Panorama

Verwendung spaltet StadtbewohnerHitlers Geburtshaus in Braunau am Inn wird zur Polizeistation

26.02.2026, 08:31 Uhr
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Ohne Gedenkstein würde niemand ahnen, was es mit diesem Haus auf sich hat. (Foto: AFP)

Eine kleine Stadt an der Grenze zwischen Österreich und Deutschland ringt immer noch mit der NS-Vergangenheit. Hier wurde Adolf Hitler geboren, dessen Geburtshaus bald als Polizeiwache dienen soll. Das gefällt nicht allen Bürgern der Stadt.

Die Bauarbeiten sind fast abgeschlossen, in wenigen Wochen soll die Polizei im österreichischen Braunau am Inn ihre neue Wache beziehen. Das helle Steinhaus ist unspektakulär, doch seine Geschichte macht es zum Politikum: Hier wurde Adolf Hitler geboren. Um die Nutzung des Gebäudes wurde jahrelang gestritten. Noch immer löst die Umwidmung des Hauses bei den Menschen in der Grenzstadt am Inn gemischte Gefühle aus.

"Es ist ein sehr zweischneidiges Schwert", sagt Sibylle Treiblmaier vor Hitlers Geburtshaus. Zwar könne die Verwendung als Polizeiwache verhindern, dass sich Neonazis dort versammeln. "Aber ich finde, man hätte es besser oder anders nutzen können", ist die 53-jährige Büroassistentin überzeugt.

Die Regierung wollte mit dem Umbau eine "Neutralisierung des gesamten Ortes" erreichen und verabschiedete 2016 ein Gesetz, um die baufällige Immobilie aus dem Besitz des privaten Eigentümers zu übernehmen. Zuvor hatte das Innenministerium das Haus bereits gemietet und unter anderem als Einrichtung für Menschen mit Behinderung genutzt.

Österreich ringt seit Jahrzehnten mit seiner nationalsozialistischen Vergangenheit. 1938 annektierte Hitler das Nachbarland, der "Anschluss" ans Deutsche Reich wurde von vielen Österreichern bejubelt. Während der Nazi-Herrschaft wurden etwa 65.000 österreichische Juden ermordet und 130.000 ins Exil gezwungen. Immer wieder wurde Österreich vorgeworfen, seine Mitverantwortung für den Holocaust nicht vollständig anzuerkennen.

"Widerstand innerhalb Polizei ein seltenes Phänomen"

Die rechtspopulistische FPÖ, gegründet von ehemaligen Nazis, ist in den Umfragen die stärkste Partei. Bei der Wahl 2024 holte sie die meisten Stimmen, scheiterte jedoch bei der Regierungsbildung. Bis zum vergangenen Jahr trugen zwei Straßen in Braunau am Inn die Namen von Nazis; erst nach jahrelangem Protest von Aktivisten wurden sie umbenannt.

Das Haus, in dem Hitler am 20. April 1889 geboren wurde und als kleines Kind für kurze Zeit lebte, steht mitten im Stadtzentrum in einer schmalen Geschäftsstraße. Auf einem Gedenkstein davor steht: "Für Frieden, Freiheit und Demokratie. Nie wieder Faschismus. Millionen Tote mahnen."

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Der Gedenkstein vor dem Geburtshaus von Adolf Hitler. (Foto: AFP)

Nach Angaben des Innenministeriums sollen die Polizeibeamten im "zweiten Quartal 2026" einziehen. Autor Ludwig Laher, Mitglied des Mauthausen-Komitees Österreich, das Holocaust-Opfer vertritt, sieht das kritisch: "Eine Polizeistation ist deshalb problematisch, weil die Polizei in jedem politischen System das, was der Staat will, zu schützen hat", sagt er. "Widerstand innerhalb der Polizei ist ein seltenes Phänomen."

Kritik: Ort wird wieder unzugänglich

Laher verweist auf die Idee, das Gebäude in ein "Haus der Verantwortung" umzuwandeln - eine internationale Begegnungsstätte zur Völkerverständigung und Friedensarbeit. Dieser Plan habe "viel Zuspruch gefunden", sagt Laher. Das Büro des konservativen Bürgermeisters von Braunau lehnte eine Stellungnahme ab.

Jasmin Stadler, eine Ladenbesitzerin und gebürtige Braunauerin, hätte sich gewünscht, Hitlers Geburtshaus zu einem Ort der Geschichte zu machen. "Es wäre spannender, das geschichtlich aufzuarbeiten", sagt die 34-Jährige. Durch die Polizeistation werde das Haus wieder zu einem unzugänglichen Ort, kritisiert sie. Auch die Kosten für den Umbau - 20 Millionen Euro - findet sie zu hoch.

Wolfgang Leithner findet es hingegen "vernünftig, das Gebäude zu nutzen und es der Polizei zu geben, der öffentlichen Hand". Die Diskussion um das Geburtshaus Hitlers werde damit dennoch nicht beendet sein, vermutet der 57-jährige Elektrotechniker. Er hofft, dass künftig zumindest keine Rechtsextremen mehr nach Braunau pilgern und "ein bisschen Ruhe rein kommt in das Ganze".

Quelle: ntv.de, Julia Zappei, AFP

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