Panorama

Prozess gegen Svetoslav S. U-Bahn-Treter sitzt auf der Anklagebank

Gezielt und mit voller Wucht tritt ein Mann einer jungen Frau in den Rücken. Das arglose Opfer stürzt kopfüber zu Boden. Knapp acht Monate nach dem feigen Angriff im Berliner U-Bahnhof steht ein 28-Jähriger vor Gericht. Ihm wird auch Exhibitionismus zur Last gelegt.

Eine junge Frau geht in einem Berliner U-Bahnhof nichts Böses ahnend eine Treppe hinunter. Plötzlich wird sie aus dem Hinterhalt attackiert. Gezielt und mit voller Wucht trifft ein harter Schlag ihren Rücken. Siebeneinhalb Monate nach der feigen Attacke sitzt der mutmaßliche U-Bahn-Treter auf der Anklagebank.

Der 28-jährige Svetoslav S. muss sich wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten. Zudem steht der aus Bulgarien stammende Mann wegen des Vorwurfs exhibitionistischer Handlungen vor dem Berliner Landgericht. Zwei Wochen vor dem Angriff in der U-Bahn soll er sich am hellichten Tag in einem Park vor zwei Mädchen und später vor einer Frau entblößt und selbst befriedigt haben.

Die feige Attacke im U-Bahnhof gehört zu jenen Fällen, die ohne die Veröffentlichung der Überwachungsbilder wohl niemals aufgeklärt worden wären. In bester Bildqualität zeigt die 20-sekündige Videosequenz aus einer Überwachungskamera der BVG, was in jener Nacht zum 27. Oktober 2016 wirklich passierte: Es ist kurz nach Mitternacht, als mehrere junge Männer den U-Bahnsteig des Bahnhofs Hermannstraße in Berlin-Neukölln betreten. Sie trinken Bier, die Stimmung scheint locker. Dann erscheint eine junge Frau, sie stoppt kurz und nimmt dann die ersten Stufen nach unten zum Bahnsteig.

Videosequenz führt Polizei zum Täter

Der mutmaßliche Täter eilt ihr hinterher. Er trägt eine schwarze Lederjacke, blaue Jeans und ein Basecap. In der linken Hand hält er eine Bierflasche, in der rechten eine Zigarette. Er wird schneller, plötzlich tritt er mit dem rechten Fuß in den Rücken der Frau. Der Tritt trifft sie mit voller Wucht. Das arglose Opfer stürzt kopfüber und schlägt mit dem Gesicht auf dem Boden auf. Der Täter zieht ungerührt an seiner Zigarette und verschwindet wenig später aus dem Fokus der Kamera. Zwei Unbeteiligte kümmern sich um die Verletzte, die sich beim Sturz einen Arm bricht.

Die Polizei behielt die Überwachungsbilder zunächst zurück. Doch nachdem der Täter auch sechs Wochen nach der Tat nicht geschnappt werden konnte, leitete sie eine Öffentlichkeitsfahndung mit dem Video ein. Der kurze Film verbreitete sich im Netz und sorgte bundesweit für Bestürzung. Nach zahlreichen Hinweisen wurde der Tatverdächtige schnell ermittelt, zunächst wurde ein jüngerer Bruder von Svetoslav S. festgenommen. Von Svetoslav S. fehlte anfangs jede Spur. Die Ermittler vermuteten, dass der Bulgare in seiner Heimatstadt Varna untergetaucht sein könnte.

Als der 28-Jährige am 17. Dezember 2016 am Zentralen Omnibusbahnhof mit einem Bus aus Südfrankreich ankam, ging er den Beamten nach einem Tipp ins Netz. Er soll den Tritt bei der Polizei bereits gestanden haben. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Angriff das Potenzial hatte, "ihr Leben zu gefährden". Nach Angaben von Ermittlern ist der Angeklagte in Deutschland nicht vorbestraft. In seinem Heimatland soll er bei Polizei und Justiz mehrfach aufgefallen sein - unter anderem wegen Diebstahls und Fahrens ohne Führerschein.

Svetoslav S. droht eine Haftstrafe zwischen sechs Monaten und zehn Jahren. Schon am ersten Prozesstag soll das Opfer, die getretene 26-jährige Frau, als Zeugin aussagen. Sie ist in dem Verfahren zudem Nebenklägerin. Fünf Prozesstage bis zum 6. Juli sind geplant.

Quelle: n-tv.de, dsi

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