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Tiefststände im Rhein Trockenheit beschert neue Rekordwerte

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Im Rhein werden neue Tiefststände erreicht.

(Foto: dpa)

Der Sommer 2018 war lang und trocken. Doch auch der Herbst hat bisher nicht viele Niederschläge gebracht. Das führt zu neuen, sehr niedrigen Pegelständen in Flüssen und Seen. Zum Glück ist Regen in der nächsten Woche in Sicht und wer noch keine Winterreifen aufgezogen hat, sollte das schnell erledigen, rät n-tv Wetterexperte Björn Alexander im Interview.

Wie sieht die Niedrigwasser-Situation aktuell an Deutschlands Flüssen aus?

Derzeit werden an vielen Flüssen und Strömen neue Allzeit-Tiefststände vermeldet. Am Rhein sind alten Rekorde teilweise geradezu pulverisiert worden. In Emmerich lag die alte Marke bei 0,28 Meter. Aktuell meldet der Pegel 0,14 Meter. In Worms hat der Pegelstand aktuell eine Höhe von 1 Zentimeter. Zuvor lag die Rekordmarke bei 16 Zentimeter. Der alte Rekord am Pegel in Köln war 81 Zentimeter. Inzwischen ist aber auch dort ein Stand von unter 80 Zentimetern erreicht. Alles in allem bleibt die Tendenz hierbei weiterhin eher fallend.

Der n-tv Wetterexperte Björn Alexander

Der n-tv Wetterexperte Björn Alexander

Wann wird die Talsohle erreicht?

Wahrscheinlich Mitte der kommenden Woche. Denn mit der Umstellung der Wetterlage und dem damit niedergehenden Regen dürften die Flusspegel zumindest in eine Stagnation kommen. Je nachdem, wie viel Regen tatsächlich kommt, ist auch ein leichter Anstieg der Pegelstände nicht auszuschließen. Bis zu einer nachhaltigen Entspannung ist es aber noch ein weiter Weg, dessen Ende man derzeit leider noch nicht absehen kann.

Bis zu welchen Marken sinken die Pegel zuvor?

Für den Rhein sieht es folgendermaßen aus: Worms 0,00 bis -0,10 Meter, Koblenz 0,20 bis 0,10
Bonn 0,80 bis 0,70, Köln 0,70 bis 0,60 und Emmerich 0,05 bis -0,10 Meter. Wobei eben negative Pegelstände nicht bedeuten, dass der Fluss austrocknet. Die Schifffahrtsrinnen sind deutlich tiefer ausgebaggert und bringen es gerne mal auf über zwei Meter. Kritisch ist es allerdings in den Bereichen, in denen der Rhein durch Gebirgsbereiche, wie beispielsweise am Mittelrhein fließt. Dort kann man nicht so tief ausbaggern, so dass die tatsächliche Wassertiefe dort auch mal unter 1,50 Meter liegen kann.

Wie ist die Lage an den Stauseen?

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Der Edersees nahe der Aseler Brücke sah schon im August sehr ausgetrocknet aus.

(Foto: picture alliance/dpa)

Auch die sind oft unter 50 Prozent ihres Volumens. Der Edersee in Hessen ist gar nur noch zu unter 15 Prozent gefüllt und somit sind Großteile des ursprünglichen Untergrunds frei gelegt.

Bestimmt ein Ziel für viele Schaulustige. Gerade bei dem schönen Wetter.

Ganz bestimmt. Ist ja auch ein wirklich seltener Anblick. Jedoch sollte man diesen Blick eher aus der Ferne machen. Denn vom Betreten des Seegrundes würde ich doch eher Abstand nehmen. Welche Festigkeit der Untergrund tatsächlich hat, ist nämlich nicht eindeutig erkennbar.

Wann steht denn der "Wetterwechsel" an?

In der nächsten Woche bekommen wir eine Wetterlage wie wir sie schon lange nicht mehr erlebt haben. Das Hoch liegt ausnahmsweise mal nicht über Kontinentaleuropa, sondern draußen über dem Atlantik. Gleichzeitig macht sich ein Tief über die Nordsee und Skandinavien zu uns auf den Weg und das bringt einige, fast schon ausgestorbene Worte in unsere Wetterberichte zurück: nasskalt, schmuddelig oder ungemütlich.

Eigentlich ja kein Grund zum Jubeln. Doch in diesem Jahr ist scheinbar alles anders, oder?

So ist es wohl. Im Prinzip findet der Dauersommer jetzt sein Ende in ganz normalem Herbstwetter, das uns einen teilweise stürmischen Nordwestwind, Regen und kühle Temperaturen bringt. Zur Wochenmitte gibt es maximal noch 9 bis 15 Grad und auf den Bergen mischen sich Flocken unter. Das ist nicht ungewöhnlich für die Jahreszeit, aber alles in allem auf jeden Fall erst mal gewöhnungsbedürftig. Sollte es anschließend beim Tiefdruckeinfluss bleiben, dann ist auch eine frühwinterliche Lage zum kommenden Wochenende möglich.

Das würde bedeuten?

Dass es bis auf 600 Meter runter schneien könnte und dass es jetzt wirklich Zeit für den Reifenwechsel wird - wenn noch nicht geschehen. Und irgendwie würde eine solche Entwicklung ja auch zum Wetterjahr 2018 passen. Schließlich sind wir aus dem Märzwinter ja direkt in den Aprilsommer gestartet. Ob es aber tatsächlich so kommt, liegt maßgeblich an der Hochdruckentwicklung über dem Atlantik. Denn das Hoch ist nicht allzu weit entfernt. Insgesamt ist es also eine wirklich spannende Entwicklung, die gleichzeitig eine erste Weichenstellung für den kommenden Winter sein beziehungsweise werden könnte.

Quelle: n-tv.de

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