Panorama

Leichenfund bei London Vietnamesen aus Lkw waren zuvor in Berlin

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In der Nacht zum 23. Oktober wurden die Leichen im Lkw entdeckt.

(Foto: picture alliance/dpa)

Aus Hanoi machen sie sich auf in ein besseres Leben, wie sie hoffen. Stattdessen sterben 39 Vietnamesen auf qualvolle Weise in einem Lkw. Neue Recherchen zeigen, dass sie auf ihrer Route auch einen Stopp in Berlin gemacht haben. Die deutsche Hauptstadt ist für viele Schleuser offenbar ein wichtiger Ort.

Von den 39 Vietnamesen, deren Leichen im Oktober in einem Kühllastwagen in Großbritannien gefunden wurden, haben sich einem Medienbericht zufolge mehrere vor ihrem Tod in Berlin aufgehalten. So sei beispielsweise die 19-jährige Thi N. knapp vier Wochen vor ihrem Tod in der deutschen Hauptstadt gewesen, berichtete der Sender rbb unter Berufung auf gemeinsame Recherchen mit der niederländischen Investigativ-Redaktion Argos.

Die Auswertung des Facebook-Profils von Thi N. habe ergeben, dass die junge Frau bereits im August ihr Heimatdorf 170 Meilen südlich von Hanoi verlassen habe, hieß es in dem Bericht. Die Route der Schlepper habe sie über China und dann einen bislang unbekannten Weg nach Berlin geführt. Von dort sei sie in den belgischen Hafen von Zeebrugge gebracht worden, wo sie schließlich in dem Container nach Essex in Großbritannien verschifft wurde.

Unter den in dem Kühlcontainer erstickten Vietnamesen waren den Recherchen zufolge mindestens drei Minderjährige: zwei 15-Jährige und ein 17-Jähriger. Wie die niederländische Zeitung "Algemeen Dagblad" berichtete, war unter den Toten auch ein Minderjähriger, der zuvor aus einem Asylbewerberheim in den Niederlanden verschwunden war. Der Junge, dessen Alter nicht genannt wurde, sei aus einer "besonders sicheren Einrichtung für schutzbedürftige Asylbewerber" entkommen, berichtete die Zeitung unter Berufung auf die niederländische Asylbehörde COA.

Aus dem Heim in der südniederländischen Provinz Limburg waren dem Bericht zufolge im August sechs vietnamesische Jugendliche verschwunden, nach denen die Polizei sogar mit Hubschraubern gesucht hatte. Die Asylbehörde wollte das Verschwinden der Jugendlichen demnach aber nicht mit dem Leichenfund in Großbritannien in Verbindung bringen.

Die Leichen von 31 Männern und acht Frauen aus Vietnam waren in der Nacht zum 23. Oktober in einem Industriegebiet östlich von London in einem Lkw-Kühlcontainer entdeckt worden. Dieser war kurz zuvor per Fähre über den Ärmelkanal nach Großbritannien gekommen. Der aus Nordirland stammende Lkw-Fahrer befindet sich seit dem Fund in Untersuchungshaft. Dem 25-Jährigen werden Totschlag, Verschwörung zum Menschenhandel und Geldwäsche zur Last gelegt.

Schleusen von Vietnamesen nach Westeuropa nimmt zu

Die britische Polizei nahm zudem mehrere weitere Verdächtige fest. Erst am Freitag hatte die Polizei der ostenglischen Grafschaft Essex die Festnahme eines 23-Jährigen aus Nordirland bekanntgegeben, gegen den wegen Verschwörung zum Menschenhandel und Beihilfe zu illegaler Einwanderung ermittelt wird.

In den vergangenen Jahren habe das Schleusen von jungen Vietnamesen nach Westeuropa stark zugenommen, berichtete rbb24. Die Route führe dabei häufig über Russland, die baltischen Staaten und Polen nach Berlin.

Viele der aus ärmlichen Verhältnissen stammenden Vietnamesen würden nach einem Aufenthalt in Berlin von international operierenden Schleuserbanden weiter nach Großbritannien gebracht, heißt es in dem Bericht. Dort müssten sie häufig in Cannabis-Plantagen oder Nagelstudios ihre Schulden für die Überfahrt bei den Schleusern abarbeiten.

Quelle: ntv.de, ibu/AFP