Nach Fund von Kim Walls LeicheU-Boot-Tüftler hält an Unfallversion fest
Nach der Obduktion von Kim Wall kommen grausame Details ans Licht: Ihr Leichnam wurde nicht nur zerstückelt. Er sollte offenbar auch auf den Meeresgrund sinken - und nie wieder auftauchen. Der einzige Verdächtige bleibt dennoch bei seiner Version von einem Unglück.
Obwohl ein DNA-Abgleich bestätigt hat, dass es sich bei der angespülten Toten vor der Küste Dänemarks um die tagelang vermisste schwedische Journalistin Kim Wall handelt, bleibt U-Boot-Eigner Peter Madsen nach Angaben seiner Anwältin bei seiner Behauptung, dass die 30-Jährige bei einem Unglück an Bord des U-Bootes ums Leben gekommen sein soll. Der Zeitung "BT" sagte sie, der Fund des Frauen-Torsos ändere nichts an der Erklärung ihres Mandanten, die er bereits am 12. August gegenüber dem Haftrichter gemacht habe. Damals hatte er von einem Unfall gesprochen, Details zu den Umständen waren aber nicht bekannt geworden.
Polizeisprecher Møller Jensen hatte erklärt, er wolle nicht näher auf die Aussage Madsens eingehen, weil die Vernehmung unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattgefunden habe. Man habe aber nach einer Leiche gesucht und nicht erwartet, einen Torso zu finden, so Jensen. Zu den neuesten Ermittlungsergebnissen habe der 46-Jährige noch nicht befragt werden können. "Mein Mandant ist erleichtert, dass der Fund identifiziert wurde", sagte seine Anwältin der Nachrichtenagentur Ritzau. "Es ist sein größter Wunsch, dass der Fall aufgeklärt wird."
Bei der Obduktion der Leiche hatten die Rechtsmediziner festgestellt, dass offenbar etwas Metallisches am Körper von Wall befestigt war, das die Tote auf den Meeresgrund ziehen sollte. Außerdem seien zahlreiche Verletzungen am Torso festgestellt worden, durch die vermutlich Luft und Gase entweichen sollten, um ein Auftreiben der Leiche zu verhindern. Zudem fanden Ermittler im U-Boot von Madsen Blutspuren von Wall. Der Verdächtige sitzt wegen Verdachts auf fahrlässige Tötung in Untersuchungshaft. Nach dem Fund von Walls sterblichen Überresten steht nun auch ein klarer Mordverdacht im Raum.
Familie von Wall ist "bestürzt"
Die Familie der Journalistin reagierte bestürzt auf den Tod der jungen Frau. "Mit grenzenloser Traurigkeit und Bestürzung erhielten wir die Nachricht, dass Überreste unserer Tochter und Schwester Kim Wall gefunden wurden", schrieb Walls Mutter Ingrid auf Facebook. "Das Ausmaß der Katastrophe können wir noch nicht ermessen, und viele Fragen müssen noch beantwortet werden."
Die 30-Jährige war das letzte Mal gesehen worden, als sie am 10. August an Bord von Madsens U-Boot ging. Sie wollte eine Reportage über den Tüftler schreiben. Madsen hatte ursprünglich behauptet, er habe die Journalistin nach ihrem Besuch auf dem Boot wieder an Land abgesetzt, wenig später habe er dann technische Probleme bekommen. Das U-Boot sank - und Madsen wurde gerettet. Später korrigierte er seine erste Aussage und sprach von einem tödlichen Unfall an Bord.
Die Ermittler gehen davon aus, dass Madsen das Boot absichtlich versenkt hat. Am Montag hatte ein Radfahrer schließlich einen Torso am südlichen Ufer der Kopenhagen vorgelagerten Insel Amager gefunden. Kopf, Arme und Beine fehlten, sie waren abgetrennt worden, wie Polizeisprecher Jens Møller Jensen sagte. Nach weiteren Leichenteilen wird noch gesucht.