Panorama

Bordell-Erlaubnis in Kanada Verurteilter Mörder ersticht Prostituierte

Fatale Entscheidung: Die kanadischen Behörden gewähren dem inhaftierten Mörder Eustachio Gallese Ausgang. Er darf sogar seine "sexuellen Bedürfnisse" befriedigen. Doch während eines Freigangs tötet er eine junge Prostituierte. Eine Debatte entbrennt: Hat das Justizsystem in diesem Fall versagt?

In Kanada hat der verurteilte Mörder Eustachio Gallese gestanden, während seines Freigangs Mitte Januar eine Prostituierte getötet zu haben. Laut der britischen "Daily Mail" lernte Gallese die 22-jährige Marylène Lévesque in einem erotischen Massagesalon kennen, den er regelmäßig besuchte.

Die Tat hätte verhindert werden können, ist sich die Öffentlichkeit einig: Denn der 51-Jährige sitzt seit 2006 wegen Mordes an seiner damaligen Partnerin im Gefängnis. Mit einem Hammer hatte er mehrfach auf seine Freundin eingeschlagen und sie anschließend mit zwei Messerstichen umgebracht. Das Gericht attestierte ihm damals dem Blatt zufolge ein "hohes Risiko" als Wiederholungstäter.

Doch dann änderte sich die Bewertung durch den Bewährungsausschuss: Zunächst wurde sein Status auf "gemäßigt" und schließlich im vergangenen Jahr auf "niedrig bis gemäßigt" herabgesetzt. Damit galt Gallese als kaum noch gefährlich und bekam im März 2019 sogenannte Tagesbewährung. Er durfte täglich auf Freigang und musste sich nur noch nachts in einer betreuten Wohneinrichtung einfinden.

Er durfte seine "sexuellen Bedürfnisse" befriedigen

Zudem hatte Gallese die Erlaubnis, seine "sexuellen Bedürfnisse" zu befriedigen, schreibt die "Daily Mail". Bereits vor dem Mord an Lévesque soll er in dem Etablissement, wo sein späteres Opfer arbeitete, gewalttätig gegenüber Frauen geworden sein. Daraufhin zweifelten die Behörden die Entscheidung zur Lockerung seines Bewährungsstatutes als "einen besorgniserregenden und signifikanten Risikofaktor" an. Der Fall sollte im März 2020 neu bewertet werden.

Zu spät für Lévesque: Zwei Monate vor der Neubewertung erstach Gallese die junge Frau in einem Hotelzimmer in der Provinz Quebec. Anschließend stellte er sich der Polizei.

Der Fall erregte viel Aufsehen in Kanada. Quebecs Justizministerin Sonia LeBel forderte Antworten darauf, warum ein gewalttätiger Straftäter wie Gallese Bewährung bekommen konnte. Sie verstehe das Prinzip der Reintegration, "doch die Sicherheit der Öffentlichkeit sollte immer an erster Stelle stehen", sagte LeBel der "Montreal Gazette".

Allerdings trage der Bewährungsausschuss nicht die alleinige Schuld an dem vermeidbaren Mord, sagte Sandra Wesley, Sprecherin der Organisation "Stella", die sich für die Rechte von Prostituierten einsetzt, der "Daily Mail". "Die Kriminalisierung von Sexarbeit begünstigte die Gewaltbereitschaft dieses Mannes." In Kanada ist Prostitution an sich zwar nicht illegal. Aber ein Gesetz von 2014 stellt die Werbung und Inanspruchnahme unter Strafe.

Quelle: ntv.de, hny