Panorama

Polizei prüft alten Vermisstenfall Verschleppten NSU-Terroristen Hilal?

10056213.jpg

Mit diesem Foto suchte die Hamburger Polizei 1999 nach Hilal.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Vor über 17 Jahren verschwindet Hilal nach einem Besuch im Supermarkt. Eine 140-köpfige Sonderkommission sucht nach dem Mädchen, arbeitet hunderte Hinweise ab. Ohne Erfolg. Jetzt kommt wieder Bewegung in den Fall.

Die Hamburger Polizei rollt einen der größten Vermisstenfälle der vergangenen Jahrzehnte wieder auf. Knapp 18 Jahre nach dem Verschwinden der damals zehn Jahre alten Hamburger Schülerin Hilal Ercan prüft die Polizei einen möglichen Zusammenhang mit dem rechtsextremistischen "Nationalsozialistischen Untergrund" (NSU).

"DNA-Spuren werden abgeglichen", bestätigte ein Polizeisprecher in der Hansestadt entsprechende Medienberichte. Es gebe aber noch keine konkreten Hinweise, dass eine Verbindung bestehen könnte. Anlass dafür ist der kürzlich bekannt gewordene Fund von DNA-Spuren des mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt am Fundort der ermordeten Peggy Knobloch in Thüringen.

Das türkische Mädchen Hilal war am 27. Januar 1999 in einem Einkaufszentrum im Hamburger Stadtteil Lurup verschwunden. Als Belohnung für ein gutes Zeugnis durfte sie sich dort Süßigkeiten kaufen, doch die Zehnjährige kam nicht mehr nach Hause. Eine 140-köpfige Sonderkommission namens "Morgenland" wurde eingerichtet und der Fall bundesweit im Fernsehen ausgestrahlt.

"Von unbekannter Person verschleppt"

Jahrelang beschäftigen sich die Ermittler mit dem Fall, arbeiten hunderte Hinweise ab - ohne Erfolg. Hilal blieb verschwunden. Schließlich ging man davon aus, dass das Mädchen Opfer eines Tötungsdeliktes, möglicherweise verbunden mit einem Sexualdelikt, geworden war. "Es gilt mittlerweile als sicher, dass Hilal unmittelbar nach ihrem Einkauf im Supermarkt von einer unbekannten Person verschleppt wurde", hieß es damals von der Polizei.

Nach den jüngsten Entwicklungen steht der NSU im Verdacht, sein grausames Treiben unter anderem über den Handel mit missbrauchten Kindern finanziert zu haben. Neben dem Fall Hilal sollen laut LKA Hamburg jetzt auch weitere ungeklärte Morde an Kindern, Vermisstenfälle und Sexualdelikte in Hamburg auf einen Zusammenhang mit den Taten des NSU-Trios geprüft werden.

Zweieinhalb Jahre nach Hilals Verschwinden, im Sommer 2001, hatten die mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos im Hamburger Stadtteil Bahrenfeld den türkischen Gemüsehändler Süleyman Taskröpü erschossen.

Quelle: n-tv.de, dsi/dpa

Mehr zum Thema