Panorama

Legende um Fliegerass Wie der "Geist von Kiew" den Ukrainern Hoffnung gibt

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Eine MiG-29 der ukrainischen Luftwaffe.

(Foto: picture alliance / dpa)

Während russische Einheiten die Verteidiger von Kiew in die Zange nehmen, verbreitet sich im Netz die Geschichte eines erfolgreichen Jagdpiloten, der über der Hauptstadt wacht. Doch an der Echtheit der Heldengeschichte gibt es einige Zweifel.

Die Ukraine befindet sich in einer kritischen Situation. Von mehreren Seiten greifen russische Truppen seit Mitte der Woche das Land an und stehen bereits vor der Hauptstadt Kiew. Für den ukrainischen Staat geht es um die nackte Existenz. In dieser bedrohlichen Zeit ist es kein Wunder, dass urbane Legenden über angebliche Heldentaten ukrainischer Soldaten Hochkonjunktur haben. So kursiert im Netz das Bild eines Soldaten, der als "Ukrainischer Sensenmann" betitelt wird und schon 20 russische Soldaten eliminiert haben soll. Die größte Aufmerksamkeit erhält allerdings die Geschichte über einen anonymen Kampfpiloten.

Der als "Geist von Kiew" gefeierte Flieger soll Berichten zufolge bereits am ersten Tag der Invasion fünf russische Maschinen vernichtet haben. Diese Abschusszahl würde ihn zum ersten Fliegerass des 21. Jahrhunderts machen. Ein Videoclip, das auf Twitter massenhaft verbreitet wird, soll zeigen, wie die MiG-29 des Kampfpiloten einen russischen Jet über Kiew vom Himmel holt. Selbst der ukrainische Ex-Präsident Petro Poroschenko befeuerte die Geschichte und postete das Bild eines Piloten, das den "Geist von Kiew" zeigen soll. "Mit solch starken Verteidigern wird die Ukraine definitiv gewinnen", schrieb er zu dem Foto.

Beweise für "Geist von Kiew" gibt es nicht

Doch so heldenhaft die Geschichte auch klingen mag, Beweise für die Existenz des Piloten gibt es nicht. Ukrainische Behörden konnten auf Nachfrage des US-Magazins "Newsweek" die Echtheit der Geschichte nicht bestätigen. Zudem untersuchten Faktenchecker der Webseite Snopes ein kurzes Video, das den "Geist von Kiew" beim Luftkampf zeigen soll. Das Ergebnis: Der Clip wurde mit Szenen eines Computerspiels angefertigt. Zudem merkten kritische Twitter-User an, dass die Zahl der Abschüsse gar nicht mit dem Munitionsvorrat einer MiG-29 zusammenpasst.

Dennoch nahm auch das ukrainische Verteidigungsministerium die urbane Legende auf. Am Freitagnachmittag veröffentlichte die Behörde auf Twitter das Foto eines Kampfjets. Dazu schrieb sie: "Dutzende erfahrene Militärpiloten vom Hauptmann bis zum General, die zuvor aus der Reserve entlassen worden waren, kehren zur Luftwaffe der Streitkräfte zurück. Wer weiß, vielleicht ist einer von ihnen der Geist in der MiG-29, den die Kiewer so oft sehen." Trotz Zweifel an der Echtheit scheint also die Legende vom "Geist von Kiew" ihre Wirkung zu entfalten.

(Dieser Artikel wurde am Sonntag, 27. Februar 2022 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de

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