Panorama

"Horrorszenario" oder nicht? Virologen streiten über Ausmaß von Covid-19

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Wie viele Menschen werden sich infizieren? Experten streiten darüber, wie schlimm es wirklich kommen wird.

(Foto: imago images/localpic)

Nach Angaben des Charité-Virologen Christian Drosten könnten sich bis zu 70 Prozent der deutschen Bevölkerung mit dem Coronavirus anstecken. Ein anderer führender Experte - Alexander Kekulé - sieht das aber anders. Über Covid-19 ist ein kleiner Expertenstreit entstanden.

Wie weit wird sich das Coronavirus in Deutschland noch ausbreiten? Führende Virologen sind sich darüber uneinig und rechnen mit unterschiedlichen Szenarien. Virologe Christian Drosten von der Charité Berlin hält eine Virus-Infektion bei 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung für möglich. Unklar sei aber noch, in welcher Zeit dieses Infektionsgeschehen verlaufe. In diesem Szenario infiziert sich die Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger. Es sei wohl damit zu rechnen, "dass wir direkt in eine Epidemiewelle hineinlaufen", sagte Drosten, Direktor des Instituts für Virologie an der Charité. "Wir müssen damit rechnen, dass ein Maximum von Fällen in der Zeit von Juni bis August auftreten wird." Er verwies auf eine neue, verfeinerte Modellrechnung einer Studie aus den USA. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel teilt die Einschätzung von Drosten.

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Christian Drosten prognostiziert, dass sich die Mehrheit der Deutschen infizieren wird.

(Foto: REUTERS)

Alexander Kekulé, ebenfalls Virologe, hält die Infektionsrate von 70 Prozent allerdings für ein "maximales Horrorszenario". Er schätzt die Zahlen deutlich niedriger ein. Der Experte sieht die Prognose von Drosten kritisch, weil es in der Metropole Wuhan, die am schlimmsten von Covid-19 betroffen war, 3000 Todesfälle gegeben habe.

Umgerechnet auf Deutschland würden es im allerschlimmsten Fall langfristig eher 40.000 Tote sein - und nicht, wie Drosten hochrechnet, mehrere Hunderttausend. Kekulé, Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie des Uniklinikums Halle, spricht in einer ZDF-Sendung am Dienstag davon, dass sein Szenario zwar ernst zu nehmen ist, aber "nicht so eine apokalyptische Dimension" hat.

*Datenschutz

Die Experten sind sich zwar bei der Einschätzungen des Ausmaßes uneins, doch beide sind der Meinung, dass eine bestmögliche Eindämmung des Virus durch Einschränkungen im Alltag funktionieren könne. Das Virus könnte sich damit deutlich langsamer verbreiten. Durch ein Verbot von Veranstaltungen könnten vor allem die Infektionen älterer und gefährdeter Personen vermindert werden.

Quelle: ntv.de, sgu