Panorama

"Tod wirft ernste Fragen auf" US-Millionär Epstein bringt sich in Zelle um

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Jeffrey Epstein wurde 66 Jahre alt.

(Foto: picture alliance/dpa)

Dramatische Wendung im Fall Epstein: Der des sexuellen Missbrauchs von mehreren Minderjährigen beschuldigte schwerreiche Unternehmer nimmt sich in seiner Gefängniszelle das Leben. US-Justizminister Barr will nun die Todesumstände untersuchen lassen.

Der schwerreiche Geschäftsmann Jeffrey Epstein, der des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen beschuldigt wird, ist am Samstagmorgen tot in seiner New Yorker Gefängniszelle aufgefunden worden. Er sei danach in ein Krankenhaus gebracht worden, teilte das Gefängnis in Manhattan mit. Dort sei er schließlich für tot erklärt worden. Die Bundespolizei FBI untersuche den Fall.

Eine Reihe von US-Medien, darunter die Nachrichtenagentur AFP, berichtete unter Berufung auf anonyme Quellen, Epstein habe sich das Leben genommen. Der 66-Jährige habe sich erhängt, berichtete "New York Times". Unter Berufung auf einen Gefängnisvertreter hieß es in dem Bericht weiter, Epstein sei in der Haftanstalt zwar in einer besonderen Einheit mit strengeren Sicherheitsvorkehrungen untergebracht gewesen. Er habe aber nicht unter besonderer Beobachtung wegen möglicher Suizidgefahr gestanden.

Epstein war der Zeitung zufolge bereits im vergangenen Monat mit Markierungen am Hals bewusstlos in seiner Zelle aufgefunden worden. Die "New York Times" berichtete, Gefängnisbehörden hätten schon damals wegen des Verdachts eines möglichen Selbstmordversuches ermittelt.

Als Reaktion auf Epsteins Tod hat US-Justizminister William Barr eine Untersuchung der Todesumstände angekündigt: In einer Mitteilung Barrs hieß es, er sei entsetzt darüber, dass Epstein nach einem "offenkundigen Suizid" in seiner Zelle in einem Bundesgefängnis in New York leblos aufgefunden wurde. "Herr Epsteins Tod wirft ernste Fragen auf, die beantwortet werden müssen." Zusätzlich zu den Ermittlungen der Bundespolizei FBI habe er - Barr - eine interne Untersuchung des Ministeriums in die Wege geleitet. Das Bundesgefängnis untersteht dem Justizministerium.

Baute Epstein illegalen Sexhandelsring auf?

Die Staatsanwaltschaft in New York warf Epstein vor, Dutzende minderjährige Mädchen missbraucht zu haben. Der Geschäftsmann habe zwischen 2002 und 2005 in New York und Florida einen illegalen Sexhandelsring aufgebaut, hieß es in der Anklageschrift.

Einige der Mädchen seien erst 14 Jahre alt gewesen und mit großen Summen Bargeld angelockt und dazu verleitet worden, weitere Mädchen heranzuschaffen. Die Ermittler berichteten, sie hätten bei Durchsuchungen in Epsteins Anwesen in Manhattan Hunderte Nacktbilder gefunden. Epstein hatte die Vorwürfe zurückgewiesen und auf nicht schuldig plädiert. Der Termin für den Prozessbeginn war vorläufig auf den 8. Juni 2020 festgelegt worden.

Der Ex-Investmentbanker war 2008 einem Bundesverfahren wegen Missbrauchsanschuldigungen nur deshalb entgangen, weil er damals einen Deal mit der Staatsanwaltschaft eingegangen war. Er bekannte sich schuldig, Klienten mit minderjährigen Prostituierten versorgt zu haben, und saß eine Gefängnisstrafe von 13 Monaten ab - teils unter gelockerten Bedingungen. Im Gegenzug wurde ihm ein Verfahren vor einem Bundesgericht erspart. Dieser Regelung hatte der damalige Staatsanwalt in Florida, Alexander Acosta, zugestimmt - nach den neuen Vorwürfen gegen Epstein war er daraufhin von seinem aktuellen Amt als US-Arbeitsminister zurückgetreten.

Der 1953 in New York geborene Epstein zeigte sich immer wieder gerne mit Stars und Politikern in der Öffentlichkeit, flanierte über Rote Teppiche und posierte breit lächelnd für Fotografen. Auch über die US-Elite hinaus galt er als bestens vernetzt. In US-Medien kursierten zahlreiche Namen von Prominenten und Politikern, zu denen er enge Beziehungen unterhalten haben soll.

Trump distanzierte sich von Epstein

US-Präsident Donald Trump distanzierte sich von Epstein. Er habe vor langer Zeit ein Zerwürfnis mit ihm gehabt und sei kein Fan von ihm gewesen. In einem Interview mit dem "New York Magazine" beschrieb Donald Trump Epstein dagegen im Jahr 2002 als "großartigen Mann". Damals sagte der noch nicht politisch aktive Immobilienmogul: "Es wird sogar erzählt, dass er schöne Frauen genauso mag wie ich. Und viele von denen sind eher von der jüngeren Sorte."

Nach der Festnahme entschied ein Richter in Manhattan, dass Epstein bis zum Beginn seines Prozesses im Gefängnis bleiben muss, weil er eine "Gefahr für andere und die Gemeinschaft" sei. Die Staatsanwalt hatte vorher ins Feld geführt, die Fluchtgefahr sei sehr hoch. Epstein besaß zahlreiche Anwesen weltweit und ein eigenes Flugzeug. Epsteins Verteidigung hatte dagegen gefordert, den Unternehmer für eine hohe Kaution im zweistelligen Millionenbereich in seinem Anwesen nahe des Central Parks in Manhattan unter Hausarrest zu stellen.

Es scheint sich nicht um den ersten Suizid-Versuch Epsteins gehandelt zu haben. Während US-Medien in den vergangenen Wochen immer neue Details des Falles an die Öffentlichkeit brachten, hatte sich Epstein bereits Ende Juni Berichten zufolge in seiner Gefängniszelle selbst verletzt - Hinweise deuteten auf einen Suizidversuch hin. Es blieb zunächst unklar, ob das Gefängnis nach diesem Vorfall eine zusätzliche Wache eingesetzt hatte, um eine Wiederholung zu verhindern.

  • Bei Suizidgefahr: Notruf 112
  • Beratung in Krisensituationen: Telefonseelsorge (0800/111-0-111 oder 0800/111-0-222 oder 116-123, Anruf kostenfrei) oder Kinder- und Jugendtelefon (Tel.: 0800/111-0-333 oder 116-111; Mo-Sa von 14 bis 20 Uhr)
  • Bei der Deutschen Depressionshilfe sind regionale Krisendienste und Kliniken zu finden, zudem Tipps für Betroffene und Angehörige.
  • In der deutschen Depressionsliga engagieren sich Betroffene und Angehörige. Dort gibt es auch eine E-Mail-Beratung für Depressive.
  • Eine Übersicht über Selbsthilfegruppen zur Depression bieten die örtlichen Kontaktstellen (KISS).

Quelle: n-tv.de, kst/AFP/dpa

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