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Isolierte Familie in Ruinerwold Vater wollte offenbar Kommune gründen

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In der Nähe des Bauernhofs im Ort Ruinerwold ist ein weiteres Grundstück von den Ermittlern durchsucht worden.

(Foto: picture alliance/dpa)

Eine Familie lebt neun Jahre lang autark und isoliert von der Außenwelt auf einem niederländischen Bauernhof. Seit der Fall bekannt ist, rätseln Ermittler, was dahinter steckt. Nun kommt heraus: Der Vater hatte womöglich ein höheres Ziel.

Der Vater der isoliert lebenden Familie aus den Niederlanden wollte offenbar eine Kommune gründen. Das berichtet die niederländische Zeitung "De Volkskrant". Der 67-Jährige, der völlig autark mit seinen sechs Kindern auf einem Bauernhof lebte, soll jahrelang an einem eigenen Evangelium gearbeitet haben. Tausende Artikel veröffentlichte er als "John Eagles", unter anderem auf einer Facebook-Seite namens "Eagle Rock Wiki". Bis 1987 war er zudem selbst Mitglied einer Sekte.

Die von ihm beschriebene Religion sei ein Potpourri verschiedener Ansichten. So gebe es klassische Elemente des alttestamentarischen Christentums, aber auch buddhistische Einflüsse. Auren, Energieräder, Chakren und Thai-Chi würden ebenfalls eine Rolle spielen, schreibt "De Volkskrant". Neben religiösen Ansichten enthalte das Evangelium auch viele praktische Anleitungen, wie etwa zur Gartenarbeit, Tipps zu Bauchmuskel-Training oder Hinweise zur Holzverarbeitung. Die Einträge enden 2016. Nach Angaben des Sohnes Jan hatte Gerrit-Jan D. in diesem Jahr einen Schlaganfall.

Einige der Artikel seien von einem Co-Autor namens Joseph Greenwood verfasst worden. Der Name deutet auf den zweiten Verdächtigen in dem Fall hin. Der Pächter des Hofes, Josef B., wird neben Gerrit-Jan D. der Freiheitsberaubung verdächtigt. Der 58-Jährige Österreicher sitzt derzeit in Haft.

Vater wird Haftrichter vorgeführt

Am Wochenende ist ein weiteres Grundstück in der Nähe des Hofs der Familie in Ruinerwold von der Polizei abgesperrt und durchsucht worden. Das Gelände soll Gerrit-Jan D. gehören. Nach Informationen der "Bild"-Zeitung kaufte der 67-Jährige das 5,6 Hektar große Grundstück schon 1997 für etwa 42.000 Euro. Er soll am heutigen Montag dem Haftrichter vorgeführt werden.

Gerrit-Jan D. wird verdächtigt, seine sechs heute erwachsenen Kinder gegen ihren Willen neun Jahre lang auf dem abgelegenen Hof in der östlichen Provinz Drenthe festgehalten zu haben. Vor knapp einer Woche war die Familie von der Polizei entdeckt worden, nachdem der 25-jährige Sohn Jan in der Dorfkneipe um Hilfe gebeten hatte. Der Vater hatte vor etwa zehn Jahren bei den Behörden seine Auswanderung gemeldet, war aber kurz darauf mit den Kindern auf dem Hof untergetaucht. Die Kinder waren nie bei den Behörden gemeldet. Die Familie lebte in einem abschließbaren Raum auf dem Hof. Bewohner des 4000-Einwohner-Dorfes hatten nie etwas von der Anwesenheit einer Familie bemerkt.

Mutter der Kinder starb 2004

Die Mutter der Familie soll nach Aussagen von früheren Nachbarn und auch nach Angaben des Sohnes Jan 2004 gestorben sein. Die heute 18 bis 25 Jahre alten Kinder, vier Mädchen und zwei Jungen, werden nach Angaben der Polizei gut versorgt und auch psychologisch betreut. Sie könnten lesen und schreiben und seien auch gut ansprechbar.

Bei der Durchsuchung des Hofes war eine große Summe Bargeld gefunden worden. Auch waren in Geschäftsräumen des Vaters und des Österreichers Computer und Unterlagen beschlagnahmt worden. Weitere Ergebnisse der Ermittlungen wurden noch nicht mitgeteilt.

Quelle: n-tv.de, joh/dpa

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