Panorama

Schweigen bei @nainablablaTwitter-Schülerin nimmt Auszeit

16.01.2015, 15:29 Uhr

22 Worte hatte die 17-jährige Naina auf Twitter geschrieben, darüber, was sie kurz vor dem Abitur alles nicht kann. Plötzlich diskutierten alle, was man in der Schule lernen sollte. Doch der Schülerin wird es nun zu viel.

Nach dem Wirbel um ihren Twitter-Beitrag zur Schulbildung hat die Kölner Gymnasialschülerin Naina ihren Account vorläufig stillgelegt. "Dieser Hass hier auf Twitter ist so heftig, ihr widert mich an. Sagt Bescheid wenn ihr wieder normal seid. Bis dann", schrieb sie als vorerst letzten Eintrag am Donnerstagabend unter @nainablabla.

Naina sagte dem "Kölner Stadt-Anzeiger", sie werde auf ihrem Account nicht mehr twittern, bis sich "die ganze Sache wieder gelegt hat". Sie habe viele Kommentare erhalten, die weit unterhalb der Gürtellinie lägen. "Diesem Stress will ich mich nicht auch noch aussetzen." Den Kontakt zu Politik und Presse wolle sie aber aufrechterhalten, damit das Thema weiterverfolgt werde.

Die 17-Jährige hatte mit einem Tweet zuvor eine Debatte über die Bildungspolitik anstoßen. "Ich bin fast 18 und hab keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen. Aber ich kann 'ne Gedichtsanalyse schreiben. In 4 Sprachen", hatte sie unter @nainablabla geschrieben und damit offenbar einen Nerv getroffen. Tausende Male wurde ihr Post favorisiert und geteilt. Sogar Bundesbildungsministerin Johanna Wanka ließ über ihren Sprecher ausrichten, sie sei dafür "in der Schule stärker Alltagsfähigkeiten zu vermitteln. Es bleibt aber wichtig, Gedichte zu lernen und zu interpretieren."

Follower-Zahl verfünffacht

Allerdings hatte sie nicht nur Unterstützung erfahren. "Dass die Schule einen auf das Leben vorbereiten soll, ist der größte Mist, den ich je gehört habe", schrieb ein Twitter-Nutzer: "Die Schule stellt, jedenfalls in meinen Augen, eine Institution dar, die dich für eine berufliche Laufbahn qualifizieren soll." So sachlich schrieben jedoch nicht alle.

Vor ihrem vorläufig letzten Tweet war Naina zu Gast bei Stefan Raab in Köln und erklärte dort noch einmal, wie sie die Tage nach Absetzen ihres Tweets erlebt hatte. Von den Reaktionen sei sie "wahnsinnig überrascht" worden, die Zahl ihrer Follower sei von ursprünglich 3000 auf nun über 15.000 angestiegen. Zu ihren Beweggründen für den Twitter-Post erklärte sie: "Ich wollte das einfach nur loswerden." Sie habe gar nicht die Intention gehabt, eine so große Diskussion anzustoßen. "Es sollte auch keine Kritik an meiner Schule oder meinen Lehrern sein. Auch nicht unbedingt am Schulsystem."

Eigentlich wollte Naina, die in diesem Jahr ihr Abitur am Ursulinen-Gymnasium in Köln ablegen will, ihren Umgang mit sozialen Netzwerken nicht ändern. Sie hatte sich lediglich vorgenommen, "zweimal zu überlegen, was ich poste, da ich jetzt damit fast 12.000 Leute erreichte." Vor dem vieldiskutierten Bildungstweet hatte Naina schon mehr als 2000 Beiträge per Twitter veröffentlicht – etwa zu brennenden Popkorntüten in der Mikrowelle oder lautem Singen beim Joggen und damit keinerlei Aufmerksamkeit erregt.

Quelle: ntv.de, sba

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