundsätzlich mit Bodendieck über das Thema Triage gesprochen. Es sei sinnvoll, nicht erst in einer absolut eskalierten Situation zu überlegen, wie man damit umgehe. "Deshalb sollte man in Ruhe diskutieren und ein Expertengremium zusammenstellen, um in diesem Rahmen Regelwerke zu entwickeln, um sie dann den Medizinern an die Hand zu geben." So etwas halte er für grundsätzlich sinnvoll, "aber nicht, weil wir es diese Woche bräuchten".

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Am Nachmittag warnte der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach vor einer drohenden Triage und forderte die Hilfe der Bundeswehr bei Verlegungen. "Wir sind in vielen Regionen zum ersten Mal knapp vor Triage. Verlegungen sollte Bundeswehr koordinieren. Für Covid-Patienten ist Flugzeug viel besser als Heli wg Vibrationen, Druckausgleich. Das kann riesige Evakuierung werden. Die Möglichkeiten der Kleeblattverlegung sind eng", schrieb Lauterbach auf Twitter.

Auch der wissenschaftlich-medizinische Divi-Leiter und Lungenfacharzt Christian Karagiannidis verlangte eine frühzeitige Planung und Organisation möglicher Kleeblattverlegungen.

Quelle: ntv.de, mau/dpa

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